Soll man alle Hadithe verwerfen?

von Ecevit Polat am 24. Januar 2011

Abu Said al-Hudri (r) berichtet: Der Prophet (s) sagte zu den Frauen: Ist es nicht so, dass der Zeugenaussage einer Frau nur das halbe Gewicht der Zeugenaussage eines Mannes zukommt? Sie erwiderten: Doch, o Gesandter Gottes! – Der Grund dafür ist euer mangelhafter Verstand! (Sahih a- Buhari, Verlag Reclam, S.281)

Ali ibn Ebu Talibs Sohn Hasan(r) heiratete über zweihundert Frauen. Manchmal ehelichte er, vier Frauen gleichzeitig und schied sich wieder von anderen vier Frauen. (al-Ghasali, Ihya: Band 2, S.30)

Diese Propaganda und Diffamierung gegen den Enkel des Propheten betrieben die Umayyaden so intensiv, so dass das Echo bis in unsere Tage durch die islamische Literatur Eingang gefunden hat: Selbst seine engsten Freunde konnten die Frauen nicht mehr zählen, die er heiratete und von denen er sich wieder schied; einige sagten, es seien neunzig gewesen, andere setzten eine noch weit höhere Zahl an; und Ali(r)  soll einen Mitstreiter gewarnt haben: Verheirate niemals eine deiner Töchter mit meinem Sohn Hasan, er wird von ihr kosten und sie dann  wieder wegwerfen (Der Islam und die Bestimmung des Menschen Charles Le Gai Eaton, S.270).

Der Hass der Umayyaden gegenüber dem Ahlulbayt (Hausangehörige der Familie des Propheten) war so groß, dass diese Tyrannen Ali den 4. Kalifen bei jedem Freitagsgebet über 70 Jahrelang verfluchten und die Gemeinschaft daraufhin mit “Amin” erwiderten. [Tabari 6/108; Askari, Ayse 1/376]

Sammlungen von Prophetenaussprüchen in Form von Heften oder Kladden (sahifa) sind wohl schon in der Umayyadenzeit entstanden (Heinz Halm, Der Islam, S.39).

Muhammad Abduh schrieb folgendes:

Die meisten Hadithe, die frei erfunden und massenhaft in die Welt zerstreut  wurden, gehen zweifellos in die Zeit der Umayyaden zurück“.( Muhammad Abduh, tarihul´l Üstaz Band 2, S.347-349, 516, 559 ).

Der Gesandte Gottes hätte niemals etwas gegensätzliches zum Buche Gottes sagen können. Dem Koran inhaltlich zu widersprechen, würde ihn als Propheten abqualifizieren (Imam Azam Ebu Hanife, el-Alim ve’l-Muteallim, S.32-33).

Die Hadithe sind neben dem Koran eine von Gott inspirierte (wahy khafi) sekundäre Quelle. Das heißt, die Hadithe haben ausschließlich die Funktion, den Koran zu erläutern und zu ergänzen, keineswegs aber, ihn abzuändern. Der Koran bricht die Sunna, nicht umgekehrt, falls es einen Konflikt zwischen beiden geben sollte. In diesem Fall muss man davon ausgehen, dass das fragliche Hadith nicht authentisch ist.

Niemand kann unter Beachtung alleine des Korans Muslim sein; denn viele Wesensbestandteile des islamischen Glaubens- und der Sittenlehre und des Rituals sowie in zahlreichen Fällen auch das Verständnis des Korans beruhen aus der Sunna.

Der Prophet sagte: ,,Hütet euch davor, viele Hadithe über mich zu überliefern!“ (Ahmad ibn Hanbal (gest. 855) Musnad Band 5, S.297)

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