Gebietet der Koran nur Muslimen Gerechtigkeit?

von Ecevit Polat am 13. Juli 2011

Die Gerechtigkeit ist das Fundament des Lebens in der Gesellschaft, nach dem sie im Islam der wichtigste Imperativ für alle Handlungsweisen ist: „Gott gebietet die Gerechtigkeit“, lesen wir im Koran (16:90). Dieses Prinzip der Gerechtigkeit richtet sich an alle, Reiche oder Arme, Präsidenten oder Bürger, Muslime oder Nicht-Muslime.

Acht Verse in der Sure „Die Frauen“ wurden offenbart, um einen Juden von der Schuld zu befreien und die Verantwortung für seine Tat einem Muslim aufzubürden:

„Wahrlich, zu dir haben Wir das Buch mit der Wahrheit niedergesandt, auf dass du zwischen den Menschen richten mögest, wie Allāh es dir gezeigt hat. Sei also nicht ein Verfechter der Treulosen. Und bitte Allāh um Vergebung. Wahrlich, Allāh ist Allverzeihend, Barmherzig. Und setze dich nicht für diejenigen ein, die sich selbst betrügen. Wahrlich, Allāh liebt nicht denjenigen, der ein Betrüger, ein Sünder ist.

Sie möchten sich vor den Menschen verbergen, doch vor Allāh können sie sich nicht verborgen halten; und Er ist bei ihnen, wenn sie sich auf verwerfliche Intrigen vorbereiten. Und Allāh ist ihres Tuns kundig. Ihr habt euch also für sie in diesem irdischen Leben eingesetzt. Wer aber wird sich für sie vor Allāh am Tage der Auferstehung einsetzen? Oder wer wird ihr Beschützer sein?

Und wer einen Fehler oder eine Sünde begeht und sie dann einem Unschuldigen zur Last legt, der trägt eine Verleumdung und eine offenkundige Sünde. Und wäre dir nicht Allāhs Huld und Barmherzigkeit zuteil gewesen, so hätte eine Schar von ihnen sich angeschickt, dich irrezuführen. Doch zum Irrweg führen sie sich selbst; und dir können sie keinerlei Schaden zufügen, und Allāh hat das Buch und die Weisheit auf dich herabgesandt und dich gelehrt, was du nicht wusstest, und Allāhs Huld, die Er dir erwiesen hat, ist wahrlich gewaltig. (4:105-113)

Hier wird der Prophet angesprochen, und zwar unter der Bekräftigung darauf, dass er zwischen Menschen mit dem ihm offenbarten Buch richten soll. Die Rechtsgelehrten erklären, dass sich dieser Vers auf den Fall von Ṭu‘ma Ibn Ubairiq bezieht. Ṭu‘ma stand unter dem Verdacht, Waffen gestohlen zu haben, und als es brenzlich wurde, versteckte er das Diebesgut im Haus eines Juden, wo es dann auch gefunden wurde.

Der Jude bestritt seine Schuld und beschuldigte Ṭu‘ma; aber die Sympathien der muslimischen Gemeinschaft waren auf u’mas  Seite, weil dieser sich zum Islam bekannte.

Der Fall wurde dem Propheten vorgetragen, der entsprechend den strengen Grundsätzen der Gerechtigkeit, der „Rechtleitung Allāhs“, den Juden freisprach, trotz aller Versuche, ihn irrezuführen und zu einem falschen Urteil zu Ṭu‘mas Gunsten zu verleiten. In diesem Abschnitt werden die Muslime allgemein gelehrt, ihre Parteilichkeit nicht der Gerechtigkeit in den Weg zu stellen. (vgl. Diyanet Vakfi, Kuran-i Kerim, S.95)

Ohne die Gnade Gottes, wäre es beinahe zu einer Fehlentscheidung  gekommen, wie es aus diesem Vers zu entnehmen ist:

„Und wäre dir (oh Muhammad) nicht Allāhs Huld und Barmherzigkeit zuteil gewesen, so hätte eine Schar von ihnen sich angeschickt, dich irrezuführen.“ (4:113)

Der Koran teilt  unmissverständlich auch mit, dass der Prophet am Anfang mit dem Muslim „Tuma Ibn Ubairiq“ sympathisierte:

„Wahrlich, zu dir haben Wir das Buch mit der Wahrheit niedergesandt, auf dass du zwischen den Menschen richten mögest, wie Allāh es dir gezeigt hat. Sei also nicht ein Verfechter der Treulosen. Und bitte Allāh um Vergebung. Wahrlich, Allāh ist Allverzeihend, Barmherzig. Und setze dich nicht für diejenigen ein, die sich selbst betrügen. Wahrlich, Allāh liebt nicht denjenigen, der ein Betrüger, ein Sünder ist. (4:105)

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