Muhammad (s) auch ein Prophet für Christen?

von Ecevit Polat am 17. März 2013

 

 

Als im zweiten Vatikanischen Konzil (1965) in der Erklärung über die „nichtchristlichen Religionen“ erstmals auch positiv Bezug auf die Muslime genommen wurde, besonders mit dem folgenden Satz: „auch die Muslime mit Hochachtung betrachtet, die den alleinigen Gott anbeten“, war dies zweifelsohne ein erheblicher Fortschritt der Katholischen Kirche. Damit wurde der Grundstein für den institutionellen Dialog mit den Muslimen gelegt.

Für viele Muslime ist der Abschluss des II Vatikanums jedoch nicht ausreichend formuliert worden. Der Grund ist, dass weder in der Enzyklika der Name von Muhammad (s), noch der Koran namentlich erwähnt werden. Wie empfindlich Muslime auch heute darauf reagieren, kann aus den folgenden Zeilen entnommen werden: „Zwar hatte die katholische Kirche 1965 zum Abschluss des II. Vatikanischen Konzils endlich ihren Anspruch aufgegeben, alleinseligmachend zu sein (extra ecclesiam nullasalus) und den Islam als einen Weg zum Heil anerkannt. Trotz der Bemühungen… hat Rom den logischen nächsten SchrittMuhammad als Führer auf diesem Weg (und damit den Koran als eine authentische göttliche Offenbarung) anzuerkennen- jedoch noch nicht getan(Reise nach Mekka, S. 187, Murad Wilfried Hofmann).

Kann denn ein Christ von seinem Glauben her überhaupt Muhammad (s) als einen Propheten würdigen und dazu noch den Koran als eine göttliche Offenbarung betrachten?

Eine nicht zu unterschätzende Anzahl von christlichen Theologen haben sich intensiv  mit dieser Frage auseinandergesetzt, so z.B. der Professor für Evangelische Theologie Paul Schwarzenau: „Der tiefste gefühlsmäßige und zugleich theologische Einwand gegen den Koran aber dürfte für den Christen in der Frage bestehen: Wie kann nach Christus eine weitere Offenbarung Gottes überhaupt möglich sein. Eine Offenbarung, die die Aussage der Bibel korrigieren, ergänzen und vollenden will? Ist Christus nicht das Ende aller Religionen, ja in einem bestimmten Sinn das Ende der Zeit?“ (Korankunde für Christen, S. 7, Paul Schwarzenau).

Der Jesuitenpater Professor Christian Troll, verfasste im Jahre 2007 einen Artikel mit der Überschrift „Muhammad-Prophet auch für die Christen?“ und machte dabei deutlich, dass kein gläubiger Christ an die Prophetie Muhammads (s) glauben könne. So schreibt Troll in seinem Aufsatz: „Der Jesus des islamischen Glaubens identifiziert sich mit der Botschaft des Korans und lebt nach koranischer Vorschrift. Diesen Jesus anzuerkennen kostet den Muslim sozusagen nichts. Akzeptiert dagegen ein Christ ernstlich Muhammads Anspruch, der wahre und letzte Prophet zu sein, dann wendet er sich gegen das Zeugnis der wichtigsten Glaubensdokumente der Christenheit“ (Stimmen-der-Zeit, S. 291, 5/2007).

Troll kommt deshalb zu der folgenden Schlussfolgerung: „Wäre es deshalb vorzuziehen, von Muhammad als einem Propheten im Sinn der Propheten des Alten Bundes zu sprechen? Es ist kaum anzunehmen, dass die Muslime diese Option zufrieden stellen würde. Wenn ein Christ sagte, Muhammad ist ein Prophet, ohne Muslim zu werden, dann kennt er in ihren Augen entweder seine eigene (christliche) Religion nicht, oder er ist ein Heuchler“ (Christian Troll, Stimmen-der-Zeit, S. 294, 5/2007).

Professor Hans Küng widerspricht Christian Troll vehement und plädiert in aller Öffentlichkeit, dass die Zeit für den Christen gekommen ist, Muhammad (s) endlich als einen würdigen Propheten ohne Scheu anzuerkennen. Für Küng besitzt Muhammad (s) alle qualitativen Eigenschaften eines Propheten in der Folge des Alten und Neuen Testaments, die nicht einfach von der Hand abzuweisen sind. Küng geht noch einen Schritt weiter und unterstreicht dabei, dass der Koran als ein von Gott und nicht von Muhammad (s) offenbartes Buch sei: „Können wir ausschließen, dass einzelnen Menschen hierbei auch besondere Erkenntnis geschenkt, eine besondere Aufgabe übertragen, ein besonderes Charisma zuteil wurde? Und könnte dies aufgrund all des Gesagten nicht auch gerade für Muhammad, den Propheten aus dem heidnischen Arabien, der Fall sein? „Extra Ecclesiam gratia“, außerhalb der Kirche Gnade! Wie immer: wenn wir schon Muhammad als nachchristlichen Propheten anerkennen, dann werden wir konsequenterweise auch zugeben müssen, worauf es den Muslimen am allermeisten ankommt: dass Muhammad seine Botschaft nicht einfach aus sich selber hat, dass seine Botschaft nicht einfach Muhammads Wort, sondern Gottes Wort ist“ (Christentum und Weltreligionen, S. 56, Hans Küng).

Die Aufforderung von Hans Küng an die Prophetie Muhammads zu glauben, wurde bereits  im Anfang des 9. Jahrhunderts vom ostsyrischen Katholikos Timotheos I. (gest. 823) durch grundlegende Prinzipen und Perspektiven zugrunde gelegt. Auch dieser forderte die Christen von damals dazu auf, Muhammad (s) als einen Propheten im Sinne des Alten Testaments anzuerkennen. Muhammad (s) habe wie Abraham das Volk Israel, sein Volk die Araber von der Verehrung der Götzen des Polytheismus zum Glauben an den einen Gott geführt (siehe hierzu: Jesus und Muhammad, S. 65, Wolfgang Klausnitzer).

Ob sich der Glaube an die Prophetie Muhammads (s) in absehbarer Zeit, in den organisierten Kirchen durchsetzen wird, bleibt weiterhin fraglich. Die hauptsächliche Sorge der Kirchen würde vor allem sein, den eigenen Glaubensanspruch (als die letzte und vollkommenste Religion) erheblich relativieren zu müssen. Verständlicherweise gibt es unter den Großkirchen (Protestantismus, Katholizismus und der Orthodoxen) unterschiedliche Stellungnahmen und Positionen zu anderen Glaubensrichtungen. Das vermutlich größte Hindernis auf die Anerkennung Muhammads (s) liegt in den historisch-christlichen Beschreibungen über den Propheten des Islam. Der christlich orthodoxe Theologe Johannes von Damaskus (gest. 750) beschrieb Muhammad (s) in seinem Werk „Quelle der Erkenntnis“ (griech. Pege gnoseos), als einen Irren und als Vorläufer des Antichristen: „dem bis jetzt herrschenden Glauben der Ismaeliten, der das Volk in die Irre leitet und als Vorläufer des Antichristen anzusehen ist“. Erstaunlicherweise benutzt Johannes von Damaskus um die Muslime zu beschreiben, den Begriff „Ismaeliten“ und nicht die übliche Selbstbeschreibung für die Anhänger des Islam als die „Muslime: „Sprich: „O Volk der Schrift (gemeint sind hier die Christen), kommt herbei zu einem gleichen Wort zwischen uns und euch, dass wir nämlich Gott allein dienen und nichts neben Ihn stellen und dass nicht die einen von uns die anderen zu Herren nehmen außer Gott.“ Und wenn sie sich abwenden, so sprecht: „Bezeugt, dass wir (Ihm) ergeben (arabisch: muslimun) sind“ (Koran 3:64).

Wie viele seiner Zeitgenossen betrachtete Johannes den Islam als keine eigenständige Religion, sondern als eine häretisch christliche Sekte: „Sie waren bis zur Zeit des (byzantinischen Kaisers) Herakleios (reg. 610-641) Götzendiener. Da aber trat unter ihnen ein falscher Prophet auf „Mamed“ genannt (gemeint ist Muhammad), der eine eigene Irrlehre ins Leben rief, nachdem er flüchtig Kenntnis vom Alten und Neuem Testament gewonnen hatte und zugleich offenbar mit einem arianischen Mönch zusammengetroffen war… (zitiert aus: Buch der Häresien).

Wie prägend und wirkungsvoll die Zeilen von Johannes auch heute noch relevant sind, steht bei näherer Betrachtung der christlichen Quellen außer Frage. Tatsächlich leidet das Ansehen des Propheten unter dem Prädikat „Antichristen“ seit Jahrhunderten bis in unsere Tage hinein. Selbst Martin Luther (gest. 1546) verwendete die denunzierenden Eigenschaften eines Antichristen besonders auf die aufstrebenden Türken, die als Vertreter des muslimischen Glaubens schlechthin galten: „Der Türke ist Gottes Rute und des Teufels Diener, das hat keinen Zweifel(siehe hierzu: „Die Türkengefahr als Strafe Gottes“- Passage aus der Lutherschrift.Siehe auch: Islamfeindlichkeit in Deutschland, S. 38, Achim Bühl).

Hans Zirker Professor für katholische Theologie, beschäftigte sich ernsthaft mit der Frage, ob es für einen gläubigen Christen denn überhaupt möglich sei, an den Koran als Gottes abschließende Offenbarung glauben zu können. Der Glaube an die authentische Prophetenschaft Muhammads (s) würde den eigenen religiösen Wahrheitsanspruch auf dem Prüfstand stellen. Deshalb könne diese Frage nur individuell beantwortet werden. Eine allgemein kirchliche Stellungnahme wird es auch in Zukunft nicht geben können. Zirker schreibt dazu: Eine allgemein gültige christliche Bewertung des Koran ist aber auch nicht zu erwarten. Er gehört nicht zu den fundamentalen Zeugnissen des christlichen Glaubens. Es ist nicht absehbar, wie die Kirchen mit der ihnen zukommenden Autorität über die Bedeutung dieses Buchs befinden sollten. Dazu fehlt ihnen die Kompetenz (Der Koran-Zugänge und Lesarten, S. 185, Hans Zirker).

 

 

 

 

 

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