Gibt es 61 Tage nachfasten für den Ramadan im Koran?

von Ecevit Polat am 25. Juli 2012

Ein Gläubiger, der unter bestimmten Verhältnissen unentschuldigt das Fasten bricht, sollte einem Sklaven oder einer Sklavin zur Freiheit verhelfen. Diese Regelung war darauf gezielt, Menschen zu ihrer Freiheit zu verhelfen. Da aber heutzutage Sklaverei fast abgeschafft ist, wird man kaum Gelegenheit dazu finden. Falls man dazu nicht in der Lage ist, fastet man zwei Monate durch. Und wenn auch dies nicht möglich sein sollte, darf man 60 Bedürftige morgens und abends ernähren. (Feinheiten Islamischen Glaubens, Nasuhi Bilmen, S.270)

Jene, die das Fastengebot im Monat Ramadan aus bestimmten Gründen nicht einhalten können und eine Buße (kaffara) von 61 Tagen auferlegt bekommen, handeln nicht auf der Grundlage der Religion. Eine solch schwere Bestrafung für das unentschuldigte Essen an einem Fastentag ist im Koran nicht vorgesehen, sondern erst viel später von islamischen Rechtsgelehrten unter Verweis auf verschiedene unstimmige Überlieferungen eingeführt worden. (siehe hierzu: Prof.Yunus Vehbi Yavuz, Kuran Mesaji Dergisi, 1998, S.6)

Der Lehrer von Abu Hanifa (gest.767), Ibrahim en-Nehai (gest.714) war der Ansicht, dass man den absichtlich gebrochenen Fastentag einfach nur nachfasten müsse. (vgl.Kal´aci, Bd. 2, S.969-970)

Für Gläubige, die es einfach nicht schaffen im Monat Ramadan zu fasten, zeigt der Koran unmissverständlich einen Ausweg:

„Und für diejenigen, denen es schwer fällt (zu fasten), ist dessen Ersatz die Speisung eines Bedürftigen.“ (Übersetzung nach Amir Zaidan, AT-Tafsir)

Im Tafsir „Kuran Yolu“ (Weg des Koran) herausgegeben von den Theologen Prof. Hayreddin Karaman, Prof. Mustafa Cagrici, Prof. Ibrahim Kafi Dönmez und Sadrettin Gümüs steht folgendes zu diesem Vers:

Straßenbauer und Bauarbeiter, also alle Schwerstarbeiten– die  ihre eigene Gesundheit sowie der Mitmenschen in Gefahr bringen, können ein Lösegeld entrichten, anstatt zu fasten; pro Fastentag einen bestimmten Geldbetrag (Fitra) zur Speisung  eines Bedürftigen Menschen. (Kuran Yolu, Bd. 1, S. 179)

Für die Mehrheit der Rechtsgelehrten sind die Gründe für das nichtfasten folgende Punkte:

1. Auf Reise sein.

2. Krankheit.

Die betroffenen davon, werden nach Ende der Reise beziehungsweise bei der Genesung wieder nachfasten müssen.

3. Hohes Alter.

Eine sehr alte und schwache Person braucht nicht zu fasten. Eine derartige Person ist nicht in der Lage zu fasten und erlangt sie auch nicht wieder, bis sie verstirbt. (vgl. Feinheiten Islamischen Glaubens, S.269)

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