Warum gibt es Leid und Übel?

von Ecevit Polat am 3. April 2012

Eines der am häufigsten wiederholten Argumente der Atheisten, die die Existenz Gottes anzweifeln, ist, dass so ein gütiger Gott viel Leid und Elend im Leben zulässt. Wie kann ein barmherziger und gerechter Gott die Menschen und ihre Umwelt mit Leid und Katastrophen versehen? Im Jahre 2007 erschien die deutsche Ausgabe des Buches „Der Gottes Wahn“ von dem Evolutionsbiologen Richard Dawkins. Sein Werk war binnen weniger Tagen ein Bestseller und erreichte innerhalb weniger Wochen zweistellige Auflagen. Dawkins fasst seine Überlegung über Gott und  der Monotheistischen Religionen  wie folgt vulgär zusammen: „Er ist eifersüchtig und auch noch stolz darauf, ein kleinlicher, ungerechter, nachtragender Überwachungsfanatiker; ein rachsüchtiger, blutrünstiger ethnischer Säuberer…“ (Der Gottes Wahn, S. 45).

Der Mathematik Professor und Muslim Jeffrey Lang, durchlebte etwa mit 18 Jahren eine schwierige Sinnkrise durch. Bevor er Jahre später zum Islam konvertierte, fragte er sich  oft als Atheist : „Wenn es einen Gott gibt, und er ist barmherzig und liebend, warum leiden dann so viele auf dieser Erde? Warum nimmt er uns nicht in den Himmel? Warum all diese Menschen zum Leiden schaffen? (Islam, was steckt dahinter, S. 55).

Selbst ein großer Prophet wie Moses (a) fragt im Alten Testament verzweifelt: „Herr, warum tust du so übel an diesem Volk? (2. Mose 5, 22).

Wie ist das Leid-Verständnis nach dem Koran zu verstehen? Warum wird das Elend auf dieser Welt von Gott geduldet? Ist Gott gar ein ungerechter, wie Dawkins oben behauptet und anführt?

Nach islamischer Lehre ist die Welt für den Menschen der Ort seiner Bewährung. Sämtliche Koranstellen weisen daraufhin wie etwa in:

Meinen die Menschen, sie würden in Ruhe gelassen werden; nur weil sie sagen: Wir glauben, und sie würden nicht auf die Probe gestellt werden? Wir stellten doch auch die auf die Probe, die vor ihnen waren“ (29:2-3).“

Der den Tod geschaffen hat und das Leben, dass Er euch prüfe, wer von euch der Beste ist im Handeln“ (67:2).

Jedes Lebewesen soll den Tod kosten, und Wir stellen euch auf die Probe mit Bösem und Gutem, als eine Prüfung..“ (21:35).

Andere Verse wie z. B. Sure 7:168 vermitteln nachdrücklich, dass die Prüfung (mit Bösem und Gutem) auch eine bestimmte Funktion haben soll. Vor allem dienen sie der erzieherischen Zwecken: „Und Wir schlugen sie mit Gutem und mit Bösem, auf das sie vielleicht umkehrten“ (siehe hierzu: Navid Kermani, Der Schrecken Gottes, S. 24-31).

Mit dem Koranvers „auf das sie vielleicht umkehrten“  sollen die Menschen wieder an das Wesentliche denken, an den Sinn des Lebens schlechthin. „Und Ich (Gott) habe die Jinn und die Menschen nur (dazu) erschaffen, damit sie Mir dienen“ (51:56).

In der Heiligen Schrift wird auch beteuert, dass es unzählige Beweise für die Existenz Gottes vorzufinden sei:

Und an wie vielen Zeichen in den Himmeln und auf Erden gehen sie achtlos vorüber?“ (12:105).

Für den Philosophen Professur Richard Swinburne, stellt das Leiden auf Erden eine positive Kehrseite des Lebens dar. Ja, es sei eine unabdingbare Notwendigkeit im Leben. Ohne das Negative auf der Welt erfahren zu haben, wird es nicht möglich sein, das Positive in ihm zu schätzen. Nur durch die Induktion (Methode, aus Einzelfällen auf das Allgemeine zu schließen) kann das Leid und der Übel auf ein Minimum reduziert werden. So schrieb er bereits 1979 folgendes: „Die Existenz vieler natürlicher Übel der beschriebenen Art ist logisch notwendig für die Existenz einer Welt des schon charakterisierten Typs. Denn diese Übel sind notwendig, wenn handelnde Wesen wissen sollen, wie sie Übel herbeiführen oder auch verhindern können; dass aber müssen sie wissen, wenn es wirklich von ihrer Entscheidung abhängen soll, ob sie Übel herbeiführen oder aber Gutes tun wollen. Wie sollen handelnde Wesen ihr Wissen erwerben, woher insbesondere sollen sie wissen, welche ihre Handlungen für sie selbst oder für andere wohltuend und welche verderblich sein werden?“

Gott habe Grund, natürliche Übel zuzulassen, um den Menschen die Möglichkeit zu geben, selbst herauszufinden, wie sie Übel verursachen aber auch vermeiden können, nur jene Übel erklärt, die durch vorhergehende Ursachen physisch notwendig oder wahrscheinlich bewirkt werden.. ..In einer geordneten Welt gibt es aber solche zufälligen Übel nicht. Sämtliche Übel werden durch Vorgänge bewirkt, aus denen sich erschließen lässt, auf welche Weise solche Übel herbeigeführt oder vermieden werden können“ (Die Existenz Gottes, S. 275-308).

Der Koran weist unumständlich darauf hin, dass der Mensch selbst derjenige ist, der sich und seiner Umwelt Übel und Leid zufügt:

Siehe, Gott fügt den Menschen kein Unrecht zu, vielmehr fügen die Menschen sich selber Unrecht zu“ (10:44).

Wer das Rechte tut, der tut es zu seinem Vorteil. Und wer Böses tut, tut es zu seinem Schaden. Dein Herr tut Seinem Dienern kein Unrecht“ (41:46).

Es bleibt dem gläubigen Menschen nur eines, nämlich „wahrhaft gerecht zu sein, in Armut und Krankheit und Kriegszeit Stand zu halten. Denn sie sind es, die sich redlich bewährt haben und gottesfürchtig sind (vgl. 2:178).

 

 

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