Scharia

Ihre [die der koranischen Scharia, Anm. der Übersetzerin] grundlegende Eigenschaft ist die, nie die Beziehung des Menschen zur Natur und zu den anderen Menschen von der Beziehung zu Gott zu trennen, und ihre göttliche Herkunft impliziert überhaupt nicht Unbeweglichkeit. Ihre Eigenschaft offenbart zu sein und ihre ewige Gültigkeit schließen ihre stete schöpferische Vitalität nicht aus, sondern, im Gegenteil, beinhalten sie.

Wir müssen also die ewigen Prinzipien, die es erlauben, eine Lösung für die Probleme von heute zu finden, aus ihrer unmittelbaren historischen Umsetzung herausarbeiten.

Der Koran offenbart uns immer die angestrebten Ziele: Es gehört zu der Verantwortung der Menschen jeder Epoche, die Mittel zu finden, mit denen diese Ziele erreicht werden können.

Nicht aus einem einzigen Vers, sondern aus dem ganzen Geist des Korans geht das Prinzip der Scharia in folgenden Bereichen hervor:

  1. Zivilrecht: der Vertrag und die gegenseitige Zustimmung[1]
  2. Strafrecht: Individualisierung der Strafe[2] und kollektive Verantwortung: Es ist nicht nur der verantwortlich, der Schlechtes tut, sondern auch der, der diese Tat zulässt.
  3. internationales Recht: Die Einheit der Menschheit[3] und die daraus abgeleitete Vorgabe, dass immer das Interesse aller dem einer Nation überwiegt.

 

Von diesen grundlegenden, den Menschen in der göttlichen Offenbarung zugewiesen Zielen ausgehend kann sich ein Rat (Schura) herausbilden, der in einem Geist der Verantwortung und schöpferischen Initiative Antworten auf die Herausforderungen unserer Zeit findet.

Der Koran hat 6.236 Verse; nur 228 entfallen auf rechtliche Vorschriften, von denen 70 die Familie betreffen, 70 das bürgerliche Recht, 13 die Rechtsprechung und das Prozedere, 10 das Verfassungsrecht, 10 die Wirtschafts- und Finanzordnung, 25 die internationalen Beziehungen und 30 das Strafrecht.

Insgesamt 4% des Korans widmen sich dem Recht und 0,7% der Strafe, während fast der gesamte Koran von Glaube und Moral handelt, vom „rechten Weg“, d.h. Zielen, die zu verfolgen sind, um den Willen Gottes zu erfüllen.

Aber wenn heute ein muslimischer Staat die Scharia wieder einführen will, beginnt er meistens mit einer mehr oder weniger buchstabengetreuen Integration der wenigen rechtlichen Vorschriften, besonders der strafrechtlichen, in seine Gesetzgebung. Dabei werden sie vom koranischen Kontext, der eine globale Vision des Lebens und unseres Verhaltens zeichnet, herausgelöst.

Es ist zweifelsohne absolut notwendig, einen radikalen Bruch mit den Gesetzgebungen (hauptsächlich den englischen und französischen) aus der Kolonialzeit herbeizuführen. Sie sind nämlich aus Vorstellungen von der Welt und dem Menschen entstanden, die für eine islamische Gesellschaft inakzeptabel sind. Dafür gibt es einen wichtigen Grund: Sie lassen die transzendente Dimension des Menschen unberücksichtigt und begnügen sich damit, die Rivalitäten einer individualistischen Gesellschaft, in der der Mensch dem Menschen ein Wolf ist, einzudämmen oder zu kanalisieren.

Aber die unausweichliche Veränderung kann nicht stattfinden, wenn diese Gesetze durch eine buchstabentreue und bruchstückhafte Anwendung einer anderen Gesetzgebung ersetzt werden, die der Verwirklichung der von Gott gezeigten Ziele unter den historischen Bedingungen der arabischen Welt von vor tausend Jahren dienten.

[…] 

Was heute allgemein als Islamismus bezeichnet wird, ist eine Krankheit des Islam, die darin besteht, die Scharia (den ewigen und universellen moralischen Weg, den alle Propheten im Namen Gottes geebnet haben) mit der Gesetzgebung einer bestimmten Zeit, die von der Scharia inspiriert sein sollte, zu verwechseln.

Ein Symptom dieser Krankheit äußert sich darin, ein Strafgesetz aus dem 7. Jahrhundert (Handabhacken für Diebstahl oder Geißelung für Ehebruch, die Juristen fügen dem, entgegen den Koran, im Namen einer Tradition die Steinigung bis zum Tode hinzu!) anwenden zu wollen. Es äußert sich darin, für Eheschließung, Scheidung und Erbschaft das Zivilrecht und den persönlichen Status, die den historischen Bedingungen des 7. Jahrhunderts entsprechen, anwenden zu wollen.

Das Hauptleiden des Islam ist heute der Anspruch, die Scharia anzuwenden, indem man die im Koran definierte Scharia mit dem Fiqh verwechselt, d.h. mit den menschlichen Anwendungen, die im Laufe der Geschichte daraus abgeleitet wurden, indem man die göttliche Scharia mit den Interpretationen der mehr oder weniger vom Druck der Gewalten vernebelten Juristen verwechselt. Auch wenn er absolut Recht hat in seiner Ablehnung gegenüber der Dekadenz des Westens und der Scheinheiligkeit seines Rechts, in seiner Ablehnung gegenüber allen Folgeerscheinungen des Kolonialismus und der Kollaboration mit dem Monotheismus des Marktes, den die Vereinigten Staaten und ihre Vasallen im Westen durch die Diktate des F.M.I. aufzwingen wollen, so bleibt der Islamismus doch gelähmt, wenn es darum geht, die Zukunft zu gestalten.

Dabei gibt uns die koranische Scharia leitende Prinzipien für die unausweichliche Suche nach Mitteln für eine andere Modernität als die des Westens an die Hand.

Jeder von uns ist persönlich dafür verantwortlich, an dieser Suche teilzunehmen, um zur Lösung der Probleme unserer Zeit beizutragen. Die großen Juristen der Vergangenheit können uns als Beispiel dienen: Sie unternahmen die nötige Anstrengung (Ijtihad), um die Probleme ihrer Zeit zu lösen. Und der aller erste Schritt sollte der von einer Gesellschaft, die auf den Profit (Monotheismus des Marktes) gegründet ist und von den Islamisten abgelehnt wird, zu einer Gesellschaft, die sich auf Werte gründet (die nicht Handelswerte sind), sein.

[…]

Die Ijtihad ist notwendige Bedingung für ein Wiedererwachen. Wir müssen lernen, das Wichtige zu erkennen, und aus der Nacht des Taqlid heraustreten. Wir müssen ausgehend von der Offenbarung des Korans auf den Tawhid zu sprechen kommen, den Kampf gegen die modernen Götzen:

  1. gegen die Wissenschaftlichkeit und Technokratie, die sich der Frage des Warum, der Frage nach Ziel und Sinn entziehen und in den Dienst des blinden Wachstums und des Willens zur Macht gestellt werden, was uns zum planetaren Selbstmord führt
  2. gegen den Staat, den Profit und die ideologischen Systeme, die diesen Götzendienst zu rechtfertigen suchen.

 

Dem Versagen des westlichen Models des Wachstums, der Genusssucht, der Macht, egal ob in seiner kapitalistischen oder seiner sowjetischen Version, kann der Islam mit einer Scharia, die keine Antworten auf diese Fragen findet, von denen das Überleben der Welt abhängt, nichts entgegensetzen. So kann er seine Fähigkeit, eine Zukunft mit menschlichem und göttlichem Antlitz zu schaffen, nicht unter Beweis stellen.

[…]

Der Koran unterstreicht die Relativität der Tatsache im Vergleich zum Sinn: „Und Allahs ist der Westen und der Osten. Daher: Wohin ihr euch auch wendet, dort ist Allahs Angesicht.“[4] Oder auch: „Und wenn ihr in Furcht seid, (betet) im Gehen oder beim Reiten.“[5]

Gegen Bigotterie und Formalismus sagt uns Gott: „Frömmigkeit besteht nicht darin, dass ihr euer Gesicht nach Westen oder Osten kehrt.“[6] Er ruft nicht nur zu mehr Innerlichkeit statt Ritualismus, sondern auch zum durch die Tat am Nächsten ausgedrückten Glauben auf: „Ihr werdet echte Frömmigkeit nicht erlangen, ehe ihr nicht von dem spendet, was ihr liebt…“[7]

Die ersten Autoren von Hadith-Sammlungen haben sehr sorgfältig daran erinnert, in welchem historischen Kontext, manchmal sogar an kleinste Zwischenfälle aus dem Leben des Propheten gebunden, jeder Vers hinabgekommen ist. Es handelt sich immer um eine konkrete Antwort Gottes auf eine Frage, die der Prophet für seine Gemeinde stellte. Diese Historizität nimmt der Botschaft nichts von ihrem universellen und ewigen Wert: Jede Intervention Gottes in der religiösen Gemeinde Mekkas wie in der untrennbar religiösen und politischen Gemeinde Medinas enthält ein Handlungsmuster, das für alle Völker und alle Zeiten gilt, das aber eine spezifische Form hat, die an die konkreten Umstände dieser Epoche und dieses Ortes gebunden ist.

Wenn der Koran vom Verhalten gegenüber den Sklaven spricht, wenn es zum Beispiel heißt: „Wahrlich ein gläubiger Sklave ist besser als ein Heide…“[8], verliert dann dieser Vers, der in eine Gesellschaft, in der die Sklaverei existierte, hinabgesandt wurde, seinen Wert in einer Gesellschaft, in der die Sklaverei nicht mehr existiert? Nein. Er verliert natürlich seine historische Form, behält aber seine ganze Kraft als ewiger Aufruf: Der „Wert“ eines Menschen hängt nicht von seinem Rang oder Besitz ab, sondern von seiner Pietät und seinen Tugenden. Das heißt, dass die Lektüre des Korans nicht immer wörtlich sein kann. Jedes Mal, wenn sich das Handlungsmuster in der spezifischen Sprache und den besonderen Bedingungen der Zeit seiner Offenbarung ausdrückt, muss man das lebende Prinzip aus den toten Buchstaben herausfiltern. In anderen Worten: Um das islamische Gesetz (Scharia) anzuwenden, reicht nicht die Begründung durch Deduktion, sondern man muss Analogieschlüsse ziehen.

Einer Gesellschaft, die grundlegend anders als die vom Propheten geleitete ist, dient die exemplarische Anwendung der koranischen Prinzipien durch Muhammad als Modell. Um zu einem Keim in einer anderen Gesellschaft werden zu können, darf dieses Modell nicht blind und ohne Berücksichtigung der veränderten Bedingungen für die Anwendung des ewigen Prinzips imitiert werden. Erst mittels einer Beweisführung durch Analogie kann das Prinzip auf neue Fälle angewendet werden.

Niemand kann uns von der Verantwortung und Anstrengung befreien, für unsere Zeit und für bisher unbearbeitete Probleme eine Lösung gemäß dem koranischen Gesetz zu finden.

Das islamische Recht ist genau das Gegenteil des römischen Rechts: Das römische Recht (obwohl es seine Quelle in den erzwungenen und tatsächlichen Beziehungen der römischen Gesellschaft hat) will den Eindruck erwecken, dass es im Abstrakten erlassen sei und ewig geltende Rahmenbedingungen für zukünftige Taten festsetze. Die koranischen Texte, aus denen die Prinzipien des islamischen Rechts hergeleitet wurden, handeln im Gegensatz dazu von realen historischen Begebenheiten. Die Antwort auf eine historische Situation ist von göttlicher Inspiration, aber es ist notwendig, immer wieder das Ziel, den Daseinsgrund von der Situation loszulösen, um sie in einem neuen Fall nicht aus den Augen zu verlieren.

Wenn der Koran bezüglich des Ramadan befiehlt: „Und eßt und trinkt, bis ihr in der Morgendämmerung einen weißen von einem schwarzen Faden unterscheidet. Dann haltet das Fasten streng bis zur Nacht.“[9], ist es klar, dass sich dieser Befehl an ein Volk wendet, zu dessen geographischer Situation eine nicht groß voneinander abweichende Dauer von Tag und Nacht gehört.

Bei den Eskimos kann die Nacht sechs Monate dauern, die buchstabengetreue Anwendung dieses Verses würde dort den Tod bedeuten.

Das ist nur ein extremes Beispiel für die Unmöglichkeit einer Buchstabentreue, die Geographie oder Geschichte überhaupt nicht berücksichtigt und jegliche Interpretation des Korans ablehnt.

Die einzigartige Botschaft, die ewige Botschaft wird jedem Volk von Propheten, die die Sprache dieses Volkes sprechen, d.h. auf dem Verständnisniveau dieses Volkes, übermittelt. Die Historizität der Form dieser Botschaft widerspricht keineswegs ihrer absoluten Gültigkeit.

Das gilt auch für eine große Anzahl von Koranversen. Gott und sein Prophet berücksichtigen die Umstände und die Bewusstseinsebene der Völker, an die sie sich wenden, damit die Botschaft einfließen kann ohne mit einem Schlag die existierende Ordnung abzuschaffen. Dazu akzeptieren sie auch Bräuche, die nicht ganz den absoluten Ansprüchen der Scharia entsprechen.

Wir haben also die Pflicht, uns bei jeder juristischen Vorschrift zu fragen, was das angestrebte Ziel war, als sie formuliert wurde, und was die historischen Umstände, die sie in einer Welt, wo Er sich jeden Tag neu manifestiert[10], notwendig machten.

Diese Historizität des Korans ist nirgends deutlicher als in den Texten, die die Frauen betreffen.

Der Koran spricht zu den Völkern in ihrer Sprache und auf dem Niveau ihres Verständnisses, damit die Botschaft gehört wird. Er richtet sich an Araber des 7. Jahrhunderts, d.h. an eine Gesellschaft, die zu der „patriarchalen“ Tradition des mittleren Ostens gehört: die des Geschlechts der Hebräer, bei denen die grundlegende Minderwertigkeit der Frau sichtbar bestätigt wird; die des stark frauenfeindlichen Paulinischen Christentums und die der arabischen Halbinsel mit ihrer tribalen Tradition der Herrschaft des Männlichen.[11]

Damit die Botschaft in die Sprache dieses Volkes mit dieser viertausendjährigen patriarchalen Tradition einfließen kann, ist es notwendig, das tausendjährige Postulat zu akzeptieren: „… Und den Frauen stehen in angemessener Weise die gleichen Rechte (wie den Männern) zu, doch haben die Männer (in dieser Hinsicht) das letzte Wort.“[12]

Oder auch, ohne dieses Postulat zu rechtfertigen: „Die Männer stehen für die Frauen in Verantwortung ein, mit Rücksicht darauf wie Allah den einen von ihnen mit mehr Vorzügen als den anderen ausgestattet hat…“[13]

Die Frau kann sogar aufgrund eines einfachen Verdachts der Untreue geschlagen werden.[14] Es wird die Sprache dieses Volkes in dieser Epoche gemäß seiner Tradition und seines möglichen Verständnisniveaus gesprochen, wenn es heißt, dass die Zeugenaussage zweier Frauen nötig ist, um die eines einzigen Mannes auszugleichen[15] oder dass der Sieger eines Krieges Rechte über die gefangenen Frauen hat[16] oder auch dass der Mann nach eigenem Verlangen über die Frau verfügen kann wie über ein Feld[17].

Ausgehend von dieser Sprache (und diesem Brauchtum), die den Völkern einer bestimmten Epoche und Gesellschaft eigen sind, begrenzt der Koran zuerst die Schäden der Tradition: Er verbietet das Töten von Kindern[18] oder die prä-islamische arabische Tradition, Mädchen zu töten[19].

Die Polygamie ist erlaubt, aber so reglementiert[20], d sie tatsächlich wenig praktikabel ist. Der Westen regt sich in diesem Punkt mit scheinheiligen Argumenten auf: Wie viele Männer haben im Westen nur eine einzige Frau gekannt? Und ist es nicht heuchlerischer und auch unmoralischer, einem Mann zu erlauben, ein Kind von einer Geliebten zu haben und es ungestraft verlassen zu können, statt eine Heirat zu fordern, die dem Mann strenge Verpflichtungen auferlegt (vor allem, für den Unterhalt der Frau aufzukommen)?

Um die koranische Restriktion der Polygamie noch besser in ihrem historischen und theologischen Kontext situieren zu können, ist es sinnvoll daran zu erinnern, dass die Polygamie im Alten Testament ohne jegliche Einschränkung zugelassen war: Dort werden das Harem Davids und die 700 Frauen Salomons, ohne die 300 Konkubinen zu zählen, beschworen.[21] Zur Zeit Karl des Grossen (etwa zwei Jahrhunderte nach der koranischen Offenbarung) waren Priester polygam, und erst unter Gregor VII. (1020-1085) wurde dem Klerus das Zölibat auferlegt.

Muss man daran erinnern, dass der Frau seit der Zeit des Propheten das Recht auf Scheidung zugebilligt wurde? Nachdem eine Frau Muhammads, Umaima (Ibnat al Jaun), um die Scheidung gebeten hatte, wurde sie ihr vom Propheten, der ihr sogar noch Geschenke machte, gewährt.[22] Der Frau im Westen wurde das Recht auf Scheidung erst im 20. Jahrhundert zugebilligt, ebenso wie das Recht über ihren eigenen Besitz.

Auf Grund der Tatsache, dass in der arabischen Gesellschaft alle Verpflichtungen zum Unterhalt der Familie und der Eltern und alles, was wir heute soziale Sicherheit nennen würden, auf dem Mann lasteten, war der Teil des Jungen am Erbe doppelt so groß wie der des Mädchens.[23]

Das alles ist an bestimmte historische Bedingungen gebunden, für die gilt: „Dies sind Allahs Anordnungen.“[24] Dieses Gesetzt bedeutet einen bedeutenden Fortschritt gegenüber der vorislamischen Gesellschaft, in der die Frau gar kein Recht auf das Erbe hatte.

Es gibt aber nichts darin, was die Diskriminierung, die wirkliche Apartheid der Frau, die heute in vielen muslimischen Ländern regiert, rechtfertigen könnte: Diese Diskriminierung fließt aus einer gewissen Tradition des Nahen Ostens und nicht aus dem Koran. Im Islam der Zeit des Propheten und der „rechtgeleiteten“ Kalifen wurden die Frauen trotz der Einhaltung einer Trennung von Arbeit und Pflichten von keiner gesellschaftlichen Handlung ausgeschlossen, selbst im Kampf waren sie nicht nur Krankenschwestern[25] sondern auch Soldaten[26]. Sie leiteten Geschäfte[27]; Kalif Omar wählte eine Frau zur Aufsicht über den Markt von Medina; Aischa, die Frau des Propheten, lehrte Theologie; Kalif Omar stieß sich nicht daran, in seiner Predigt von einer Frau unterbrochen zu werden und dankte ihr sogar für die Richtigkeit ihrer Kritik.

Alle Diskriminierungen gehören zur Geschichte eines Landes oder einer Epoche, gegenüber der der Koran einen Bruch markiert. Der Koran erinnert 8 Mal daran, dass Gott, handele es sich um einen Mann oder eine Frau, nur zwischen denen unterscheidet, die das Gute tun und denen, die das Schlechte tun.[28]

Jenseits aller Wechselfälle der Geschichte beweist sich so das ewige Prinzip, das eine Hierarchie zwischen Männern und Frauen abschafft und nicht nur ihre Gleichheit oder ihre Komplementarität, sondern ihre „ontologische Einheit“ begründet: „Fürchtet eueren Herrn, Der euch aus einem (einzigen) Wesen erschuf…“[29] Ein einziges Wesen geteilt in zwei, gleich in Würde und unterschiedlich in ihren Funktionen.

Die Diskriminierung der Frau und ihre Unterordnung unter den Mann ist eine Tradition des ganzen Nahen Ostens, wie zum Beispiel die Episteln des Paulus bezeugen.

„Einer Frau gestatte ich nicht, daß sie lehrt, auch nicht, daß sie den Mann zurechtweist, sondern sie sei still“[30] „mit aller Unterordnung“[31].

„Wie in allen christlichen Gemeinden sollen die Frauen in der Gemeindeversammlung schweigen…“[32]

„Will sie sich nicht bedecken, so kann sie sich auch vollends das Haar abschneiden lassen.“[33]. 

Das Tragen des Schleiers ist also überhaupt keine religiöse Pflicht für die Frau. Es ist eine dem ganzen Nahen Osten schon einige Jahrhunderte vor der Predigt des Propheten eigene Tradition. Deshalb spricht der Koran nicht von dieser Sitte, was damals niemand bestritt. Nur drei Stellen beziehen sich auf die Kleidung der Frauen. Vers 55 der Sure 33, der nur die Frauen des Propheten betrifft und Vers 59 der gleichen Sure, der den „Frauen der Gläubigen“ den Schleier empfiehlt. „O Prophet! Sage deinen Frauen und deinen Töchtern und den Frauen der Gläubigen, daß sie etwas von ihrem Übergewand über sich ziehen sollen. So werden sie eher erkannt und (daher) nicht belästigt.“ Und Vers 31 der Sure 24: „Und sage den gläubigen Frauen, daß sie ihre Blicke senken und ihre Keuschheit wahren und ihre Reize nicht zur Schau stellen sollen, außer was (anständigerweise) sichtbar ist; und daß sie ihre Tücher über ihren Busen schlagen…“

In allen drei Fällen betrifft diese Empfehlung (für die keine Sanktion vorgesehen ist) kein Einhüllen des ganzen Körpers. Sie appelliert an den Anstand im Gegensatz zu einer vorislamischen Sitte, nach der man die Brust frei ließ, wie ein Hadith von Boukhari bestätigt: „Aicha hat gesagt: Gott wird gnädig zu den Frauen der ersten Emigration sein, denn bei der Offenbarung dieser Worte: ‘daß sie ihre Tücher über ihren Busen schlagen’ teilten sie ihren Izar (Stoff, der als Lendenschurz oder Rock diente), um sich die Brüste zu bedecken.“[34]

Es gehört zu unserer Verantwortung, in jeder Zeit die historischen Mittel zu finden, mit denen sich die transzendenten Ziele realisieren lassen. Der Koran zeigt es uns am Beispiel der Gesellschaft von Medina.

Diese klare koranische Unterscheidung schließt jede Buchstabentreue aus und ruft uns dazu auf, über die Beispiele nachzudenken und den im Koran auch erwähnten historischen Vorschriften, nicht für immer eine blinde Anwendung folgen zu lassen.

Man darf nie aus den Augen verlieren, dass der Koran sowohl die grundlegende Scharia (in 5.800 Versen) als auch (in 200 Versen) Beispiele ihrer Anwendung in einer gegebenen historischen Situation, zum Beispiel in einer Gesellschaft mit Sklaverei, enthält.

Der schlimmste, für die Zukunft des Islam tödliche Fehler bestünde darin, das ewige göttliche Gesetz, die Scharia, mit dem Fiqh (Gesetzgebung) des 7. Jahrhunderts zu verwechseln.

Eine wahre Anwendung der Scharia wäre das Gegenteil dieser Verwechslung: Sie würde ausgehend von den absoluten Prinzipien der Scharia (Gott allein besitzt, Gott allein befiehlt, Gott allein weiß) ein „Fiqh“ des 20. Jahrhunderts schaffen. Und darin liegt eine gemeinsame Verantwortung nicht nur aller Muslime, sondern, wie es der Koran sagt, aller gläubigen Menschen, die die Botschaft der Propheten, alles Gesandte des selben Gottes, erhalten haben.

Der dem Geist wirklich treue Vorstoß besteht darin, nach Art der großen Rechtsberater  vorzugehen: Als der Islam ein Weltreich begründete, bemühten sie sich, die göttlichen Worte zu interpretieren (Idschtihad), um sich neuen Situationen stellen zu können. Es ist wichtig, das kann man nicht oft genug wiederholen, aus ihrer damaligen historischen Verwirklichung die ewigen Prinzipien herauszufiltern, die das Finden von Lösungen für die Probleme von heute ermöglichen.

Der Koran offenbart uns ewige Werte: Er offenbart sie uns durch eine bestimmte Antwort zur Lösung von bestimmten historischen Problemen.

Dieser historische Charakter der göttlichen Offenbarung, d.h. der Antwort, die sie auf die Probleme einer besonderen Gesellschaft zu einem bestimmten Zeitpunkt ihrer Geschichte gibt, ist im Koran offensichtlich.[35]

Wenn uns der Koran sagt: „Und Allah hat euch euere Häuser als Ruheplatz gegeben. Und Er gab euch die Häute des Viehs zum Zeltbau, leicht zu handhaben am Tage eueres Aufbruchs und am Tag eueres Lagerns…“[36], dann ist klar, dass er zu einem bestimmten Zeitpunkt in der Geschichte eine nomadische Gemeinschaft anspricht, um ihnen eine ewige Wahrheit mitzuteilen: die der Fürsorge und der Anwesenheit Gottes gegen die Anmaßung des Menschen, sich selbst  zu genügen, wie sie ein Prometheus, die Pharaonen oder Faust zeigen.

Es ist eine Erinnerung an die Transzendenz  gegenüber der Selbstgefälligkeit, die für alle eingebildeten Baumeister; die der Pyramiden, der Atomsprengköpfe oder der Wolkenkratzer ewigen Wert hat

Wenn uns der Koran in Bezug auf die Reinigung vor dem Gebet sagt: „… und findet [ihr] kein Wasser, so nehmt guten Sand und wischt euch das Gesicht und die Hände damit ab“[37], ist klar, dass er sich nicht an Eskimos, sondern an Wüstenbewohner wendet.

„Jedem von euch gaben Wir ein Gesetz und einen Weg.“[38]

Durch ihre lokale Erfahrung liefert er eine ewige Botschaft: von der symbolischen Waschung, die die Notwendigkeit eines Ritus der Purifikation unterstreicht, um mit dem Gebet eine Unterbrechung im alltäglichen Leben zu markieren, um unser Leben neu zu zentrieren, indem wir es von jeder Bindung an unmittelbare Beschäftigungen befreien, um jeder Tat wieder Sinn zu verleihen und sie mit der klaren Quelle der ganzen Schöpfung zu verbinden, mit der Transzendenz Gottes.

Ist der Koran nicht auf eine wunderbare Art mit der Geschichte verwurzelt, wenn in Sure 111 Die Palmfasern die persönlichen Feinde des Propheten Muhammad namentlich erwähnt und den Höllenflammen geweiht werden: sein Onkel Abu Lahab und dessen Frau? Und müssen wir aus dieser Sure nur die in der Geschichte des Tribuns situierte Anekdote zurückbehalten oder ihren Sinn, die Ablehnung einer Anhäufung von Reichtümern ohne menschliches Ziel und eines blinden Wachstums, das heute das der multinationalen Unternehmen und der Nationen ist?

[…]

Ein typisches Beispiel für den Willen zur Verteufelung des Islam (und das über Jahrhunderte bis heute) ist die Übersetzung des Wortes Dschihad durch heiliger Krieg. Der Begriff des heiligen Krieges ist eine spezifische Schöpfung aus der jüdisch-christlichen Tradition, um zum Beispiel ihre „Kreuzfahrten“ oder die heiligen Ausrottungen (Herem) Joshuas in der Bibel zu heiligen.

Aus dem Dschihad das Synonym für einen Angriffskrieg zu machen, offenbart die entschlossene Absicht glauben machen zu wollen, dass die Gewalt dem Islam innewohnt, dass sie eine religiöse Pflicht sei.

Es ist wahr, dass in der Geschichte des Islam fanatische Bewegungen, den Dschihad als Angriffskrieg und Eroberung verstehen wollten. Das konnten sie nur durch Vergewaltigung, nicht durch Anwendung der koranischen Lehre tun. Genau wie die Kreuzzüge und die Inquisitionen nicht dem Beispiel oder der Botschaft Jesu angelastet werden können.

Dschihad bedeutet übersetzt „Anstrengung“ auf dem Weg Gottes. Dieser Weg ist niemals der des Zwanges: „Kein Zwang im Glauben!“[39] erklärt der Koran unmissverständlich.

Die höchste und treuste muslimische Tradition unterscheidet zwischen dem großen Dschihad, welcher der Kampf gegen uns selbst, unsere egoistischen, die Gemeinschaft zerstörenden Neigungen ist und dem kleinen Dschihad, der auch Mühe und Opfer enthält, aber dem Außen zugewandt ist. Mit dem kleinen Dschihad soll nur der Glaube verteidigt, nicht aber verbreitet werden (was nicht geht, worauf der Koran mit aller Kraft insistiert). Er stellt sich jeder Unterdrückung entgegen, die auf jene ausgeübt wird, die nach der Führung Gottes handeln wollen. Zum Beispiel war der Widerstand Abdel Kaders gegen den Angriff und die Invasion der Landungstruppen von General Bourmont 1830 oder der Widerstand gegen den Machtmissbrauch der Armee von Bugeaud ein authentischer Dschihad“ genauso wie Saladins Befreiungskrieg gegen die Besetzung Palästinas durch die Kreuzfahrer.

Der Koran lässt keinen Zweifel zu diesem Thema bestehen, es sei denn für solche, die sich damit begnügen, unehrlicher Weise einen Satz von seinem Kontext zu isolieren.[40]

Diese Haltung ist unabhängig von den Umständen. Sie fließt aus dem grundlegenden Prinzip des islamischen Glaubens.

Die Bestätigung der Einheit Gottes ist nicht eine Feststellung, sie ist ein Akt. Der Tawhid ist nicht eine einfache Tatsache, ein Urteil über die Existenz eines einzigen Gottes. Er ist ein Engagement, ein Handlungsprinzip, das die Gesamtheit unseres Lebens beeinflusst. Jede einzelne Tat, selbst die niedrigste und alltäglichste, hat zum Ziel, den Willen Gottes auf der Erde zu verwirklichen: das Entstehen der universellen Gemeinschaft, die die Welt in eine lebende Einheit verwandeln wird.

Es reicht nicht, an die Einheit Gottes zu glauben. Man muss davon zeugen, indem man in dieser unstimmigen Welt auf dem Weg Gottes kämpft, auf allen Ebenen:  von der Wirtschaft bis zur Moral und von der Politik und der Wissenschaft bis zu den Künsten.

Das ist der vollständige Sinn des Wortes Dschihad, das unzureichend mit heiliger Krieg übersetzt wird und dadurch eine streitbare Konnotation erhält, wo doch „Anstrengung auf dem Weg Gottes“ einen viel allgemeineren Sinn hat: Er umspannt zuerst unser Ringen mit uns selbst, um die Einheit unseres Innenlebens und die Herrschaft über uns. Und erst danach das Ringen in allen Bereichen des äußeren, sozialen Lebens, ohne den Kampf und die Konfrontation auszuschließen, nicht aber um den Islam zu verbreiten, sondern um ihn gegen jedweden Angriff zu verteidigen.

Zum Beispiel gilt die buchstabentreue Umsetzung folgenden Koranverses als charakteristisch für die Scharia,: „Und der Dieb und die Diebin: Schneidet ihnen zur Vergeltung ihrer Taten ihre Hand ab…“[41]

Das eigentliche Problem, das der Prophet in Medina unter den historischen Bedingungen seiner Zeit beispielhaft behandelte, ist das Einbetten des Strafgesetzes in den Kontext einer sozialen Gerechtigkeit, in der der Diebstahl keinen Platz und die Sanktion deshalb kein Objekt mehr hat.

Das ist so wahr, dass einer der nahsten Begleiter des Propheten, Omar, als der Kalif wurde festlegte, dass die Strafe des Handabhackens zu Hungerzeiten nicht angewandt werden dürfe, weil es dann den Machthabern nicht möglich war, soziale Gerechtigkeit zu schaffen.

Im gleichen Geiste berichten an-Nasa’i und Abu Dawud das folgende Hadith: „Abbad ben Sharahbil hat gesagt: ‘Ich bin mit meinen Vorfahren väterlicherseits nach Medina gekommen. Ich habe ein (Getreide)Feld betreten. Ich habe einige Ähren abgerissen und die Körner herausgeholt. Der Besitzer (des Feldes) ist gekommen. Er hat meine Kleidung genommen und mich geschlagen. Ich habe den Propheten aufgesucht, um mich zu beschweren. Der Prophet ließ ihn holen. Er fragte ihn: ‘Was hat dich dazu getrieben, so zu handeln?’ Er hat geantwortet: ‘Oh, Botschafter Gottes, dieser Mann hat mein Feld betreten, er hat Ähren abgepflückt und die Körner herausgenommen.’ Der Prophet sagte: ‘Er war unwissend und du hast ihn nicht belehrt. Er hatte Hunger und du hast ihm nichts zu Essen gegeben. Gib ihm seine Kleidung zurück.’ Und der Bote Gottes ließ mir ein Maß Weizen bringen.“

Diese Beispiele sollen uns helfen zu verstehen, dass man das Pferd von hinten aufzäumt, wenn man unter dem Vorwand, die Scharia anzuwenden, Hände abhackt. Die erste Pflicht einer Gesellschaft, die dem göttlichen Gesetz folgen will, besteht darin, die sozialen Bedingungen, die zum Diebstahl führen, d.h. alle Formen der sozialen Ungerechtigkeit und Armut, abzuschaffen.

Fängt man mit dem Strafen an, trifft es die Ärmsten am härtesten. Wenn man ihnen die Hände abhackt, macht man ihre Reintegration in die Gesellschaft durch Arbeit unmöglich. Diese Demütigung und der unwiderrufliche Ausschluss richten sich auf die Hilflosesten (und lassen diejenigen, die Geld horten[42], ihr Werk der sozialen Spaltung durch Ungleichheit unaufhaltsam fortführen).

Nichts widerspricht dem Geist des Koran mehr, als die Anwendung eines Systems von Sanktionen vor der Schaffung von sozialer Gerechtigkeit. Der Koran ist bezüglich dieses Punktes sehr deutlich. Er verurteilt denjenigen scharf, „der ein Vermögen zusammenscharrt und (immer wieder) abzählt“[43]. Er ruft die Bestrafung der Hölle auf sie herab.

Koran und Sunna organisieren die Neuverteilung der Reichtümer: Der Koran institutionalisiert den Zakat, der keine freiwillige Spende, sondern eine Pflichterhebung, nicht auf das Einkommen, sondern auf den Besitz ist. Die Sunna legt ihn allgemein auf 25% für nicht investiertes Geld fest (nur Produktionsmittel sind davon ausgeschlossen). Eine einfache Rechnung zeigt, dass bei dieser Höhe ein Besitz nach 40 Jahren, also innerhalb einer Generation, vollständig abgebaut wird, damit keiner als Parasit nur von dem Erbe seiner Eltern leben kann.

In einem Land, in dem diese Vorschriften rigoros angewandt würden, begänne das Gesetz Gottes auf ökonomischer und sozialer Ebene zu herrschen, die wahre Scharia, und der Dieb könnte nur noch ein Kranker sein, weil es keinen Grund für den Diebstahl gäbe.

Ein Hadith des Propheten sagt: „Gott entzieht jeder Gemeinschaft seinen Schutz, in der es auch nur einen Menschen gibt, der hungert.“

Es wurde deutlich, dass sowohl für den Propheten als auch für Omar Ibn Khattab die soziale Gerechtigkeit einen islamischen Wert darstellte, der höher anzusehen war als die Verteidigung des Eigentums.

Es ist beachtenswert, dass im Laufe der Geschichte, bis in unsere Tage sogar, die mit Reichtum und Macht Privilegierten öfter den Vers des Korans heranziehen, der sagt, man müsse die Hand des Diebes abschlagen, als den der Sure 111, der genauso wörtlich sagt, dass man dem, der Reichtümer anhäuft, beide Hände abhacken solle.

Die absolut legitime Forderung, das von den ehemaligen Kolonialmächten aufgezwungene europäische Recht abzuschaffen und zur Wiedererlangung einer echten islamischen Identität die Scharia wieder einzuführen, wird von den mit Reichtümern und Macht Privilegierten viel zu oft missbraucht.

Die Anwendung der Scharia mit Sanktionen zu beginnen bevor soziale Gerechtigkeit herrscht, in der niemand durch Armut und das Spektakel des großtuerischen Luxus der Parasiten der Gesellschaft zum Diebstahl verleitet wird, heißt mit dem Ende zu beginnen und unter dem Vorwand, buchstabentreu zu sein, den Geist des Korans zu verraten. Wir haben gezeigt, wie ihn der Prophet und Omar Ibn Khattab in die Tat umgesetzt haben, indem sie nicht den Dieb, den die Not trieb, sondern den Reichen bestraft haben, der ihm kein Essen, keine Kleidung und keine Bildung gab.

Die Karikaturen der Anwendung der Scharia in unseren Tagen sind um so schlimmer, als der Diebstahl, der Riba[44] und das Horten, viel komplexere und vielgestaltigere Formen angenommen haben als zur Zeit der Gemeinschaft von Medina.

Der durch das Glücksspiel und seine modernen Varianten, die Handels- oder Börsenspekulation, erzielte Reichtum ist ein Diebstahl in großem Maßstab. Das normale Funktionieren des kapitalistischen Systems legitimiert diesen parasitären Lohnabzug von der Arbeit der Gemeinschaft.

Indem man moralische Vorschriften aus einer Gesellschaft, in der es leicht war, den Dieb zu entlarven, buchstabengetreu in einer Zeit wie der unseren anwendet, wo nur der kleine Dieb durch diese Kriterien definiert werden kann, macht man sich zum Komplizen des von einer Gesellschaft, die sich wie der Westen auf den Riba gründet, legalisierten Diebstahls und trifft die Ärmsten.

Die Scharia anzuwenden heißt, den Koran in seiner Gesamtheit in jedem Moment des öffentlichen oder privaten Lebens anzuwenden, d.h. jede Tat in dem Bewusstsein auszuführen, dass sie dem Blick Gottes ausgesetzt ist, den man nicht betrügen kann. Dabei spielt es keine Rolle, ob es sich um Handelsabschlüsse, private Beziehungen oder politische Taten handelt.

Die Scharia anzuwenden bedeutet nicht, Hände abzuhacken, sondern als Individuum oder Staat 24 Stunden täglich in der Transparenz Gottes zu leben. In diesem Sinne kann der Islam seinen Teil zu den Befreiungstheologien beitragen. Ausgangspunkt sind seine eigenen, einfachen Prinzipien:

Die Lesart des Koran kann nicht wörtlich sein. Jedes Mal, wenn sich das Handlungsprinzip in der spezifischen Sprache und unter den besonderen Umständen der Zeit seiner Offenbarung ausdrückt, muss man das lebende Prinzip aus den toten Buchstaben herausfiltern.

Weder Koran noch Sunna haben abstrakte Gesetze aufgestellt. Sie enthalten göttliche Antworten, die aber immer historisch und konkret für die Probleme einer weniger komplexen Gesellschaft sind.

Das Problem stellt sich seit dem 2. Jahrhundert der Hidschra. Der Große Jurist Abu Hanifa (gest. 150), lebte in einer Gesellschaft, die sich gänzlich von der Gemeinde in Medina unterschied: Persien kannte unter großen zentralistischen Monarchien eine sehr reiche Kultur und eine komplexe ökonomische Organisation. Dort gelang es Abu Hanifa zu zeigen, wie man der ursprünglichen Inspiration des Islam unter radikal neuen historischen Bedingungen treu bleiben konnte.

Man musste extrapolieren, Analogieschlüsse ziehen, die jedem Volk eigenen Traditionen berücksichtigen, handelte es sich um frühere Offenbarungen oder gewohnte Rechte, das öffentliche Wohl im Auge behalten und dabei immer die Prinzipien und das erste Ziel von Koran und Sunna respektieren.

Man kann die Beispiele dieser Historizität des Korans vervielfältigen. Als zum Beispiel der Gedanke, Maria sei die dritte Person in der Dreifaltigkeit, von den Christen zurückgewiesen wurde, war die Verurteilung dieser Mariolatrie sehr genau datiert: diese Häresie wurde von Origen bei den Collyriden[45] und bei den Ophiten, die die Jungfrau mit dem Geist verwechselten[46], angegriffen.

Die Polemik lässt sich also einem bestimmten Moment in der Geschichte zuordnen und hätte heute keine Daseinsberechtigung mehr. Sie entsprach dem Wissen, das die Muslime zur Zeit Muhammads vom Christentum haben konnten. Und die Botschaft ist in ihrer Sprache ausgedrückt.

Die Historizität des Korans fließt auch aus der Tatsache, dass sich die Offenbarung der ewigen Botschaften immer an ein besonderes Volk zu einem bestimmten Zeitpunkt in seiner Geschichte in einer Sprache, die es ihm erlaubt sie zu verstehen, richteten. „Und wir schickten keinen Gesandten, es sei denn in der Sprache seines Volkes…“[47] „Jedes Zeitalter hat sein Buch.“[48]

Das gleiche gilt für den Propheten des Islam. Er hat die Botschaft Gottes auf arabisch mitgeteilt[49], aber es ist eine Botschaft, die sich an alle Menschen und alle Zeiten wendet. Jede Sure und jeder Vers, ob aus Mekka oder Medina, ist eine göttliche Antwort auf ein konkretes Problem, und es heißt keineswegs den göttlichen Charakter dieser Offenbarung in Frage zu stellen, wenn man sie einem Moment der Geschichte, der Kultur, des Lebens eines Volkes zuordnet: „Und wahrlich, Wir haben den Menschen in diesem Koran allerlei Gleichnisse dargelegt…“[50] „O ihr, die ihr glaubt! Ihr seid nur für euch selbst verantwortlich.“[51] 

[…]

Heute erwächst das zentrale vom Islamismus (dem, was der westliche Mensch muslimischen Integrismus nennt) gestellte Problem aus einer grundlegenden Verwirrung über die Bedeutung der Scharia.

Wiedereinführung der Scharia lautet die Parole aller Varianten der islamistischen Bewegung. Sie ist die Antwort auf die Gesetzgebungen kolonialer Herkunft, seien es englische oder französische, die der Identität der unterdrückten Völker in keiner Weise Rechnung tragen und die vor allem auf keinem Sinn des Lebens gründen außer der profitgierigen Steigerung der Macht und des Reichtums in einem System, wo alles zu kaufen und zu verkaufen ist.

Wiedereinführung der Scharia bedeutet für die Menschen im Westen, dem Dieb die Hände abzuschlagen und die Frauen zum Einhüllen des ganzen Körpers in einen schwarzen Schleier zu zwingen.

Aber weder die einen noch die anderen stellen unvoreingenommen die Frage: Was ist die Scharia? Die Islamisten bemühen sich nicht um eine Unterscheidung zwischen den Forderungen des Korans und denen der Tradition. Die Menschen im Westen sehen in der Scharia nur das Gegenteil und die Verneinung dessen, was sie Demokratie nennen, ohne sich um eine Unterscheidung zwischen dieser Demokratie und dem Monotheismus des Marktes, dem sie als Maske dient, zu bemühen.

Das Wort Scharia wird im Koran nur ein Mal benutzt[52], und in drei anderen Versen tauchen Wörter der gleichen Wurzel auf: das Verb Shara’a[53] und das Substantiv Shir’a[54]. Das erlaubt eine genaue Definition. Worin besteht nun dieser Weg[55]? In Sure 42, Vers 13 wird er erläutert: „Er hat euch als Religion anbefohlen, was Er Noah vorschrieb und was Wir dir offenbarten und Abraham und Moses und Jesus auftrugen: am Glauben festzuhalten und ihn nicht zu spalten.“

Es ist also absolut klar: Dieses ist der gemeinsame Weg aller Völker, denen Gott seine Propheten gesandt hat (allen Völkern in der Sprache eines jeden von ihnen). Trotzdem sind die juristischen Codes, die zum Beispiel den Diebstahl und seine Bestrafung, die Rolle der Frau, die Eheschließung oder die Erbschaft betreffen, in der jüdischen Thora, in den christlichen Evangelien oder im Koran unterschiedlich. Die Scharia[56] kann diese Gesetzgebungen[57] also nicht beinhalten: Der große Unterschied zwischen der allen Religionen gemeinsamen Scharia und der Gesetzgebung liegt darin, das letztere je nach Epoche oder Gesellschaft, in die ein Prophet von Gott gesandt wurde, unterschiedlich ist. Gott sagt im Koran: „Jedes Zeitalter hat sein Buch.“[58] Und: „Es gibt ja kein Volk, unter dem kein Warner gelebt hätte.“[59]

Nachdem er daran erinnert hat, dass die Botschaften von Moses und der Thora, von Jesus und den Evangelien „mit einer Rechtleitung und einem Licht“ [60] einhergehen, fügt der Koran hinzu: „Und wir sandten zu dir in Wahrheit das Buch hinab, (vieles) bestätigend, was ihm an Schriften vorausging, und (über ihren Wahrheitsgehalt) Gewissheit gebend.“[61].

Im Licht dieser zwei Verse ist es klar, dass der Weg, die Scharia, universellen Wert hat, weil sie allen Menschen, im Besonderen denen des Buches, gemein ist: Sie zeigt uns die transzendenten Ziele, während das Programm oder die Methode Mittel sind, die es zu jedem Zeitpunkt der Geschichte erlauben, transzendente Werte in das Leben einfließen zu lassen.

Wenn man nicht zwischen den ewigen Prinzipien in den Beziehungen zu Gott und den einzelnen Gesetzen, mit denen die Menschen von diesen Prinzipien ausgehend in jeder Epoche ihre sozialen Beziehungen organisieren, unterscheidet, karikiert man das Bild des Koran.

Diese Unterscheidung zwischen der Scharia, der religiösen und moralischen Orientierung hin zu Gott, und den „Programmen“ oder Methoden, die die Menschen im Auftrag Gottes immer unter den konkreten Bedingungen ihrer Gesellschaft und ihrer Zeit anwenden sollen, wird vom Sinn des Wortes Scharia, Weg zur Quelle, unterstrichen. Es ist dies eine wunderbare Art zu sagen: der Weg zu Gott.

       D

ie Scharia ist tatsächlich in allen drei offenbarten Büchern enthalten und identisch:

Der Koran erklärt mehrere Male, dass nur Gott besitzt: „Ihm gehört, was in den Himmeln und auf Erden ist: alles gehorcht Ihm.“[62]

Wie das Deuteronomium sagt: „Siehe, der Himmel und aller Himmel Himmel und die Erde und alles, was darinnen ist, das ist des Herrn, deines Gottes.“[63]

Und im Evangelium steht: „Denn die Erde ist des Herrn und was darinnen ist.“[64]

Das Gleiche gilt in allen drei Büchern für „nur Gott befiehlt“ und „nur Gott weiß“.

Es ist unsere Aufgabe, jederzeit die historischen Mittel zu finden, mit denen diese transzendenten Ziele zu realisieren sind, so wie der Koran es uns am Beispiel Medinas zeigt.

Diese klare koranische Unterscheidung schließt jegliche Buchstabentreue aus und ruft uns dazu auf, über die Beispiele nachzudenken, statt den im Koran auch aufgeführten historischen Vorschriften eine blinde Anwendung für alle Zeiten folgen zu lassen.

Eine gesetzliche Disposition unter dem Vorwand, dass sie im Koran stehe, buchstabengetreu anzuwenden bedeutet, das ewige Gesetz Gottes, die Scharia[65], mit einer Gesetzgebung zu verwechseln, die für den Mittleren Osten im 7. Jahrhundert gedacht war[66]. Beide tauchen natürlich im Koran auf, aber die Verwechslung beider und ihre blinde Anwendung – unter Nichtbeachtung des häufig im Koran wiederholten Aufrufs zur Überlegung – macht es uns unmöglich, von der lebendigen Botschaft, von lebendigen und ewig aktuellen Koran, vom lebendigen Gott zu zeugen.

Das göttliche Gesetz, die Scharia, vereint alle gläubigen Menschen, während das Aufzwingen einer Gesetzgebung aus dem Arabien des 7. Jahrhunderts auf die Menschen des 20. Jahrhunderts ein Weg der Trennung ist, was ein falsches und abstoßendes Bild des Korans vermittelt. Es ist ein Verbrechen gegen den Islam.

Eine wahrhaftige Anwendung der Scharia hat mit dieser faulen Buchstabentreue nichts zu tun.

Sie setzt voraus, dass man hinter jeder Vorschrift des Korans ihre Daseinsberechtigung, das Prinzip, das sie inspiriert hat, und die historischen Voraussetzungen, unter denen sie angewandt wurde, sucht. Und vor allem, mehr noch, dass man jeden dieser Schritte mit Blick auf die Gesamtheit der koranischen Offenbarung unternimmt. Die Scharia ist jede unserer Handlungen, die geleitet ist vom Willen Gottes wie er durch die Gesamtheit des Koran offenbart wurde, und nicht eine buchstabentreue Lektüre, die diesen oder jenen Vers von der koranischen und historischen Gesamtheit, die ihm seinen Sinn gibt, abtrennt.

Nur so kann die Scharia in jeder Epoche ein Keim für die Entwicklung und für das Leben der Gesellschaft sein. Um diese Aufgabe erfüllen zu können, was in unserer Zeit, in der die Fundamente der westlichen Zivilisation einstürzen, unentbehrlicher denn je ist, kann das Gesetz Gottes nicht betrachtet werden, als hätte es seit 12 Jahrhunderten aufgehört zu leben. Zu leben heißt, das Handeln des Menschen auf jeder Stufe der universellen Erfahrung der Menschheit zu inspirieren. Nur wenn die Scharia die Menschheit als ein Ganzes betrachtet, kann sie uns einen Weg weisen, wie man vom Orient bis in den Okzident leben soll: „Die Menschen waren eine einzige Gemeinschaft.“ [67]

Aber man liest den Koran viel zu oft mit den Augen der Toten.

Mit den Augen von Menschen, die das Genie besaßen, von der ewigen Offenbarung des Korans ausgehend die Probleme ihrer Epoche zu lösen. Wohingegen wir nicht die Probleme der unseren lösen können, wenn wir uns damit zufrieden geben, ihre Lösungen zu wiederholen Wir müssen uns von ihren Methoden inspirieren lassen.

Zurück zu den Quellen zu gehen bedeutet nicht, die Zukunft im Rückwärtsgang zu betreten und die Augen auf die Vergangenheit zu richten, sondern die lebendige Quelle und den schöpferischen Dynamismus des ursprünglichen Islam wiederzufinden. Die Scharia ist kein stehendes Gewässer, aus dem man faules Wasser schöpft: Das hieße, den neuen Durst zu belügen. Die Scharia ist ein schöner, glitzernder und die Ufer mit seiner Brandung befruchtender Fluss.


[1] „O ihr, die ihr glaubt! Bringt euch nicht gegenseitig betrügerisch um euer Vermögen. Treibt aber (ehrlichen) Handel nach gegenseitiger Übereinkunft…“ (Sure 4, Vers 29)

[2] „… Jede Seele belastet nur sich selbst. Und keine belastete (Seele) soll einer anderen Last tragen…“ (Sure 6, Vers 164)

„Daß nämlich keine beladene (Seele) die Last einer anderen tragen wird“ (Sure 53, Vers 38)

[3] „… Die Menschen waren einmal eine einzige Gemeinschaft…“ (Sure 10, Vers 19)

[4] Sure 2, Vers 115

[5] Sure 2, Vers 239

[6] Sure 2, Vers 115

[7] Sure 3, Vers 92

[8] Sure 2, Vers 221

[9] Sure 2, Vers 187

[10] „… Jeden Tag manifestiert er sich neu.“ (Sure 55, Vers 29)

[11] „Laß den Sohn, die Frau, den Bruder, den Freund nicht über dich verfügen“, heißt es im Buch Sirach (33,20) in der jüdischen Tradition. „…der Mann aber ist das Haupt der Frau…“ schreibt Paulus (1. Korinther 11, Vers 3) in der christlichen Tradition. Er präzisiert (Epheser 5, Vers 24): „…so sollen sich auch die Frauen ihren Männern in allem unterordnen.“ Der Koran setzt diese Tradition des Nahen Ostens fort und sagt es ausdrücklich (Sure 46, Vers 12): „… Und dies ist ein Buch, das es (die Thora) in arabischer Sprache bestätigt…“

[12] Sure 2, Vers 228

[13] Sure 4, Vers 34

[14] „… Diejenigen aber, deren Widerspenstigkeit ihr fürchtet, warnt sie, meidet sie in den Schlafgemächern und schlagt sie…“ (Sure 4, Vers 34)

[15] „… Sind nicht zwei Männer da, dann sei es ein Mann und zwei Frauen, die euch als Zeugen passend erscheinen, so daß, wenn eine der beiden irrt, die andere sie erinnern kann…“ (Sure 2, Vers 282)

[16] „Und (verboten sind euch) verheiratete Frauen, außer denen, die ihr von Rechts wegen besitzt…“ (Sure 4, Vers 24)

[17] „Eure Frauen sind euch ein Saatfeld. Geht zu euerem Feld, wie ihr wollt…“ (Sure 2, Vers 223)

[18] Ein Beispiel für diese Barbarei wird im Exodus 11, Vers 5 gegeben: „Um Mitternacht will ich durch Ägyptenland gehen, und alle Erstgeburt in Ägyptenland soll sterben, vom ersten Sohn des Pharao an … bis zum ersten Sohn der Magd…“ Nur die Söhne Israels werden verschont.

[19] „… Soll er diese Schande behalten oder in der Erde vergraben?…“ (Sure 16, Vers 59)

„Und wenn das lebendig begrabene Mädchen gefragt wird, um welcher Schuld willen es getötet wurde“ (Sure 81, Vers 8-9)

[20] „Und wenn ihr fürchtet, sonst den Waisen nicht gerecht werden zu können, nehmt euch als Frauen, was euch gut erscheint, zwei oder drei oder vier. Doch wenn ihr fürchtet, ihnen nicht gerecht werden zu können, heiratet nur eine oder diejenigen, die ihr von Rechts wegen besitzt. Dies schützt euch eher vor Ungerechtigkeit.“ (Sure 4, Vers 4)

[21] „Aber der König Salomo liebte viele ausländische Frauen… Und er hatte siebenhundert Hauptfrauen und dreihundert Nebenfrauen…“ (1. Könige 11, Vers 1-3)

[22] Boukhari 68,3

[23] „Allah schreibt euch hinsichtlich euerer Kinder vor, dem Knaben zweier Mädchen Anteil zu geben…“ (Sure 4, Vers 11)

[24] Sure 4, Vers 13

[25] Boukhari 56, 67-68

[26] Boukhari 56, 62-63, 65

[27] Boukhari 11, 4a

[28] Sure 3, Vers 95?

„Wer aber Rechtes tut, sei es Mann oder Frau, und gläubig ist, jene sollen ins Paradies eingehen…“ (Sure 4, Vers 124)

„Die Gärten von Eden, in die sie eintreten sollen wie auch die Rechtschaffenen von ihren Vorvätern, ihren Frauen und ihrer Nachkommenschaft…“ (Sure 13, Vers 23)

„Hat denn euer Herr gerade für euch Söhne ausersehen und Sich aus den Engeln Töchter genommen? Ihr sagt da wirklich etwas Ungeheuerliches!“ (Sure 17, Vers 40)?

„… Wer aber das Rechte getan hat, sei es Mann oder Frau, und gläubig ist, diejenigen werden in das Paradies eintreten…“ (Sure 40, Vers 40)

„Sollte Er etwa von dem, was Er schuf, für Sich Töchter genommen und euch Söhne zugeteilt haben?“ (Sure 43, Vers 16)

„Und damit Er die Heuchler und Heuchlerinnen und die Götzenanbeter und Götzenanbeterinnen bestrafe, die über Allah übel denken…“ (Sure 48, Vers 6)

„Diejenigen welche Almosen geben, Männer und Frauen, und die Allah ein schönes Darlehen geben, mehr als verdoppeln wird Er es ihnen…“ (Sure 57, Vers 17)

[29] Sure 4, Vers 1

[30] 1. Timotheus 2, Vers 12

[31] 1. Timotheus 2, Vers 11

[32] 1. Korinther 14, Vers 34

„Einer Frau gestatte ich nicht, daß sie lehrt, auch nicht, daß sie den Mann zurechtweist, sondern sie sei still.“ (1. Timotheus 2, Vers 12)

[33] 1. Korinther 11, Vers 6

[34] Boukhari, Vol. 3, Titel 65, Kapitel 12?

[35] „… Jedes Zeitalter hat sein Buch.“ (Sure 13, Vers 38)

[36] Sure 16, Vers 80

[37] Sure 5, Vers 6

[38] Sure 5, Vers 48

[39] Sure 2, Vers 256

[40] „Und bekämpft auf Allahs Pfad, wer euch bekämpft…“ (Sure 2, Vers 190)

„Vorgeschrieben ist euch der Kampf, doch er ist euch ein Greuel. Aber vielleicht verabscheut ihr etwas, das gut für euch ist. Und vielleicht liebt ihr etwas, das schlecht für euch ist. Allah weiß, ihr aber wißt (es) nicht.“ (Sure 2, Vers 216)

„Wußtest du nicht von der Versammlung der Kinder Israels nach Moses (Tod), als sie zu ihrem Propheten sprachen: ‘Erwecke uns einen König; wir wollen auf Allahs Weg kämpfen.’ Er sprach: ‘Ist es nicht so: Wenn euch vorgeschrieben wird zu kämpfen, kämpft ihr nicht?’ Sie sprachen: ‘Warum sollten wir nicht auf Allahs Weg kämpfen, wo wir aus unseren Wohnungen und von unseren Kindern vertrieben sind?’ Doch als ihnen nun der Kampf vorgeschrieben war, kehrten sie den Rücken, mit Ausnahme weniger von ihnen. Und Allah kennt die Ungerechten.“ (Sure 2, Vers 246)

„… Und wenn sie (in offener Feindschaft) den Rücken kehren, ergreift und tötet sie, wo immer ihr sie findet. Und nehmt keinen von ihnen zum Freund oder Helfer.“ (Sure 4, Vers 89) etc.

[41] Sure 5, Vers 38

[42] Sure 111

[43] Sure 104, Vers 2

„… Aber wer da Gold und Silber hortet, statt es auf Allahs Weg auszugeben: Ihnen verheiße schmerzliche Strafe.“ (Sure 9, Vers 34)

[44] Zinswirtschaft [Anm. der Übersetzerin]

[45] Contra heareses, 9,13

[46] Joannem Commentari, 2,6

[47] Sure 14, Vers 4

[48] Sure 13, Vers 38

[49] „Und so sandten Wir ihn als arabischen Koran hinab…“ (Sure 20, Vers 113)

[50] Sure 17, Vers 89

„Wir haben den Menschen in diesem Koran gewiß allerlei Gleichnisse aufgestellt…“ (Sure 39, Vers 27)

[51] Sure 5, Vers 105

[52] „Schließlich brachten Wir dich in der Angelegenheit auf den Weg. Darum folge ihm und folge nicht den Neigungen der Unwissenden.“ (Sure 45, Vers 18)

[53] „Er hat euch als Religion anbefohlen, was Er Noah vorschrieb und was Wir die offenbarten und Abraham und Moses und Jesus auftrugen: am Glauben festzuhalten und ihn nicht zu spalten…“ (Sure 42, Vers 13)

[54] „…Jedem von euch gaben Wir ein Gesetz und einen Weg…“ (Sure 5, Vers 48)

[55] Scharia

[56] das göttliche Gesetz auf dem Weg zu Gott

[57] Fiqh

[58] Sure 13, Vers 38

[59] Sure 35, Vers 24

„Und wahrlich, Wir entsandten zu jedem Volke einen Gesandten…“ (Sure 16, Vers 36)

[60] „Siehe, Wir haben die Thora hinabgesandt, in der sich eine Rechtleitung und ein Licht befinden…“ (Sure 5, Vers 44)

„Und in ihren Spuren ließen wir Jesus folgen, den Sohn der Maria, um die Thora, die vor ihm war, zu bekräftigen. Und Wir gaben ihm das Evangelium mit einer Rechtleitung und einem Licht…“ (Sure 5, Vers 46)

[61] Sure 5, Vers 48

[62] Sure 2, Vers 116

„Allahs ist, was in den Himmeln und was auf Erden ist…“ (Sure 2, Vers 284)

„Und Allah gehört, was in den Himmeln und was auf Erden ist, und zu Allah kehren alle Dinge zurück.“ (Sure 3, Vers 109) etc.

[63] 5. Buch Mose 10, Vers 14

[64] 1. Korinther 10, Vers 26

[65] die eine absolute „Invariable“ ist, die allen Religionen und Weisheiten gemein ist

[66] die eine diesen Ländern und dieser Zeit eigene historische Anwendung des ewigen Gesetzes war

[67] Sure 2, Vers 213

Garaudy, Hochschulprofessor für Kunstgeschichte und Philosophie, war Mitglied des Zentralkomiettes der Kommunistischen Partei Frankreichs (KPF) und für sie von 1945 bis 1951 und von 1956 bis 1958 Mitglied der Nationalversammlung. Seit 1962 leitete er das Centre d’Études et de Recherches Marxistes. Als Chefideologe seiner Partei entwickelte er reformkommunistische Vorstellungen. 1965 wurde er zum Kritiker der orthodoxen Parteilinie und trat später für einen Dialog mit dem Christentum ein. Der Einmarsch der Truppen des Warschauer Pakts in die ČSSR 1968 führte zum Bruch mit der KPF, die ihn 1970 ausschloss.

In den siebziger Jahren setzte sich Garaudy für einen Dialog der Weltreligionen unter sozialistischer Zukunftsperspektive ein. Mit Unterstützung aus linksalternativen und ökologischen Kreisen versuchte er 1981 für die französische Präsidentschaftswahl zu kandidieren, verlor jedoch gegen den späteren Präsidenten Mitterand. 1982 konvertierte Prof.Roger Gaurady zum Islam und schrieb zahlreiche Bücher zum Thema.

  
 
 
 
  
 
 
 
 
 
 
 
  
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
  
 
 
 
 
 
 

ÜBER DEN AUTOR

Ecevit Polat

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