Warum entsandt Gott keine Frauen als Propheten?

von Ecevit Polat am 9. September 2011

Für die meisten islamischen Gelehrten ist die Sache eindeutig, dass in der Geschichte Frauen nie als Prophetinnen von Gott auserwählt wurden.

Der türkische Prediger Fethullah Gülen schreibt:

Gott schickte den Völkern Gesandte aus ihren eigenen Reihen. Die Propheten waren ohne Ausnahme Männer, nie waren es Frauen.“ (Fragen an den Islam, S.156)

Ferner begründet Gülen diesen Umstand mit folgender Begründung:

„Wie kann eine Frau und Mutter mit einem Baby auf dem Schoß Armeen führen und verwalten, Entscheidungen über Leben und Tod treffen oder schwierige Strategien gegenüber Feinden verfolgen und durchsetzten?“

„Die Aufgabe eines Propheten besteht darin, der Menschheit im gesellschaftlichen wie auch im religiösen Leben in jeder Beziehung ohne Unterbrechung und ohne zögern Rechtleitung zu bieten…“

„Daher können Frauen keine Propheten sein. Würde der Mann derjenige sein, der Kinder zur Welt bringt, gäbe es keine männlichen Propheten“. (Fragen an den Islam, S.158-159)

Die Befürworter dieser Ansicht, berufen sich hauptsächlich auf den Koranvers:

„Auch vor dir entsandten Wir nur Männer, denen Wir die Offenbarung gaben, aus dem Volk der Städte“. (Koran 12/109)

Mustafa Islamoglu weißt in seiner Koranerläuterung (Tafsir) darauf hin, dass es sich hierbei nicht um das Geschlecht des männlichen als solche bezieht. Die Mekkanischen Polytheisten verlangten, dass Gott ihnen nur Engel als Propheten schicken würde, doch der Koran erinnerte die Götzenanbeter mit dem folgenden Koranvers 12/109: daran, dass auch zuvor nur Menschen und keine Engeln als Propheten entsandt wurden.

 „Auch vor dir entsandten Wir nur Männer, denen Wir die Offenbarung gaben, aus dem Volk der Städte“. (siehe hierzu: Hayat Kitabi Kur’an, Mustafa Islamoglu, S.453-454)

 Eine große Anzahl der Gelehrten vertreten aber auch eine gegensätzliche Sichtweise. Sie sind der Auffassung, dass im Koran einige Textstellen vorhanden sind, die ausdrücklich die Frauen als Prophetinnen  würdigen.

Zumal sind sie der Ansicht, dass Moses (a)  Mutter eine Prophetin war: „Und Wir ließen der Mutter von Moses Wahy (Offenbarung) zuteil werden… ( Koran 28/7).

Diese Prophetie beschränkt sich allerdings nicht nur auf sie, auch Jesus (a) Mutter Maria (ra) erhielt Wahy (Offenbarung):

„Und, als die Engel sagten: Maria! Gewiss, Gott  lässt dir frohe Botschaft über ein Wort von Ihm überbringen…“ (Koran 3/42)

Der islamische Professor für Theologie Hayreddin Karaman vertritt die These:

„Wer auch immer eine Offenbarung (Wahy) erhalten hat, ist ein Prophet. Maria (ra) erhielt Offenbarungen, also ist auch sie eine Prophetin.“ (Itikadi Meseleler, S.90)

Auch der 1973 verstorbene Korangelehrter Muhammad Tahir b. Asur argumentiert ähnlich wie Karaman:

„Der Engel sprach zu Maria (ra) und teilte ihr ihre Auserwähltheit mit. Dies ist ein klarer Beweis dafür, dass sie eine Prophetin war.“ (Tefsirü’t-tahrir ve’t-tenvîr, Band 3, S.244)

Professor Süleyman Ates, ehemaliger Minister für Religion (Diyanet Isleri Baskanligi), unterstreicht die vorhergegangenen Aussagen damit, dass Gott zwischen Mann und Frau keinen Unterschied macht und jedem, wen er will, Offenbarungen zukommen lässt. Anhand der exemplarisch erwähnten Koranverse 3/42 und 28/7, wie auch 11/71 und 66/11-12 wird deutlich, dass auch Frauen göttliche Offenbarungen erhielten und somit von der Prophetie nicht ausgeschlossen waren. (Süleyman Ates: Koran Tefsir, Band 3 der sechsbändigen Ausgabe, S.309).

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