Verführte Eva Adam?

von Ecevit Polat am 6. März 2012

Islammuster-beschaffenheitshintergrund

Eines der grundlegendsten Verunglimpfung gegen die Frauen in der Menschheitsgeschichte ist zweifelsohne die Rolle von Eva als Prototyp einer Verführerin.  Seit Jahrtausenden wird den Frauen der Vorwurf gemacht, ein Pakt mit dem Teufel geschlossen zu haben. Eva habe sich vom Satan beeinflussen lassen und anschließend auch ihren Mann Adam von den Früchten“vom Baum der Erkenntnis“ zum Essen verleitet. Laut der Bibel sprach Satan in der Gestalt einer Schlange zu Eva:

Da sprach die Schlange zum Weibe: Ihr werdet keineswegs des Todes sterben.. Und das Weib sah, dass von dem Baum gut zu essen wäre und dass er eine Lust für die Augen wäre und verlockend, weil er klug machte. Und sie nahm von der Frucht und aß und gab ihrem Mann, der bei ihr war, auch davon, und er aß.

Da sprach Adam: Das Weib, dass du mir zugesellt hast, gab mir von dem Baum, und ich aß. Da sprach Gott der Herr zum Weibe: Warum hast du das getan? Das Weib sprach: Die Schlange betrog mich, so dass ich aß“ (Genesis 3: 4-13).

Im biblischen Bericht trägt die Frau die Last dieser Verfehlung und als Strafe vermehrt Gott ihre Qualen bei der Geburt:

Und zum Weibe sprach er: Ich will dir viel Mühsal schaffen, wenn du schwanger wirst; unter Mühen sollst du Kinder gebären und dein Verlangen soll nach deinem Manne sein, aber er soll dein Herr sein“ (Genesis 3: 16).

Das Neue Testament der Christen unterstreicht die Version im Alten Testament. So heißt es dort in verschiedenen Stellen:

Ich fürchte aber, dass, wie die Schlange Eva verführte mit ihrer List, so auch eure Gedanken abgewendet werden von der Einfalt und Lauterkeit gegenüber Christus“ (2. Korinther, 11:3).

Und Adam wurde nicht verführt, die Frau aber hat sich zur Übertretung verführen lassen“ (1. Timotheus, 2:14).

Ausgehend von diesen Überlieferungen kamen im Mittelalter christliche Würdenträger zum folgenden Entschluss:

Die Frau ist die Tochter der Falschheit; eine Schildwache der Hölle; der Feind des Friedens; durch sie verlor Adam das Paradies“ (Hl. Johannes von Damaskus (gest. 754). Zitiert nach: Islam und Christentum, S. 141, Ulfat Samad).

Die Frau ist das Werkzeug des Teufels, dessen er sich bedient, um von unseren Seelen Besitz zu ergreifen“ (Hl. Cyprian, Islam und Christentum, S. 141).

Die Geschichte von Adam und Eva wird auch im Koran in vielen unterschiedlichen Suren behandelt. Erstaunlicherweise widerspricht der Koran fundamental der biblischen Version. Danach war es nicht Eva, sondern Adam ließ sich vom Satan verführen:

Doch Satan flüsterte ihm zu und sagte: O Adam! Soll ich dich zu dem Baume der Ewigkeit und in ein Reich führen, das nie vergeht? Und sie aßen beide davon“ (Koran, 20:120).

Der Koranexeget Mawdudi (gest. 1979) schreibt dazu: „Beachte, dass in diesem Vers die Rede davon ist, dass Satan Adam verführte und nicht in erster Linie Eva. Nach Sure 7:20 wurden beide in Versuchung geführt und fielen ihr zum Opfer. Dies steht im Gegensatz zum biblischen Bericht in Genesis 3:3-9, wo Satan erst die Frau verführte und diese dann den Mann“ (Tefhimul Kuran, Bd. 3, s. 281).

Für die meisten muslimischen Autoren steht es zumindest fest, dass Adam und Eva gemeinsam handelten (siehe hierzu: Koran- Einführung, S. 86, Murad Hofmann).

Doch wenn die Koranverse im Zusammenhang betrachtet werden, so geht aus ihnen eindeutig hervor, dass Adam Eva zur Übertretung der Grenzen zum „Baum der Erkenntnis“ suggerierte.

Doch Satan flüsterte ihm zu und sagte: O Adam! Soll ich dich zu dem Baume der Ewigkeit und in ein Reich führen, das nie vergeht? Und sie aßen beide davon“ (Koran, 20:120).

Und (also) gehorchte Adam seinem Erhalter nicht, und also verfiel er in schlimmen İrrtum‘‚ (Koran, 20:121).

Diese Koranverse entkräften den Vorwurf gegenüber der Frau, dass sie  das schwache Geschlecht sei. Insofern hat der Koran im Vergleich zur Bibel das Ansehen der Frau „rehabilitiert“.

 

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