Islam und Werte ?

von Ecevit Polat am 22. Januar 2012

Im Jahre 2007 veröffentlichte die Buchautorin Hiltrud Schröter ihr Buch „Das Gesetz Allahs“, in dem sie unermüdlich um den Nachweis suchte, dass der Islam ein Widerspruch zum Grundgesetz sei. Schon in der Einleitung wurde hysterisch  formuliert: „Ich schreibe dieses Buch aus Verantwortung für unsere Kinder und Enkelkinder, denen ich die Grundwerte unserer Kultur, zu denen die Gleichberechtigung von Frau und Mann und das generelle Tötungsverbot gehören…“ (Das Gesetz Allahs, S. 15)

Für Schröter stellt die Religion des Islam eine Diskrepanz zu der freiheitlichen demokratischen Grundordnung dar. Dieser Vorwurf wird von ihr mit Vergleichen aus dem Koran und dem Grundgesetz auf ca. 250 Seiten gegenübergestellt und kommentiert.

Drei Jahre später widersprach ihr der Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble, in einem Interview der Süddeutschen Zeitung mit den folgenden Zitaten:

Und deshalb glaube ich, dass auch die Muslime zur Stabilität dieser Werteordnung beitragen können. Wir müssen aber ein Verständnis dafür wecken, dass auch der Islam eine wichtige Grundlage unserer Werteordnung sein kann.“ (Interview in der Süddeutschen Zeitung vom 12.05.2010, Nr. 108, S. 13)

Für Schäuble ist es ersichtlich, dass universelle Werte für die Weltreligion des Islam von zentraler Bedeutung sind.

Wir möchten nun einige Koranverse exemplarisch skizzieren, welche mit den Grundwerten der Menschheit harmonieren.

Und dient Gott und setzt Ihm nichts zur Seite; und seid gut zu den Eltern und zu den Verwandten, den Waisen, den Armen, dem Nachbar, sei er verwandt oder aus der Fremde, dem Begleiter an der Seite, dem Sohn des Weges und zu dem, den ihr von Rechts wegen besitzt. Seht, Gott liebt nicht den Hochmutigen, den Prahler, die da geizig sind und den Leuten gebieten, geizig zu sein, und verbergen, was Gott ihnen in Seiner Huld gegeben hat.“ (Koran 4:36-37)

Koranische Grundlage des religiösen Pluralismus ist der 48. Vers der 5. Sure:

„Für jeden von euch haben Wir Richtlinien und eine Laufbahn bestimmt. Und wenn Gott gewollt hatte, hätte Er euch zu einer einzigen Gemeinde gemacht. Er wollte euch aber in alledem, was Er euch gegeben hat, auf die Probe stellen. Darum sollt ihr um die guten Dinge wetteifern. Zu Gott werdet ihr allesamt zurückkehren; und dann wird Er euch das kundtun, worüber ihr uneins wart.“

Andersgläubige haben hiernach das Recht, ihre Religion und Weltanschauung öffentlich auszuüben. Von Anfang an war der religiöse Pluralismus im Koran angelegt.

Sag: Kommt, lasst mich euch übermitteln, was Gott euch (wirklich) verboten hat: Schreibt nicht auf irgendeine Weise etwas anderem neben Ihm Göttlichkeit zu; (und vergeht euch nicht gegen, sondern vielmehr) tut Gutes euren Eltern; und tötet nicht eure Kinder aus Furcht vor Armut- (denn) Wir sind es, die euch wie ihnen Versorgung bereiten werden; und begeht keine schmachvolle Taten, seien sie offen oder geheim; und nehmt nicht irgendeines Menschen Leben- (das Leben,) das Gott als heilig erklärt hat- anders als in (der Ausübung von) Gerechtigkeit: dies hat Er euch aufgetragen, auf das ihr euren Verstand gebrauchen möget… und (in all eurem Handeln) gebt volles Maß und Gewicht in Gerechtigkeit: (doch) Wir belasten keinen Menschen mit mehr, als er gut zu tragen vermag; und wenn ihr eine Meinung äußert, seid gerecht, selbst wenn es (gegen) einen nahen Verwandten wäre.“ (Koran Sure 6 Vers 151-152. Übersetzung nach Muhammad Asad)

Zum Koranvers 2:256: „Kein Zwang im Glauben!“ fügt der deutsche Muslim und Herausgeber einer Koranübersetzung Murad Wilfried Hofmann folgendes hinzu: „Dies ist sowohl das Verbot, in Glaubensfragen Gewalt anzuwenden, wie die Feststellung, dass solcher Zwang ein untauglicher Versuch wäre.“ (Der Koran, S. 28)

Ein wichtiger Grundsatz und Prinzip der islamischen Botschaft ist der Koranvers:

Und helft einander in Rechtschaenheit und Frömmigkeit; doch helft einander nicht in Sünde und Übertretung.“(5:2)

Der Bestseller Autor Jürgen Todenhöfer schreibt dazu: Der Islam ist eine Religion der Liebe und Barmherzigkeit. An keiner Stelle rechtfertigt der Koran die Tötung unschuldiger Zivilisten. Im Gegenteil. Einer seiner zentralen Sätze lautet: „Wer einen Menschen rettet, für den soll es sein, als habe er die ganze Welt gerettet.“ Das ist die Grundeinstellung der Mehrheit der Muslime. (Koran, Sure 5, Vers 32. Feindbild Islam, S. 38)

Empfehlenswerte Literatur zum Thema:

1. Feindbild Islam, von Jürgen Todenhöfer.

2. Grüss Gott Herr Imam- Eine Religion ist angekommen, von Benjamin Idriz.

3. Den Islam verstehen, von Dr. Murad Wilfried Hofmann.

4. Radikale Reform, von Prof. Tariq Ramadan.

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