Dürfen menstruierende Frauen beten?

von Ecevit Polat am 3. September 2011

Im Islamischen Katechismus steht stellvertretend für die Rechtsschulen (vier der Sunnitischen) folgendes:

Für muslimische Frauen mit Regelblutung und Wochenbett gelten einige Sonderregelungen. So darf eine Frau während der Menstruation oder dem Wochenbett nicht beten, nicht einmal die Niederwerfung zum Dank (sagdat as-sukr) verrichten. Sie darf nicht fasten oder den Koran rezitieren, wohingegen sie doch Koranverse aus dem Gedächtnis als Bittgebet (du´a) rezitieren darf. Den Koran selbst oder Dokumente und Währungen, die Koranverse enthalten, darf sie selbst dann nicht berühren, wenn der Vers nicht voll ausgeschrieben ist.“ (siehe hierzu Ömer Nashui Bilmen, Feinheiten Islamischen Glaubens, S. 87-88)

Obwohl der Koran in keinem Vers die Ausübung der gottesdienstlichen Handlungen der menstruierenden Frauen einschränkt, oder auch nur explizit verbietet- erklärt dennoch ein Großteil der Rechtsgelehrten diese für absolut verboten (haram).

Der Koran teilt nur eine Einschränkung mit, die nicht nur die Frauen betrifft!

Sie fragen dich nach der Monatsblutung. Sag: Sie ist ein Leiden. So haltet euch von den Frauen während der Monatsblutung fern, und kommt ihnen nicht nahe, bis sie rein sind. (Sure 2, Vers 222 : al-Baqara (Die Kuh)

Sehr interessant ist in diesem Zusammenhang eine ähnliche Einstellung der vorislamischen Araber. El-Kelbi (gest.819) schrieb auf Seite 32 in seinem Werk „Kitabu´l-Asnam“ folgendes:

In der Zeit vor dem Islam war es strengstens für menstruierende Frauen verboten, die Götzenstatuen zu berühren. Auch durften diese sich nicht an heiligen Orten aufhalten.“

Ibn Abbas (gest.687) sagte:

Die Frau ist im normalen Zustand, aber auch in der Menstruation  sauber“ (siehe hierzu: ibnu Hemmam Ebu Bakr Abdurrezzak (gest. 826); el-Musannef, Bd. 1, S. 105-109)

Der ehemalige Dekan der Theologischen Fakultät der Universität Istanbul Prof. Yasar Nuri Öztürk erklärt:

„Der Koran hat mit der diskriminierenden und ausgrenzenden Haltung gegenüber menstruierenden Frauen Schluss gemacht. >>Mit Rücksicht auf die Sunna<<, so lautete die Begründung, hat man diese vom Koran beseitigte Ungerechtigkeit dann nach dem Tode des Propheten wieder eingeführt.“

„Der Koran betrachtet die Menstruation als „Zustand der Erkrankung und des Unwohlseins“. Die Regelblutung, für die in diesem Zusammenhang das arabische Wort „Eza“ (Leiden) verwendet wird, ist nichts Schmutziges, wie es jene behaupten, die sich das Schikanieren der Frau zur Religion gemacht haben, sondern ein Zustand, der mit Unwohlsein, Unrast und anderen körperlichen uns seelischen Beschwerden einhergeht…“

Menschen mit der Ansicht, die Menstruation sei ein Zustand der „Beschmutztheit und Unreinheit“, sehen die Frau im Grunde genommen per se als nicht ganz sauber an…“

„Der menstruierenden Frau ist es gestattet, Ritualgebete zu unterlassen, nicht zu fasten, der Moschee und der Moscheegemeinde fernzubleiben…“

„Wie in allen anderen Krankheitssituationen auch ist es der Frau aber gestattet, das Ritualgebet zu vollziehen und zu fasten, so es ihre Situation denn erlaubt. Für die menstruierende Frau besteht also kein Verbot, vielmehr liegt eine Genehmigung vor.“

Frauenfeinde späterer Zeiten haben aus der Genehmigung dann ein Tabu gemacht und für Frauen in der Menstruation eine Reihe von Verboten aufgestellt. „ (Yasar Nuri Öztürk, Der verfälschte Islam; S.116-117)

Der Koran beschreibt in Sure 5 Vers 6 und 4:43 grundlegende Punkte, die notwendig sind, um das Gebet zu verrichten. Aus dem Koranvers ist aber auch zu entnehmen, was  genau,  die rituelle Reinheit für ungültig erklärt:

O ihr, die ihr glaubt! Wenn ihr euch zum Gebet begebt, so wascht euer Gesicht und eure Hände bis zu den Ellenbogen und streicht über euren Kopf und (wascht) eure Füße bis zu den Knöcheln. Und wenn ihr im Zustande (hier handelt es sich um die große rituelle Unreinheit nach Geschlechtsverkehr oder Samenerguss) der Unreinheit seid, so reinigt euch. Und wenn ihr krank seid oder euch auf einer Reise befindet oder einer von euch von der Notdurft zurückkommt oder wenn ihr Frauen berührt habt (D.h. : mit ihnen geschlechtlich verkehrt habt) und kein Wasser findet, so sucht reinen Sand und reibt euch damit Gesicht und Hände ab. Allāh will euch nicht mit Schwierigkeiten bedrängen, sondern Er will euch nur reinigen und Seine Gnade an euch erfüllen, auf dass ihr dankbar sein mögt (5:6)

 

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