Wurde die Frau aus der Rippe des Mannes erschaffen?

von Ecevit Polat am 17. September 2011

O ihr Menschen, fürchtet euren Herrn, Der euch erschaffen hat aus einem einzigen Wesen; und aus ihm erschuf Er seine Gattin, und aus den beiden ließ Er viele Männer und Frauen entstehen. Und fürchtet Allāh, in Dessen Namen ihr einander bittet, sowie (im Namen eurer)Blutsverwandtschaft. Wahrlich, Allāh wacht über euch. (Qur’an, 4:1)

4:1 – Allāh (t) erschuf die ganze Menschheit aus Adam, dem ersten Menschen, von dem Er seine Gattin erschuf. Nach einem adī des Propheten (a.s.s.) wurde Eva aus einer Rippe Adams erschaffen. Und aus den beiden „Eltern“ ließ Allāh „viele Männer und Frauen entstehen“ durch das Gesetz der natürlichen Vermehrung.( Tafsir Al-Qur’an Al-Karim, S. 224-225, Islamische Bibliothek)

Hier der entsprechende Hadith: “Die Frauen wurden aus einer Rippe geschaffen, und das am stärksten gebogene Teil einer Rippe ist das obere. Wenn du versuchst, sie gerade zu biegen, wirst du sie zerbrechen. Überlässt du sie aber sich selbst, dann bleibt sie gekrümmt“. (Sahih al-Buhari, Verlag Reclam, S.349)

Die zeitgenössische islamische Wissenschaftlerin Riffat Hassan, hat sechs Hadithe untersucht, die im Islam verwendet wurden, um die Auffassung zu stützen, Frauen seien minderwertiger als Männer. Alle sechs erwähnen wie oben aufgeführt, dass die Frau aus der Rippe eines Mannes erschaffen worden sei. Einige gehen noch weiter, indem sie behaupten, die Frau sei aus der gekrümmten Spitze der Rippe (ihrem schwächsten Teil) erschaffen worden. Drei Hadithe stammen aus der Buhari-Sammlung, drei aus der Muslim-Sammlung, den beiden wichtigsten Sammlungen, was vermuten lässt, es handele sich um (sahih) begründete Hadithe.

Bei näherer Betrachtung, gehen alle sechs Hadtihe in ihren Isnads (Überlieferungskette) auf einen Hausgenossen Mohammeds (s) namens Abu Huraira zurück. Auch wenn der bedeutendste islamische Gelehrte des 20. Jahrhunderts, Prof. Muhammed Hamidullah ihn als vertrauenswürdig einstuft, so muss er aber trotzdem gestehen:

in Zeiten der vier rechtgeleiteten Kalifen, wurde Abu Huraira wegen seiner unzuverlässigen Überlieferungen, heftig in die Kritik genommen“ (Muhtasar Hadis Tarihi, S.68-69).

Auch der große Rechtsgelehrte Abu Hanifa aus dem 8. Jahrhundert betrachtete Abu Huraira nicht als zuverlässigen Übermittler von Hadithen. Deshalb, sind diese sechs Überlieferungen “schwach“ und dürfen nicht verwendet werden, um Frauen- im Widerspruch zum Qur’an- eine untergeordnete Rolle zuzuschreiben.

Das Argument impliziert, dass die Worte nicht wirklich auf den Propheten zurückgehen, sondern ein Vorurteil Frauen gegenüber widerspiegeln, das sich erst nach Mohammeds (s) Zeit in der muslimische Zivilisation eingenistet hat.

Siehe auch“ Abu Huraira“ folgenden Link: https://antikezukunft.de/2010/12/31/ebu-huraira-der-bestrittene-weggefahrte/

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