Wie viele authentische Hadithe gibt es ?

von Ecevit Polat am 5. Juni 2011

Dies ist eine der schwierigsten und gleichzeitig auch existentiell wichtigsten Fragen der Hadith – Wissenschaft, allgemein ausgedrückt, auch der gesamten islamischen Geschichte.

Auf die Erläuterung der Hadithe muss sehr viel Zeit verwendet werden. Hunderte, Tausende von Hadithen sind erfunden worden. Wir wissen alle ,dass die erfundenen Hadithe zum Gegenstand sehr vieler Arbeiten islamischer Gelehrter geworden sind.

Die ersten Gläubigen, die ihre gesamte Existenz dem Islam widmeten, also die größten Weggefährten des Propheten Muhammed, haben nur eine ganz kleine Anzahl von Hadithen überliefert, wie z.B. der erste Kalif Abu Bakr, der insgesamt 142 Hadithen, in Sahih Buhari nur 22 überliefert sind.( vgl. Nawawi in Tezhib, gestorben 1277 )

In den sechs kanonischen Sammlungen (Kutub- i Sitte) sind vom zweiten Kalifen Umar nur etwa 50 Hadithe überliefert.

Ali ibn Abi Talib  war der erste männliche Konvertit zum Islam und ein treuer Weggefährte des Propheten. Seine Überlieferungen umfassen kaum etwa 50 Hadithe an der Zahl. In Buhari und Muslim sind jeweils nur 20 tradierten Berichte aufgezeichnet..

Von Uthman ibn Affan sind 9 Überlieferungen in Buhari und 5 in Muslim verzeichnet. ( siehe hierzu: „ Der Islam im Koran“ Yasar Nuri Öztürk, S.98-99 aber auch: „Kein Gott außer Gott“ Reza Aslan, S. 184-185)

Diejenigen, deren Überlieferungen in die Tausende gehen, ( z.B. Abu Huraira gestorben 677, der nur eineinhalb Jahre mit dem Propheten zusammen war) sind solche Personen, die erst sehr viel später dem Islam beigetreten sind.

Die ersten Hadithe, die schriftlich zusammen getragen wurden, geschah in der Herrschaftsdynastie der Ommayaden ( türk. Emeviler ) auf Befehl von Omar b. Abdulaziz (gestorben 717 ). Siehe hierzu: Mahmud Ebu Reyye, Seyhul Madira Ebu Huraira, Kairo 1969.

Muhammad Abduh schrieb folgendes:

Die meisten Hadithe, die frei erfunden und massenhaft in die Welt zerstreut  wurden, gehen zweifellos in die Zeit der Ommayaden zurück“.( Muhammad Abduh, tarihul´l Üstaz Band 2, S.347-349, 516, 559 ).

Tatsächlich ist es den meisten Hanafiten ( eine der vier Rechtsschulen der Sunniten ) noch nicht einmal bekannt, daß Bukhari dessen Hadtih Sammelwerk nach dem Koran die wichtigste Quelle für  Sunniten gilt, nicht einen einzigen Hadith von Ebu Hanife (Imami Azam) überliefert hat, und im Gegenteil diesen großen Rechtsgelehrten bei Gelegenheit  immer wieder diffamierte. Hier ein Zitat aus dem Werk von Bukhari ,, Ebu Hanife ist nicht vertrauenswürdig, sondern einer der in die irre gegangen ist. Er ( Ebu Hanife ) wurde zweimal aufgefordert vom Kufr ( Sammelbegriff für Unglaube) Distanz zu nehmen„. ( vgl. Bukhari, et- Tarihu´l Kebir, 8/81, et-Tarihu´l Evsat, 2/93, Kitabu´z-Zuafa, S. 132).

Damit unterstellte ihm Bukhari, daß er letzten endes als Nichtgläubiger verstorben sei.

Weshalb Bukhari, der vor allem den Ummayaden wohlgesonnen war,  Ebu Hanife so sehr verabscheute, lag nach seriöser historischer Forschung daran, daß Imami Azam sowohl weltanschaulich als auch poltisch mit den Anhängern der Familie des Propheten ( Ehlibeyt ) alles unternahm, um die Despotie, die die Ummayaden angerichtet hatten  zu stürzen. ( vgl. Muhammad Ebu Zehra, “ Ebu Hanife“ )
 
 
 
 
 

Sehr empfehlenswert zum Thema sind die Bücher  von Yasar Nuri Öztürk “ Der Islam im Koran “ 500 Seiten, 43. Auflage aber auch „Imami Azam Ebu Hanife, Arapciliga karsi Akilciligin öncüsü“ 497 Seiten, 18. Auflage.

 

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