Koranverteilung der Salafisten „Projekt Lies“

von Ecevit Polat am 21. April 2012

 

Seit Anfang 2012 hat sich die Organisation „Die wahre Religion“ zum Ziel gesetzt, 25 Millionen Koran-Exemplare in Deutschland gratis zu verteilen (siehe Focus-Online, 11.04.2012). Das Anliegen des Vereins ist nach eigenen Angaben, dass verzerrte Islambild dadurch zu korrigieren und öffentlich für die Religion zu werben. Für die Ausgabe wurde die Übersetzung  „Der Edle Quran, die ungefähre Bedeutung in der deutschen Sprache“ von Muhammad ibn Ahmad ibn Rassoul verwendet.

Ist die Koran-Übersetzung von Rassoul wirklich konstruktiv dafür geeignet, vorurteile abzubauen? Kritiker dieser Koranausgabe kommen sogar zu dem Entschluss, dass die kostenlose Verteilung im Gegenteil, eine fatale Auswirkung erzielen kann.

Anhand einiger Beispiele soll nun demonstriert werden, weshalb die verschenkten Koranausgaben der Salafisten, grundsätzlich nicht sehr hilfreich sein können.

1. In Sure 2 Vers 25 heißt es in der Übersetzung von Rassoul: „Und Ihnen gehören darin Gattinnen vollkommener Reinheit..“ was impliziert, dass nur die Männer im Paradies Idealpartner erhalten.

Der gleiche Vers lautet in der überarbeiteten Übersetzung von Murad Wilfried Hofmann folgendermaßen: „Und darin werden sie reine Partner haben..“ und erläutert mit einer Fußnote: „Das arabische Wort dafür (zwaj, pl. azwaj) ist nicht geschlechtsgebunden. Danach werden Frauen wie Männer im Paradies Partner des anderen Geschlechts haben“ (Der Koran, Verlag Diederichs, S. 30).

Und ihnen gehören dort Ehepartner, reine..“ (Übersetzung nach Ahmad Milad Karimi, Verlag Herder, S. 2).

Der Koranexeget Elmalili Hamdi Yazir (gest. 1942) schreibt dazu: „Im Paradies erhalten sowohl Männer, als auch Frauen ihre Partner“ (Hak Dini, Kuran Dili, Bd.1, S. 238).

2. Ein noch größeres Problem in der Übersetzung von Rassoul ist, dass es vor allem keine Kommentierung enthält. Hierzu auch einige Beispiele aus Rassouls Koran-Übersetzung 2:191: „Und tötet sie, wo immer ihr auf sie stoßt, und vertreibt sie, von wo sie euch vertrieben haben..“ 

Um diesen Koranvers zu verstehen, ist es unabdingbar, sich mit der historischen Begebenheiten vertraut zu machen. Wann und warum wurde dieser Vers offenbart, wird von Rassoul nicht erläutert. So kann der Nicht-Muslim, der zum ersten Mal den Koran liest, dadurch irritiert werden und als Aufruf verstehen, alle Nicht-Muslime zu jeder Zeit zu bekämpfen.

In anderen Übersetzungen werden die Erläuterungen in Klammern hinzugefügt, um vermeidbare Missverständnisse präventiv vorzubeugen, wie in der Übersetzung von Moustafa Maher zu 2:191: „Die Feinde (die euch als erste angreifen) sollt ihr überall dort schlagen, wo ihr sie findet und sie aus den Stätten vertreiben, aus denen sie euch vertrieben haben„(Der Quran, S. 21).

So wird ersichtlich, dass der maßgebliche Koranvers sich auf das Verhalten in einem bereits in Gang befindlichen Krieg bezieht, d. h. nicht auf das Recht zum Krieg, sondern auf das Recht, sich im Kriege zu verteidigen.

Muhammad Asad kommentiert: „Dieser und die folgenden Verse legen unzweideutig fest, dass nur Selbstverteidigung (im weitesten Sinn des Wortes) den Krieg für Muslime erlaubt sein lässt. Die meisten Kommentatoren stimmen darin überein, dass der Ausdruck la ta´tadu in diesem Zusammenhang bedeutet „begeht keine Aggression“; während mit „al-mu´tadin“ jene, die Aggression begehen gemeint sind. Erlaubt (zu kämpfen) ist jenen gegeben, gegen die unrechtmäßig Krieg geführt wird“ so der Koran in 22:39. Das diese frühe, grundlegende Prinzip der Selbstverteidigung als die einzig mögliche Rechtfertigung für Krieg im Quran durchweg aufrechterhalten wurde, zeigt sich an 60:8 wie auch an dem abschließenden Satz von 4:91, die beide zu einem späteren Zeitabschnitt als der obige Vers gehören“. (Die Botschaft des Koran, S. 74).

3. Ein weiteres Beispiel. In Sure 4 Vers 34 heißt es bei Rassoul in der Übersetzung: „Ermahnt sie, meidet sie im Ehebett und schlagt sie!“. Jene, die zum ersten Mal diese Stelle lesen, könnten davon ausgehen, dass der Koran zum Züchtigen der Frauen befehle.

In der Übersetzung von Moustafa Maher lässt sich der Vers so lesen: „Die Frauen, bei denen ihr fürchtet, sie könnten im Umgang unerträglich werden, müsst ihr beraten. Wenn das nichts nützt, dürft ihr euch von ihren Schlafstätten fernhalten; wenn dass nichts nützt, dürft ihr sie (leicht) strafen (ohne sie zu erniedrigen)“.

Das kein Mann das Recht hat, seine Frau im wörtlichen Sinne zu schlagen, wird von den Aussagen und Empfehlungen des Propheten Muhammad deutlich unterstrichen: Die Frauen sind die Zwillingshälften der Männer. Gott erlegt euch auf, eure Frauen gut zu behandeln, denn sie sind eure Mütter, Töchter und Tanten. Die ihre Frauen schlagen, handeln nicht gut. Die Rechte der Frau sind heilig. Sorge dafür, dass ihr die Rechte gegeben werden, die ihnen zustehen. (siehe hierzu die Botschaft des Koran “Muhammad Asad“, S.158 Fußnote 45 aber auch Salim Abdullah in “Islam”, S.126.)

Daher empfiehlt es sich, den Koran mit einem kompetenten Koran–Kommentar zu lesen. Im deutschsprachigen Raum, sind vier Koran–Übersetzungen besonders hervorhebend:

1. Der Koran, überarbeitet und leicht kommentiert von Dr. Murad Wilfried Hofmann. Bei Verlag Diederichs erschienen, 8.Auflage 2011.

2. Die Botschaft des Koran, von Muhammad Asad  -Verlag Patmos, 2. Auflage 2011.

3. Der Koran und seine Übersetzung, von Ali Ünal –Verlag Fontaene 2009.

4. Der Quran, Moustafa Maher- Ägypten/Kairo

 

 

 

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