Ist die Geschlechtertrennung religiös begründet?

von Ecevit Polat am 8. Juli 2012


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In vielen muslimischen Gesellschaften wird zunehmend im öffentlichen Raum, ein gewisses Maß an Geschlechtertrennung praktiziert. Den Vorlesungen männlicher Professoren in Saudi-Arabien zum Beispiel, folgen Studentinnen über Videogeräte und stellen ihre Fragen telefonisch. Die Benutzung der Universitätsbibliotheken erfolgt in Geschlechtertrennung (siehe hierzu: Der Islam in der Gegenwart, S. 644).

Ist die Praxis der Geschlechtertrennung auf religiöse oder auf traditionell-kulturelle Ursprünge zurückzuführen?

Die Befürworter für die Absonderung der Frauen im öffentlichen Leben, beziehen sich hauptsächlich auf den folgenden Koranvers:

O ihr, die ihr glaubt! Betretet nicht die Häuser des Propheten, es sei denn, dass euch zu einer Mahlzeit (dazu) Erlaubnis gegeben wurde. Und wartet nicht (erst) auf deren Zubereitung, sondern tretet (zur rechten Zeit) ein, wann immer ihr eingeladen seid. Und wenn ihr gespeist habt, dann geht auseinander und lasst euch nicht aus Geselligkeit in eine weitere Unterhaltung verwickeln. Das verursacht dem Propheten Ungelegenheit, und er ist Scheu vor euch, jedoch Allah ist nicht Scheu vor der Wahrheit. Und wenn ihr sie (seine Frauen) um irgendetwas zu bitten habt, so bittet sie hinter einem Vorhang. Das ist reiner für eure Herzen und ihre Herzen (33:53).

Die christliche Publizistin und Leiterin des „Institut für Islamfragen“ Christine Schirrmacher,  kommentiert den Vers wie folgt: „Die eingeschränkte Bewegungsfreiheit der Frau hat ihre Wurzel außer im Koran auch in der islamischen Denkvoraussetzung, dass die Frau die Verführerin des Mannes ist, die das größere, schwerer zu zügelnde sexuelle Verlangen hat. Ihr Ehemann und die Gesellschaft müssen daher das Verhalten der Frau beständig kontrollieren.  ..Kontakte zu nicht verwandten Männern kämen einer Einladung zu Ehebruch und Unzucht gleich (Kleines Lexikon zur islamischen Familie, S. 100).

Nach den Anführungen von Schirrmacher müssten muslimische Männer nur an das eine denken! In ihrem Weltbild von muslimischen Männern werden Frauen beständig nur als begehrenswerte Sexobjekte wahrgenommen.

Der Vers „Und wenn ihr sie (seine Frauen) um irgendetwas zu bitten habt, so bittet sie hinter einem Vorhang. Das ist reiner für eure Herzen und ihre Herzen“ ordnete eine Trennung von offiziellen und privaten Räumen des Propheten an, um die Intimität des Familienlebens vor dem Ansturm der Bitsteller und sonstiger Besucher zu schützen. Zur damaligen Zeit gab es noch keine Türen. Die bedürftigen Menschen gingen damals eigenwillig in das Haus des Propheten ein, um ihren Hunger mit Nahrung zu stillen (vgl. Bayraktar Bayrakli, yeni bir anlayisin isiginda, Bd. 15,  S. 335-338).

Nach der Offenbarung des Verses, war es niemandem mehr erlaubt, spontan und ohne Ankündigung die Wohnung des Gesandten zu betreten: „O ihr, die ihr glaubt! Betretet nicht die Häuser des Propheten, es sei denn, dass euch zu einer Mahlzeit (dazu) Erlaubnis gegeben wurde. Und wartet nicht (erst) auf deren Zubereitung, sondern tretet (zur rechten Zeit) ein, wann immer ihr eingeladen seid. Und wenn ihr gespeist habt, dann geht auseinander und lasst euch nicht aus Geselligkeit in eine weitere Unterhaltung verwickeln. Das verursacht dem Propheten Ungelegenheit, und er ist Scheu vor euch, jedoch Allah ist nicht Scheu vor der Wahrheit. Und wenn ihr sie (seine Frauen) um irgendetwas zu bitten habt, so bittet sie hinter einem Vorhang. Das ist reiner für eure Herzen und ihre Herzen“ (33:53).

Wie ist es jedoch heute dazu gekommen, dass besonders viele Männer und Frauen eine Geschlechtertrennung bevorzugen und dies vor allem auch religiös legitimieren? Der Koran tradiert die Geschichte vom Propheten Abraham (a), als dieser einen Engel in männlicher Gestalt als Besucher empfing. Erstaunlicherweise war seine Frau auch zugegen und unterhielt sich ohne Scheu mit den männlichen Gästen:

Und es kamen Unsere Gesandten mit froher Botschaft zu Abraham. Sie sprachen: ”Friede!” Er sagte: ”Friede!” und es dauerte nicht lange, bis er ein gebratenes Kalb herbeibrachte. Als er aber sah, dass ihre Hände sich nicht danach ausstreckten, fand er  sie befremdend und empfand Furcht vor ihnen. Sie sprachen: „Fürchte dich nicht; denn wir sind zum Volk Lots entsandt worden.” Und seine Frau stand dabei und lachte, worauf Wir ihr die frohe Botschaft von (ihrem künftigen Sohn) Isaak und von (dessen künftigem Sohn) Jakob nach Isaak verkündeten. Sie sagte: ”Ach, wehe mir! Soll ich ein Kind gebären, wo ich doch eine alte Frau bin und dieser mein Ehemann ein Greis ist? Das wäre wahrlich eine wunderbare Sache.”

Die Geschichte von Abraham und seinen Gästen belegen zweifelsfrei, dass selbst in patriarchalen Epochen, der monotheistische Glaube keine Geschlechtertrennung infizierte (vgl. Süleyman Ates, Yüce Kuranin Cagdas Tefsiri, Bd. 4, S. 319-321).

Für zahlreiche Theologen ist auch die Koranstelle 24:61 ein Hinweis darauf, dass Frauen und Männer gemeinsam an einem Tisch speisen dürfen. Außerdem habe kein Mensch das Recht, die Religion in Bezug auf den Umgang der Geschlechter restriktiv zu indoktrinieren: „Kein Vorwurf trifft den Blinden, noch trifft ein Vorwurf den Gehbehinderten, kein Vorwurf trifft den Kranken oder euch selbst, wenn ihr in euren eigenen Häusern esst oder den Häusern eurer Väter oder den Häusern eurer Mütter oder den Häusern eurer Brüder oder den Häusern eurer Schwestern oder den Häusern eurer Vatersbrüder oder den Häusern eurer Vatersschwestern oder den Häusern eurer Mutter- Brüder oder den Häusern eurer Mutterschwestern oder in einem (Haus), dessen Schlüssel in eurer Obhut sind, oder (in dem Haus) eures Freundes. Es ist keine Sünde für euch, ob ihr nur zusammen oder getrennt esst (Koran 24:61, vgl. auch “Der verfälschte Islam”, Yasar Nuri Öztürk, S. 108).

Die Professorin für Soziologie, Fatima Mernissi, hat die räumliche Geschlechtertrennung als eine Strategie zur Konfliktvermeidung bezeichnet, wobei aus männlicher Perspektive der Konflikt immer von der Frau ausgehe. Ihre Sexualität verursache Chaos (fitna) und bedrohe den Mann in seiner sozialen Identität (Mernissi, Spatial Boundaries, S. 496).

Auch der Dozent für Vergleichende Religionswissenschaft Malise Ruthven, ist folgender Ansicht: “Die Absonderung der Frauen wird mit der Furcht vor ihrer sexuellen Macht begründet“ (Der Islam, S. 141).

Der sudanesische Politiker und religiöser Führer Hasan at-Turabi ist der Ansicht, dass den Frauen durch Segregation und Isolation von der allgemeinen Gesellschaft die größte Ungerechtigkeit angetan werde. „Der Islam verlange keine generelle Geschlechtertrennungso at-Turabi. Eine Hausfrau könne die männlichen Gäste ihres Mannes empfangen, bewirten und mitunterhalten. Auch sieht er kein Problem dabei, wenn die Frau zur Begrüßung die Hand der Gäste schüttelt (siehe hierzu: at-Turabi, Woman, Islam and Muslim Society, London 1991, S. 24-40).

Qasim Amin (1863-1908) schrieb bereits 1901 in seinem aufsehenerregenden Buch „Die neue Frau (al-Mar´a al-jadida)“, dass ein Volk sich nur progressiv dann entwickeln kann, wenn es den Frauen nicht nahezu alle Bildungsmöglichkeiten und die Teilhabe am öffentlichen Leben versage. Die Segregation der Frauen, sei der Hauptgrund für die Rückständigkeit der islamischen Welt (siehe auch: Wiebke Walther, Die Situation von Frauen in islamischen Ländern, S. 641).

Muslimische Intellektuelle wie der Schweizer Philosoph Tariq Ramadan, betonen in zahlreichen Veröffentlichungen, welche Stellung die Frauen noch zu Lebzeiten des Propheten innehatten. So partizipierten sie aktiv im öffentlichen Leben. Sie besuchten die Moscheen und beteten im hinteren Bereich hinter den Männern. Ramadan kritisiert vehement die Zustände, denen die Frauen heute ausgesetzt sind: „In der Moschee in Medina befanden sich die Männer im vorderen Teil des Raumes, die Frauen weiter hinten, weil das Gebet Bescheidenheit erfordert. Aber immerhin befanden sich beide Geschlechter in einem Raum, und es war Frauen erlaubt, ihre Meinung zu äußern“ (siehe hierzu: Buhari, Bd. 2, S. 195. Muslim, Bd. 2, S. 118).

Oft fehlt es in Moscheen ganz und gar an für Frauen vorgesehene Räumlichkeiten, und falls Räume vorhanden sind, befinden diese sich nicht selten in desolaten Zustand. In ihrer Beengtheit, miserablen Ausstattung und schlechten Instandhaltung legen sie sogar den Gedanken nahe, ihr eigentlicher Zweck bestehe eigens darin, Frauen von einem Besuch der Moschee abzuhalten“ (Radikale Reform, S. 294).

Tariq Ramadan richtet nun eine harsche Kritik an die gläubigen Männer, die für ihn die Hauptschuld für diese negative Entwicklung beitragen: „Aber nicht nur der Zugang zur Moschee wird den Frauen erschwert, häufig ist ihnen auch die Beteiligung an der Gemeindearbeit verwehrt. Die Gemeinderäte und die Leitenden Positionen in den für die Organisation der Gebetshäuser zuständigen Verbänden sind fast ausschließlich von Männern besetzt“ (Radikale Reform, S. 294-295).

Für die renommierte Religionswissenschaftlerin und Bestseller Autorin Karen Armstrong, wurde die Geschlechtertrennung erst einige Generationen nach dem Propheten eingeführt. Frauenfeindliche Praktiken nahmen überwiegend durch die Berührung und Beeinflussung mit anderen Kulturen zu. Armstrong beschreibt: Diese Bräuche wurden drei oder vier Generationen nach dem Tode des Propheten angenommen. Die damaligen Muslime kopierten damit die griechischen Christen von Byzanz, die ihre Frauen seit langem verschleiert und weggeschlossen hatten; auch übernahmen sie teilweise deren christliche Frauenfeindschaft. Der Koran macht Frauen und Männer zu Partnern vor Gott, wobei beide identische Pflichten und Verantwortung haben (Kleine Geschichte des Islam, S. 31).

In der „Encyclopedie de I´Islam wird die Beschreibung von Armstrong detaillierter untersucht, in dem sie die genauen Anfänge der Frauenfeindlichen Tendenzen definiert: „Dieser Brauch, der, so scheint es, bei den alten Bewohnern des Hidschas unbekannt war, soll durch die Ummayaden in den Islam eingeführt worden sein, wahrscheinlich unter dem Einfluss der sassanidischen Zivilisation (…) Muawiya (gest. 680) und seine Nachfolger waren durch einen Vorhang, Sitara und Sitr, von ihren Vertrauten getrennt. Es handelt sich dabei um einen Brauch, der sich schließlich zur Institution entwickelte. Dieser Brauch, der uns heute fremdartig erscheint, wurde seit Muawiya, dem fünften Kalifen, praktiziert (Encyclopedie de I´Islam, Artikel Hijab. Vgl. auch: Der politische Harem, S. 125).

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mellymel Juli 8, 2012 um 14:50

Dieser Artikel ist ein Meilenstein! Schaut euch die Ummah an. 50% der Ummah (dei Frauen) sind quasi abgeschaltet und haben keine sinnvolle Funktion in der Gesellschaft. Wie soll die muslimische Gemeinde gesellschaftliche Fortschritte erzielen, wenn diese unislamischen Dogmen heute noch so stark vorherrschen??? Danke lieber Munzur für diesen tollen und wichtigen Beitrag. Deine Quellenrecherchen begeistern mich immer wieder auf´s neue :-)

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greenpanther Juli 8, 2012 um 15:31

Super Artikel, wie immer! Endlich wird das hier mal genauer unter die Lupe genommen. Es ist krass das die Ummayaden wieder hier im Spiel sind und die ganze Ummah übernimmt das ohne es zu hinterfragen.

Bravo! Dieser Artikel ist wie immer informativ :-)

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Abdussamed Juli 8, 2012 um 21:16

Salamunaleykum wa rahmetullahi wa barrakatuhu.

Vorab vielen Dank, dass du deine Arbeit mit uns teilst. Doch gibt es, finde ich, ein paar Punkte, die man diskutieren sollte.

1. Man muss beachten, dass bei den Koranversen, wo von Abraham und seiner Frau Hagar die Rede ist, Hagar zu diesem Zeitpunkt eine alte Frau war und die beiden Engel, die in Menschengestalt zu Abraham hinabgesandt waren, junge Männer waren. Dass die beiden Engel junge Männer waren wird im Koran indirekt erwähnt, wenn man weiterliest. Denn nachdem die Engel eine frohe Kunde Abraham und seiner Frau überbracht hatten, gingen sie zu Lot, um ihn mitzuteilen, dass er den Gläubigen mitteilen solle, dass sie sich vorbereiten sollen, um in dieser Nacht aus Sodom auszuziehen. Allah hat nämlich befohlen, dass das Volk von Sodom am Folgetag durch eine Naturkatastrophe vernichtet werden solle. Lot hatte Angst um die beiden Engel, da die Männer seines Volkes zur Homosexualität geneigt waren und er befürchtete, dass sie sich an die Engel, die offensichtlich junge Männer waren, ranmachen würden. Als es dazu kam, sprach Lot, dass sie (die Männer von Sodom) eines seiner Töchter (muss nicht unbedingt seine leiblichen Töchter mit gemeint sein, kann sich auch auf die Töchter von Sodom beziehen) statt die Männer (die Engel) nehmen sollen.

Da ältere Frauen keine Reize mehr haben, so sind sie für junge Männer keine Gefahr, ihre Triebe zu wecken.

2. Wird in dem Artikel ein sudanesischer Politiker erwähnt, der es legitimiert, einer Frau die Hand zu schütteln. Wenn man die Lebensbiographie des Propheten Muhammed saw liest (zum Beispiel die von Ibn Ishaq), stellt man fest, dass der Prophet beim Treffen von Aqaba, wo viele Medinensische Männer und zwei medinensische Frauen teilnahmen, nach dem Treffen den Männern die Hand geschüttelt hat, den Frauen jedoch nicht. Und für uns Muslime sollten die Taten des Propheten mehr Gewicht haben als die Worte eines Politikers.

Du hast Recht, dass bei manchen muslimischen Ländern die Geschlechtertrennung übertrieben wird. Für eine massive Geschlechtertrennung, die zum Beispiel der Frau die Bildungsfreiheit beraubt, bin ich auch dagegen. Wenn man es mit der Geschlechtertrennung übertreibt, kann es passieren, dass man in die Frauenfeindlichkeit reinrutscht und die Frau ohne trächtigen Grund zu Hause einsperrt.

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alimunzur Juli 9, 2012 um 02:48

Selam Abdussamed,

1.) In Gesellschaften, wo die Geschlechtertrennung offenkundig praktiziert wird, spielt es keine Rolle, ob es sich auch um ältere Frauen handelt. Auch die älteren Damen sind von der Segregation betroffen, ungeachtet von dem, was du schreibst: “Da ältere Frauen keine Reize mehr haben, so sind sie für junge Männer keine Gefahr, ihre Triebe zu wecken”. An dieser Stelle möchte ich folgendes zitieren: “Die Redaktion der 1910 gegründeten ägyptischen Halbmonatsschrift “Tugend” (Afaf) achtete bei ihrer journalistischen Arbeit streng auf “Geschlechtertrennung” – ähnlich wie die von iranischen Theologen in Qum seit 1990 publizierte Frauenzeitschrift “Paiyam-e Tan” (Die Botschaft der Frau), die nur von Männern gemacht wird! (siehe: Die Situation von Frauen in islamischen Ländern, S.653).

Insofern spielt es keine Rolle, ob eine Journalisten 50 oder 60 Jahre alt ist. Sie wird aufgrund ihrer “Weiblichkeit” nicht eingestellt. Deshalb ist die Erwähnung von Hager im Koran von großer Bedeutung. Ob alte oder junge Frauen, der Koran legitimiert keine Geschlechtertrennung!

2.) Vom zweiten Treffen in Aqaba, erwähnst Du einen wichtigen Satz nicht. Darin heißt es vollständig: “Man behauptet, dass auch die beiden Frauen huldigten, doch pflegte der Prophet nicht die Hand zu geben, sondern trug ihnen nur die Bedienungen vor und sprach, wenn sie zustimmten:”Geht! Ich habe eure Huldigung angenommen.” (Ibn Ishq, S. 99)

Wenn man den obigen Abschnitt bedacht liest, war der Historiker Ibn Ishaq sich nicht sicher, ob die beiden Frauen den Propheten auch wirklich überzeugt huldigten. Vielleicht waren sie sich nicht sicher an seiner Prophetenschaft und der Prophet ihnen aus diesem Grund nicht die Hand reichte. Weshalb fühlte sich ibn Ishak dazu veranlasst, diesen Satz hinzuzufügen: “Man behauptet, dass auch die beiden Frauen huldigten?”.

Ich will hier an dieser Stelle nicht spekulieren. Es gibt jedoch keine authentische Fundstelle, die das Hände schütteln unter allen Umständen verbietet.

Bei Tavhid.de wird folgendes zu diesem Thema beschrieben:

Zu beheaupten, Frauen dürfe man nicht die Hand geben:
“Solch ein Gebot existiert weder im Koran, noch gibt es irgendein Hadith, das die Berührung von Mann und Frau bei der Begrüßung verbieten würde. Es gehörte zur Charaktereigenschaft des Propheten, daß er die Rechte Hand auf das Herz legend, und leicht mit dem Kopf nickend Frauen begrüßte. Schließlich hat der Prophet auch keine Zwiebeln, keinen Knoblauch, keine Innereien und kein Wild verzehrt, und dennoch galten diese Dinge nie für irgend jemand als religiös verboten. Einige Gruppierungen, die sogenannten Salafiten kommen mit dem Argument, daß die Rote Ampel bereits mit der berührung der Hände anfängt. Doch Sinnvoller wäre, wenn sie im Kopf beginnen würde. Deren Begründung bezieht sich auf Vers 17 der 32. Sure, wo es heißt: “Und kommt der Unzucht nicht zunahe”. Doch der Unzucht kommt man nicht dadurch nahe, in dem die Absicht zur Begrüßung dient. Hierbei handelt es sich um eine selbstständige Auslegung des Korans, dass von keinen einzigen Quellen unterstützt wird.

Der Gelehrte Muhammad Asad (gest. 1992) Kommentierte diesen Vers nicht mit “Unzucht”, sondern als “Ehebruch”.

>>17:32: “Und begeht nicht Ehebruch…”<>Man beachte, daß der Begriff zina jeden Geschlechtsverkehr zwischen einem Mann und einer Frau, die nicht Ehemann und Ehefrau sind, bezeichnet, gleich ob einer von ihnen mit einem anderen Partner verheiratet ist oder nicht; daher bedeutet er sowohl “Ehebrauch” als auch “Unzucht”.<<

Hierbei geht es um ganz individuelle, in der Persönlichkeit des Propheten angelegte Verhaltensweisen, und jedermann weiß, daß diese nicht allgemein verbindlich sind" (http://tavhid.de/?p=928).

Wassalam Bruder

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Baycanyanar Juli 9, 2012 um 12:32

Sam Abdussamed.

Der Bruder Ecevit hat soweit alles Formuliert und ein Punkt aus Tavhid.de entnommen, was ich nicht mehr wiederholen brauch. Mache dir bitte Gedanken darüber was Ecevit abi zitiert hat. Im Abschluss möchte ich folgendes von dem Gelehrten Prof. Dr. Süleyman Ates hinzufügen:

““Wenn der Koran das Gesetz ist, dient ein Hadith bzw. Sunna nur dazu sie vorbildlich umzusetzen und zu erläutern, nicht dem Gesetz zu wiedersprechen oder etwas erlaubtes u. verbotenes hinzuzufügen””. (Koran Enzyklopädie Band 7; S. 149)

Um diese Sache etwas zu stärken: “Das Erlaubte ist das, was Gott in Seiner Schrift als erlaubt, und das Verbotene das, was Gott in Seiner Schrift als verboten erklärt hat. Das was Gott in Seiner Schrift nicht mitgeteilt hat, ist das, wovon die Menschen befreit sind. Überfordert euch deswegen nicht!” ( at-Tirmidi: Libas, 6 & Ibn Mace: At’ima 60).

Und was den Vergleich anbelangt mit dem Politiker und der des Propheten; ist schonmal eine ganz falsche Herangehensweise, wenns um Theologische Diskusionen geht.

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Eddy Juli 9, 2012 um 18:54

Super Artikel !!!!!!!Alles um dieses Thema wurde beleuchtet SUPER GEMACHT!!! :-)

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Ba Ria Yak Juli 10, 2012 um 22:53

Endlich habe ich eine Quelle zur meiner Behauptung: “Qasim Amin (1863-1908) schrieb bereits 1901 in seinem aufsehenerregenden Buch „Die neue Frau (al-Mar´a al-jadida)“, dass ein Volk sich nur progressiv dann entwickeln kann, wenn es den Frauen nicht nahezu alle Bildungsmöglichkeiten und die Teilhabe am öffentlichen Leben versage. Die Segregation der Frauen, sei der Hauptgrund für die Rückständigkeit der islamischen Welt (siehe auch: Wiebke Walther, Die Situation von Frauen in islamischen Ländern, S. 641).” Vielen Dank!

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Baycan Yanar Juli 10, 2012 um 22:53

Und noch etwas wichtiges möchte ich nach etwas intensiveren Forschen der Quellen hinzufügen:

Viele die behaupten, dass den Frauen nicht die Hand gegeben werden darf bzw., durch die Berührung der Hände einer Frau eine neue Vudu Waschung zu vollziehen ist. Hierfür wird folgender Vers als Argument verwendet:
“…Und wenn ihr krank seid oder auf einer Reise (im Zustande der Unreinheit), oder einer von euch kommt vom Abtritt und wenn ihr Frauen berührt (Lamestum) habt…” 4:43.
Imam Schafi hat den Vers so verstanden, dass man der Frau nicht die Hand geben darf, indem er den Begriff (lamestum) als eine einfache Berührung betrachtete. Abu Hanifa und Imam Malik haben den Begriff (lamestum) als Geschlechtsverkehr bzw. Berührung eines Geschlechtsteils verstanden. Die stelle im Vers: “Berührung” ist metaphorisch gemeint und bezieht sich auf Geschlechtsverkehr (vgl. Diyanet Tefsir Kuran Yolu “5 Bände von 4 Theologen bearbeitet” Band 2 S. 71-72).
Da der Koran wie in Hud; 1 ausdrücklich klargestellt hat, dass der Koran sich selbst erläutert, weise ich auf den Vers 236-237 der Sure Baqara hin, wo der selbe Begriff “lamestum” als Geschlechtsverkehr erläutert wird: “Es ist keine Sünde für euch, wenn ihr euch von den Frauen scheiden laßt, die ihr noch nicht berührt (lamestum) oder für die ihr die Brautgabe noch nicht ausgesetzt habt”. Sure al-Baqara Vers 236)
Laut den Gelehrten der ersten 3 Generationen wie z.B. Ali ibn Abu Talib, Mucahid, Said b. Cubeyr, Hasan el-Basri & Katada bezieht sich der Begriff in 4:43 (Lamestum) auf Geschlechtsverkehr (vgl. Taberi Tefsir, 5/105 & Ibn Kathir, 2/557).

wslm

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Elisabeth Mariam Müller Juli 25, 2012 um 18:01

Danke lieber Bruder, habe es auf meine Webseite genommen, weil ich es so wichtig finde, dass man über einige Traditionen mal nachdenken sollte.
Gesegneten Ramadan

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alimunzur Juli 25, 2012 um 22:46

Ich danke Dir auch liebe Schwester. Dir und deiner Familie wünsche ich einen gesegneten sowie einen spirituellen Ramadan Monat.

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Jutta Soraya Wiest Juli 28, 2012 um 12:40

Tesekkür ederim arkadasim!!!
Ein ausgesprochen wichtiges Thema, dessen Du Dich da wieder angenommen hast und wieder sensationell erarbeitet! Bin wieder begeistert und werde das selbstverständlich teilen!
Gesegneten Ramadan für Dich und die Deinen!

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