Roger Garaudy – Der umstrittene Philosoph des 20. Jahrhunderts

von Ecevit Polat am 14. Juni 2018

 

 

 

 

 

 

 

 

I. Einleitung

Roger Garaudy ist eine der schillerndsten Gestalten unter Frankreichs Intellektuellen“, schrieb 1996 das Nachrichtenmagazin Der Spiegel.[1] In der Tat ist das Leben von Prof. Dr. Dr. Roger Garaudy als Politiker, Philosoph und Denker sehr außergewöhnlich gewesen. In der noch bedeutsamsten Zeit des Kommunismus galt er unbestritten als Wortführer des Eurokommunismus. Als führender marxistischer Theoretiker Frankreichs, war er einstig unter anderem Diskussionspartner von Jean-Paul Sartre, Louis Aragon, Ernst Fischer und vielen mehr gewesen. Er ist zudem einer der Hauptinitiatoren des bahnbrechenden Dialogs zwischen Marxisten und Christen[2], ja sogar der Begründer eines Dialogs der Zivilisationen[3] gewesen. Wegen seiner öffentlichen Kritik zum Einmarsch der Truppen des Warschauer Paktes in die CSSR wurde Garaudy am 6. Februar 1970 im Saal des 19. Kongresses vor über 2.000 Genossen nach 37-jähriger Mitgliedschaft aus der KPF (Kommunistische Partei Frankreichs) ausgeschlossen[4], worunter er über 14 Jahre lang Abgeordneter und anschließend von 1956 bis 1958 Vizepräsident der Nationalversammlung war. Den Abend nach dem Verlassen des Saals beschrieb der angeschlagene Garaudy mit den Sätzen:

„Ich fahre los, ohne Ziel, und zum ersten Mal in meinem Leben denke ich an Selbstmord. Was diese Partei, für die ich die besten Jahre meines Lebens gegeben habe, aus diesen 2.000 Menschen gemacht hat, lässt mich verzweifeln“[5].

Dies war jedoch erst der Anfang eines neuen Abschnitts im Leben des Idealisten Garaudy. Unmittelbar nach seiner Präsidentschaftskandidatur von 1981, die von der französischen Alternativen  und Grünen[6] unterstützt wurde, schockte der Philosophie-Professor die Öffentlichkeit mit seiner Konversion zum Islam, die er in einem Leitartikel in Le Monde über die Beweggründe seiner Hinwendung zum Islam veröffentlichte[7]. Der evangelische Theologe Prof. Dr. Reinhard Kirste erinnert sich heute noch gut an die damalige Sensation:

„Als der ehemalige Kommunist, einer der führenden Intellektuellen Frankreichs, vom Christentum zum Islam konvertierte, hatte dies die Gemüter erheblich bewegt“[8].

Dr. Wolfgang Geiger, der unter anderem über Garaudy promoviert hatte[9] bemerkt lakonisch dazu an:

„In einer anti-islamisch eingestimmten westlichen Öffentlichkeit hat er sich damit ungewollt, aber vorhersehbar isoliert“[10].

In der Tat war dies einer der Hauptgründe dafür gewesen, weshalb im Westen nicht wenige Linke (ganz zu schweigen von den Rechten) von nun an alles daran setzten ihn intellektuell zu diskreditieren. Befremdlich fragte man sich, wie ein so international geachteter Philosoph und Bestsellerautor wie Garaudy, sich zu einer solchen „rückständigen Religion“ wenden konnte und das noch auf dem Höhepunkt der iranischen Revolution von 1979? Hinzu kam eine gegen ihn besonders durch die Veröffentlichung des Buches Die Gründungsmythen der israelischen Politik gerichtete Verleumdungskampagne, die ihn ein für alle Mal aus dem kollektiven Gedächtnis löschen sollte. Wegen seiner Kritik am politischen Zionismus schrieb Garaudy bereits zuvor:

„[…] nach dem Erscheinen meines Buches „Der Fall Israel[11]“  wurde ich von Beschimpfungen und Morddrohungen wegen meiner theologischen Kritik des Zionismus heimgesucht […][12].

„[…] nach dem Erscheinen von „Der Fall Israel“ taten sich die Medien zusammen, um mich in einem Friedhof des Schweigens einzuschließen“[13].

Als neuer Muslim wurde Garaudy neben Muhammad Asad[14] und Dr. Murad Wilfried Hofmann[15] zu den wichtigsten intellektuellen Wortführern in Europa[16]. So verfasste Garaudy noch kurz vor seiner Konversion zwei aufsehen erregende Bücher mit dem Titel Verheißung Islam[17] und Der Islam ist unsere Zukunft[18], die international ein großes Echo erfuhren. Seine unermüdliche Intention war nach wie vor einen Kulturdialog jenseits aller ethnischer und religiöser Unterschiede voranzubringen, wovon unbestreitbar die Zukunft eines jeden Menschen betroffen sei:

Der Dialog der Zivilisationen ist eine dringende und unbestreitbare Notwendigkeit geworden. Eine Frage des Überlebens. Die Alarmstufe ist erreicht, wenn nicht gar überschritten“[19].

II. Ein enttäuschter Philosophie-Professor

Garaudy wurde 1913 in eine atheistische Familie hineingeboren und entsprechend auch so erzogen[20]. Dies hinderte ihn schließlich nicht daran, sich schon sehr früh für die Transzendenz zu öffnen, womit zweifelsfrei ein Sinn im Leben ontologisch zusammenhängen würde:

„Nachdem ich in stürmischen Zeiten ins Mannesalter gekommen war, machte ich mir mit zwanzig Jahren zur großen Aufgabe meines Lebens, einen Sinn zu suchen“[21]

Denn genau zu dieser Zeit entdeckte Garaudy als Wegweiser seinen Helden Don Quichotte,[22] dessen Ideale der Wahrheit mehr als alles andere entsprechen sollte. Zusammengefasst bestand die Weltanschauung von Don Quichotte lediglich darin, für eine gerechte Sache von der man felsenfest überzeugt ist, bereit zu sein, das eigene Leben zu opfern[23]. Darauf folgend studierte Garaudy alle Werke von Karl Marx und beschloss entgegen seiner Familie, in die Kommunistische Partei einzutreten. Die Eltern waren politisch gesehen eher der konservativen Wählerschaft einzuordnen. Was aber Garaudy letzten Endes den Eintritt in die Kommunistische Partei bewog, wird von ihm folgendermaßen geschildert:

„Was mich 1933 an der Kommunistischen Partei faszinierte, zur Stunde, als die große Krise, die 1929 in Amerika begonnen hatte, wild über Europa hinwegbrandete, und im Augenblick der Machtübernahme durch Hitler, war, in ihr den zu der Zeit entschlossensten und am besten organisierten Gegner eines Kapitalismus zu finden, der uns ins Chaos führte, und eines Faschismus, der uns in den Terror führte. Diese Wahl habe ich nie bereut“[24]. 

Eine Philosophie die den Menschen nicht dazu befähige, sich persönlich für das Schicksal aller anderen Menschen verantwortlich zu fühlen, wurde von Garaudy aufs schärfste zurückgewiesen:

„Eine Philosophie, die nicht Trägerin dieser Auflagen ist, interessiert mich so wenig wie ein Kreuzworträtsel oder ein Kriminalroman. Die Auflage heißt, wachzurütteln, an die Lebenden zu appellieren. Das ist keine leichte Sache. Vor allem, wenn die Macht in den Händen der Inquisitoren liegt“[25]

In diesem Zusammenhang bestand für Garaudy als Philosophiestudent 1931 das große Glück, sich im Vortrag des katholischen Philosophen Maurice Blondel eingefunden zu haben. Eingestanden entdeckte er dadurch die lang ersehnte Philosophie seiner Träume:

„Eine Philosophie, die mir bis dahin keiner meiner Professoren offenbart hatte; nicht nur eine Denkweise, sondern eine Lebensweise. Eine Philosophie, die im Glauben nicht ihr Ende, sondern ihren Anfang fände. Transzendenz gegen Suffizienz […] „Ich hatte den Eindruck, dass die Worte Blondels, die mich den „unerbittlichen Ruf einer wunderbaren Stimme“ hören ließen, mich zum „Ritter des Glaubens“ geschlagen hatte. Von da an war ich für alles Mögliche offen, mit einem einzigen Vorbild für mein ganzes Leben; Don Quichotte, der für den das Ideal wahrer ist als die Wirklichkeit“[26].

Mit achtzehn Jahren hatte Garaudy die Erkenntnis gewinnen können, mit Maurice Blondel der Philosophie als einer wirklichen Welt begegnet zu sein:

„Denn die Philosophie ist ihren Ursprüngen noch sehr nahe, sie hat nur die auf die Fragen geantwortet, die sie seit ihrer Entstehung gestellt hat: Was ist der Sinn unseres Lebens und unseres Todes? Was ist die Quelle und was die Bestimmung unserer Freiheit?[27].

Danach gebe es einen grundlegenden Unterschied zu den Naturwissenschaften, dessen Resultat ungeahnte menschliche Katastrophen herbeiführen kann:

„Die Lage der Philosophie unterscheidet sich demnach radikal von der der Naturwissenschaften; die Naturwissenschaften sind kumulativ, sogar noch als Friedhof von Hypothesen und Theorien: praktisch geben sie uns immer mehr Macht, um die Natur zu beherrschen und einen Kampf gegen die Menschen zu führen. Selbst wenn diese Mittel Natur und Mensch zerstören, wachsen sie unbestreitbar weiter. Mit der Philosophie ist es nicht so, sie hat nicht die Aufgabe, uns Mittel in die Hand zu geben, sondern die Frage nach den Zielen, nach dem Sinn zu stellen“[28].

Dennoch gestand sich Garaudy Jahre später selbstkritisch ein, dass auch er als Opfer eines westlichen Bildungswesens nicht verschont blieb, obwohl er alle akademischen Grade –  davon  zwei Doktortitel[29] in unterschiedlichen Studiengängen sowie eine Habilitation – hinter sich gebracht hatte. Studiengänge, die nichts anderes mittels ihrer Lehre eine Eurozentrische Vermittlung jener Geistesgeschichte zu verkörpern schien[30]:

„Erst nach fünfzig Jahren und, offen gesagt, vor allem durch all das, was mir 1968 die Studentenbewegung offenbart hat, so konfus sie auch war und obgleich sie schließlich fehlschlug, habe ich mit Wut erkannt, welchem Betrug und welcher geistigen Verstümmelung ich zum Opfer gefallen war: ich hatte mein ganzes Studium der Philosophie hinter mich bringen, alle akademischen Grade – die „licence“, die „agrégation“, die Habilitation – in vollkommener Unwissenheit über die nicht-abendländische Philosophie erreichen können! Überall an den Universitäten des Abendlandes kann man „die“ Philosophie lehren, ohne etwas von den Philosophien Chinas, Indiens, des Islam oder irgendeines anderen Kontinents des Geistes zu kennen“[31].

Von da an beschloss er aufrichtig alles noch einmal von vorne zu beginnen, indem eine Gegen-Geschichte geschrieben werden sollte, was aber diesmal nicht von der Schreibfeder der Sieger hervorgehen sollte:

„Denn die Geschichte ist stets von den Siegern geschrieben worden. Und der Triumph der stärksten Armeen ist nicht notgedrungen der Sieg der höchsten Kulturen. Über diese Geschichte und diese Kulturen, die unterlegenen, habe ich nichts aus den Handbüchern oder Seminaren meiner akademischen Lehrer, noch aus den Arbeiten meiner Kollegen „Philosophen“ gelernt“[32].

Diese Erkenntnis markierte einen Wendepunkt im Leben Garaudys, sodass er von diesem Zeitpunkt aus die beachtenswerten Kulturen und Religionen des Hinduismus, Buddhismus, Konfuzianismus, Taoismus und des Islam sehr intensiv in Theorie und Praxis studieren konnte, wegweisend durch zahlreiche Aufenthalte und Reisen in direktem Kontakt zur Bevölkerung.

 

III. Der Dialog der Zivilisationen

Als führender marxistischer Theoretiker eines entdogmatisierten Marxismus, führte Garaudy als Vorsitzender des Partei-Instituts für marxistische Studien und Forschungen direkt im Anschluss des Zweiten Vatikanischen Konzils[33] den Dialog mit den Repräsentanten Theoretikern der katholischen Geistlichen.[34] Bereits 1963 wurde man zunehmend auf Garaudy aufmerksam, als er auf der Prager Kafka-Konferenz ausdrücklich für die von der seitherigen Ästhetik des sogenannten sozialistischen Realismus geächtete literarische und künstlerische Moderne eintrat[35]. Den Höhepunkt dieses Dialogs stellten unbestreitbar die 1965 in Salzburg und 1968 Marienbad geführten Diskussionen der Paulus-Gesellschaft dar. Die profiliertesten Gesprächspartner von Garaudy waren die Theologieprofessoren Johann B. Metz und Karl Rahner[36]. Eine der wesentlichsten Intentionen seit Anbeginn seines Aktivwerdens innerhalb der kommunistischen Welt war die transzendente Dimension in den vornehmlich materialistischen Sphären wieder ins Bewusstsein wachzurufen, obwohl dies aufgrund des dogmatisch-ideologischen Standpunkts vieler Kommunisten keine einfache Sache war, wie Garaudy hierzu auch bemerkt:

„Mit den Kommunisten habe ich nicht gerade die einfachste ausgesucht und ich bereue nicht, darin um die Anerkennung der transzendenten Dimension des Menschen gekämpft zu haben“[37].

Dennoch deutete Garaudy beiden Lagern sehr deutlich an, weshalb ein Austausch und die daraus resultierende Zusammenarbeit zwischen Christen und Kommunisten eine absolute Notwendigkeit wären. Das Überleben der Menschheit wäre davon maßgeblich betroffen sein:

„In dieser zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts ist es technisch möglich geworden, mit den gegenwärtig vorhandenen Reserven an Atom- und Wasserstoffbomben jedes zivilisierte Leben auf dieser Welt zu vernichten. Wir sind an jenem erregenden und tragischen Moment der Geschichte der Menschheit angelangt, da das vor einer Million von Jahren begonnene menschliche Epos scheitern kann. Wenn die Menschheit überlebt, wird sie nicht dank der bloßen Trägheitskraft der biologischen Evolution überleben, sondern dank einer menschlichen Wahl, die, wie Pater Teilhard de Chardin so wunderbar gesagt hat, „die gemeinsame Front all derer“ erfordert, „die glauben, dass das Universum noch immer fortschreitet und das wir damit betraut sind, es fortschreiten zu lassen“[38].

Zur Enttäuschung vieler Menschen markierte das Jahr 1968 unerwartet einen Bruch zum institutionellen Austausch zwischen Christen und Marxisten. Anstoß war das weltweit aufsehenerregende Ereignis, als die sowjetischen Panzer mit über einer halben Million Soldaten in die Tschechoslowakei einmarschierten, was unter dem Namen Prager Frühling in die Geschichtsbücher eingehen sollte. Jürgen Moltmann erinnert sich nur zu gut an das schreckliche Ereignis von Prag, da auch er als Theologe eine maßgebliche Rolle im Gedankenaustausch mit Garaudy und den Sozialisten eingenommen hatte:

Wir hatten, angeregt von der katholischen Paulusgesellschaft, ab 1966 christlich-marxistische Gespräche in Innsbruck, Salzburg und Marienbad in der Tschechoslowakei. Wir waren mit den neuen sozialistischen Philosophen, die nach Transzendenz suchten, so ein Herz und eine Seele geworden […] Dann kamen Ende August 1968 die russischen Panzer und walzten den Sozialismus mit menschlichen Angesicht in Prag nieder. Da war ich für Wochen gelähmt“[39].

Bedrückt und enttäuscht bemerkt Adolf Geprägs dazu an:

„Der offizielle Marxismus hat Garaudys Alternative nachdrücklich verneint […] Ein Tor schloss sich, die Phase des Dialogs, die jahrelang so viele Hoffnungen erweckt hatte, war zu Ende“[40].

Eines der Hauptanliegen von Garaudy war schon immer, wie in seinen Büchern darauf gedeutet wird, neue reale Visionen mit entsprechenden Lösungsvorschlägen zu entwerfen[41]. Anlässlich einer Versammlung in Genf 1969 im ökumenischen Rat der Kirchen, schlug nun Garaudy erneut einen Kulturdialog vor, der auf alle anderen Kulturen und Religionen ausgedehnt werden sollte[42]. Nach dem Gedankenaustausch zwischen Christen und Marxisten sollte nun endlich ein Austausch der Zivilisationen beginnen, um dem Abendland verständlich zu machen, wie wichtig die Rolle der nicht-westlichen Kulturen für die Zukunft ist[43]. Erfreulicherweise konnte er den damaligen senegalesischen Präsidenten Senghor für dieses Projekt gewinnen:

„Dank des Verständnisses des senegalesischen Präsidenten Senghor habe ich in diesem Geist auf der Ile de Gorée vor Dakar die „Université des Mutants“ gegründet. Elf frankophone Länder Afrikas nahmen von der ersten Sitzungsperiode an teil, um gemeinsam über Modelle ökonomischen Wachstums nachzudenken, die in der Geschichte und in der geistigen Tradition Afrikas verwurzelt und befähigt sein sollten, aus den Bahnen und Sackgassen des Abendlandes auszubrechen. Präsident Senghor ist ein unermüdlicher Streiter des Dialogs zwischen den Kulturen und hat ein tiefgehendes Gespür für alles entwickelt, was dieser Dialog seinem Land bringen konnte“[44].

In seinem bahnbrechendem Werk Plädoyer für einen Dialog der Zivilisationen beschreibt Garaudy sehr ausführlich, was mit einem Austausch der Zivilisationen konkret bezweckt wird und welche Vorteile die Menschheit davon tragen könnte:

„Ein echter Dialog der Zivilisationen ist nur dann möglich, wenn ich den anderen Menschen und die andere Kultur als einen Teil meiner selbst betrachte, der mir innewohnt und mir enthüllt, was mir fehlt. Wir werden die Probleme, für die wir die Verantwortung tragen, nur durch eine neue Begegnung, einen neuen Dialog mit den Weisheiten und den Revolten Asiens, Afrikas, des Islams und Lateinamerikas lösen können. Nur so wird es uns gelingen, neue und reichere Beziehungen zwischen Mensch und Natur zu ersinnen und zu erleben, Beziehungen, die nicht technischer oder machtpolitischer Art sind“[45].

Garaudys langjährige Bemühungen für einen Dialog der Zivilisationen blieben gewiss nicht ohne Früchte.  Am 14. Juli 2005 wurde die Allianz der Kulturen als eine UN-Initiative durch die Schirmherrschaft des spanischen und des türkischen Präsidenten übernommen[46]. Demnach sollten dadurch die Feindbilder und der Argwohn gegenüber anderen Kulturen mit konstruktiven Gesprächen auf derselben Augenhöhe überwunden werden. Im Jahre 1987 wurde die Stiftung Roger Garaudy gegründet. In der Stadtmauer des mächtigen Turmes wurde ein Museum der drei Kulturen Museo Vivo de Al-Andalus durch die Stiftung und der Initiative von Garaudy zusammen mit der UNESCO als Zeichen des Friedens und des Dialogs der abrahamitischen Religionen[47] eingerichtet. Das Museum sollte als Wahrzeichen für das friedliche Zusammenleben von Christen, Muslimen und Juden wie in der historisch einmaligen Geschichte von Andalusien aufzeigen[48]. Mariano Delgado verhehlt keineswegs, dass der spanische Präsident Zapatero um die Annahme der Schirmherrschaft der Allianz der Kulturen, von Garaudys Vision explizit beeinflusst worden ist[49].

Ohne Zweifel gehört das Engagement Projekt Weltethos[50] von Hans Küng zu den gewichtigsten Besonderheiten, zum interreligiösen Dialog, was bis heute noch allenthalben ein enormes Ansehen genießt. Küng, ebenfalls von Garaudy zu einem Dialog der Zivilisationen angeregt, setzte sich ebenfalls unermüdlich für einen Dialog der Religionen ein. In seinem Buch Erlebte Menschlichkeit erinnert sich Küng wohlgemerkt daran, dass er den Dialog der Zivilisationen von Roger Garaudy zeitlebens weitergeführt hat. Beide nahmen gemeinsam an mehreren Fachtagungen teil und besuchten sich bei dieser Gelegenheit auch gegenseitig:

„Vom 11. bis 15. Februar 1987 nehme ich an einem Abrahamischen Kolloquium in Córdoba teil, das vom französischen Philosophen Roger Garaudy organisiert wird. Die Verbindung der drei prophetischen Religionen Judentum, Christentum und Islam ist durchgängiges Thema […] Er hatte mich am 2. Juli 1984 in Tübingen besucht, und wir wagten einen öffentlichen Dialog an der Universität, der, auf Französisch, höchst konstruktiv ablief. Schon früh hatte Garaudy einen „Dialog der Zivilisationen“ gefordert […] Aber ich möchte sein Anliegen einer abrahamischen Ökumene weitertragen“[51].

Gleichwohl hatte Garaudy niemals für sich in Anspruch genommen, der Urheber eines Dialogs der Zivilisationen zu sein. Im Gegenteil, der Dialog der Zivilisationen wurde laut Garaudy von Muhyī d-Dīn IbnʿArabī (1165-1240) bereits Jahrhunderte zuvor ins Leben gerufen[52]. Eine der grundlegendsten Bereicherungen des Dialogs der Zivilisationen soll vor allem darin begründet sein, gegenseitig voneinander lernen zu dürfen. Sie soll nicht nur die Beziehungen der Menschen untereinander befördern, sondern auch die unumgängliche Beziehung zur Natur sensibilisieren. Die Grundvoraussetzung für einen apodiktischen Dialog setzt die Absicht voraus, einander nicht zu missionieren. Der ägyptische Dominikaner Georges Anawati (1905-1994), der ebenfalls zu den Wegbereitern des christlich-islamischen Dialogs gehört, beschreibt seine persönliche Motivation und Einstellung für einen zukunftsträchtigen Dialog mit den Worten:

„Wie der Heilige Thomas sich Aristoteles aneignete, muss man sich Muhammad aneignen. Und dabei darf man es nicht mit apologetischer Absicht machen, sondern mit der Absicht einer kulturellen Öffnung. Die islamische Kultur besteht für sich selbst. Ich studiere die islamische Kultur nicht, um sie zu zerstören. Warum sollte man? Sie ist an sich schön. Also muss man die schönen Dinge beim Anderen hervorkehren, sei er Chinese, Taoist oder sonst was. Man soll die wahren Werte bei allen Menschen hervorkehren, das ist der Geist des Heiligen Thomas. Der Sinn der Aneignung ist, Wertvolles bei den Anderen zu akzeptieren, in jeglichem Bereich, in der chinesischen Kunst, in der islamischen Kunst […] Die islamische Kultur bietet also einen außergewöhnlichen Raum für einen Dialog“[53].

Im „Plädoyer für einen Dialog der Zivilisationen“ arbeitet Garaudy sämtliche Punkte heraus, bei deren ehrlicher Beachtung alle davon nur profitieren können. Die Zielsetzung eines Kulturdialogs ist die Überzeugung, eine gemeinsame Verantwortung für die Welt und für alle Menschen ohne Unterschied zur Ethnie und Kultur zu tragen. Schließlich geht es um die Zukunft aller Menschen. Das 20. Jahrhundert hat mehr Veränderungen als alle Jahrhunderte zuvor hervorgebracht, insofern kann eine gesellschaftliche Krise heute ungeahnte Folgen für alle gleichermaßen bedeuten. Es bleibt keine andere Wahl, als für einen Dialog der Zivilisationen hinzuarbeiten, was in Grunde genommen als Instrument zum Wohlergehen und Frieden dienen soll. Deshalb gebührt zum nachfolgenden Aufruf von Garaudy weitaus mehr als nur ein Gehör:

„Das Wachstum ist der Verborgene Gott unserer Gesellschaft und er ist ein grausamer Gott: er verlangt Menschenopfer. Heute lastet auf uns die größte Angst, die je die Menschheit im Laufe ihrer Geschichte bedrückt hat: die um das Überleben unseres Planeten und der Menschen, die ihn bewohnen […] Setzen wir mit unseren heutigen Entscheidungen das Leben unserer Kinder und Kindeskinder aufs Spiel?“[54].   

 IV. Verheißung Islam

a) Ab der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts zog der Islam aus allen kulturellen Bereichen namhafte Persönlichkeiten an, wie z. B. den Popstar Cat Stevens (Yusuf Islam), Boxer wie Cassius Clay (Muhammad Ali) Moderatorin wie Kristiane Backer[55], Mystiker wie Frithjof Schuon, Choreografen wie Maurice Béjart und schließlich Intellektuelle und Schriftsteller wie Charles Le Gai Eaton[56], Martin Lings, Murad Wilfried Hofmann[57], Jeffrey Lang, Neal Robinson[58] und Leopold Weiß[59]alias Muhammad Asad[60]. Die erste Begegnung mit dem Islam ereignete sich für Garaudy am 4. März 1941 in Djelfa im Süden Algeriens, als er dort zusammen mit 500 Kommunisten in ein Konzentrationslager deportiert wurde. Ein französischer Kommandant gab den algerischen Soldaten den Befehl, den 27-jährigen Garaudy und seine Genossen zu erschießen:

„Ich hätte nie gedacht, dass es mit 27 Jahren so einfach sein würde, erschossen zu werden […]“[61]. In der nächsten Sekunde wird unser Weg sein Ende finden. Aber obgleich der Kommandant droht und flucht und auf die arabischen Wachen einschlägt, bleiben die MGs noch immer stumm. Kein einziger ist ins Zelt zurückgekrochen, um dem Feuer zu entgehen. Alle Gefangenen sind stehengeblieben […]“[62].

Zu jenem Augenblick konnten Garaudy und seine Mitgefangenen noch nicht verstehen, weshalb die algerischen Soldaten sich weigerten, den Befehl ihres Kommandanten auszuführen, was erhebliche Konsequenzen auch für sie bedeuten konnte:

„Erst viel später haben wir erfahren, welchem Umstand wir unser Leben zu verdanken hatten: Die feudale Ethik dieser muslimischen Krieger verbietet es ihnen, auf Wehrlose zu schießen“[63]. Diese algerischen Soldaten hielten sich an den Grundsatz des Korans, wonach die Ermordung eines einzigen unschuldigen Menschen mit dem Mord an die gesamte Menschheit gleichgesetzt wird: „Wer einen Menschen tötet […] ist wie einer, der die ganze Menschheit getötet hätte“ (al-Mâ´ida, 32).

Als sich Garaudy schließlich nach jahrzehntelanger intensiver Forschung der Religionen und Kulturen im Jahre 1982 dazu entschlossen hatte zum Islam zu konvertierten, löste das unter westlichen Intellektuellen nahezu eine Schockwelle aus[64]. Durch die zeitliche Abfolge seiner unmittelbaren Konversion nach der Iranischen Revolution von 1979[65], hatten erst recht viele Säkularistische Fundamentalisten,[66] darunter Linke und Rechte nun einen zusätzlichen Anlass dafür aufgespürt, mit Garaudy abzurechnen. Noch vor seiner Konversion verfasste Garaudy im selben Jahr zwei außergewöhnliche Bücher mit dem Titel Der Islam ist unsere Zukunft und Verheißung Islam[67]. Aktuell gehören seine Werke in der islamischen Welt zu den am meisten gelesen Büchern, die eine nicht zu unterschätzende Anziehung an Intellektuelle ausübt[68]. Noch als Marxist schrieb Garaudy im erst genannten Werk die Gründe dafür, weshalb der Islam als Glaube und Zivilisation den Westen vor noch ungeahnten Katastrophen retten kann:

„Die zentrale Debatte unserer Epoche ist das In-Frage-Stellen der selbstmörderischen Mythologie des westlichen Fortschritts, einer Ideologie, die sich auf die Trennung der technischen Wissenschaften und der Weisheit gründet. Wissenschaft und Technik wollen die Maximierung der Macht erreichen, die Weisheit denkt über Sinn und Zweck unseres Daseins nach […] Nur die Einheit, die Einheit von Wissenschaft und Weisheit, kann uns den vollen Gebrauch der Vernunft wieder lehren […] Der Islam kann uns helfen, den Menschen in seiner kosmischen Dimension wiederzuentdecken […]“[69].

Bezeichnenderweise galt Garaudy nach wie vor als einer der scharfsinnigsten Gesellschaftskritiker, der es wagte, ohne jegliche Scheu die Missständen direkt beim Namen zu nennen. Entgegen der vielfach angenommenen Sichtweise, wonach die abendländische Welt von ihrer Beschaffenheit her atheistisch wäre, wurde dies von Garaudy unverhohlen aufs schärfste zurückgewiesen. Denn rückblickend waren die griechischen Stadtstaaten und die drauf folgende römische Gesellschaft von den Grundbestimmungen der Religion noch bestimmt worden, da die Religion bis dato die Staatsgewalt mit allen Mitteln die Bestimmung und die Ziele der Gesellschaft mit der folgenden Maxime verordnet hatte: die göttliche Ordnung ehren und achten[70]. Nach dem Verfall des römischen Imperiums übernahm zeitweilig die Kirche das Amt. Vom Zeitpunkt des Kaisers Konstantin (272-337) bis zur Renaissance war die abendländische Gesellschaft noch davon geprägt gewesen, „dass es eine gottgewollte Ordnung gab und das sich alle Tugenden des persönlichen und kollektiven Lebens aus der Forderung herleiten, sich nach diesem göttlichen Plan zu richten“[71].

In anderen Worten zusammengefasst: „Ein wirklich gläubiger Mensch ist außerstande, seinen Glauben an der Garderobe abzugeben[72]. Fortan wurde nach der Renaissance eine enorme Ausbreitung von Handel, Politik und Industrie aber auch der Moral und Kultur als rapide eigenständige Kategorien lanciert[73]. Unaufhaltsam schien nun der „Monotheismus des Marktes“ zu sein, mit erheblichen Nachfolgen für das gesamte gesellschaftliche Leben ganzer Völker:

„Unsere abendländische Welt ist eigentlich gar nicht atheistisch, sie ist polytheistisch. Jedes Individuum und jede Gruppe schafft sich einen Gott der eigenen Begierde, indem Geld, Macht, Technik, Sexualität, Nation, Ideologie, Wachstum als Ziele an sich betrachtet werden; es ist ein blutgieriger, falscher Gott, der den fanatisiert und verschlingt, der ihm dient, und jeden anderen „Wert“, jeden anderen Menschen gnadenlos zertritt, der sich seiner Expansion entgegenstellt[74].

Gleichzeitig gesteht Garaudy auch realistisch ein, dass eine Lösung zur Bewältigung der kulturellen Krise nicht von einzelnen bewältigt werden kann[75]. Vielmehr erfordert es deutlich mehr an Einsicht und Engagement, als bisher erbracht wurde. Die Abkehr von der Transzendenz und Gemeinschaft haben seit der Renaissance einen krassen Individualismus mithin einer Ellbogengesellschaft mit noch nie dagewesenen Ausmaßes Vorschub geleistet. Im Gegensatz zum Morgenland gab es vergleichsweise vonseiten der Obrigkeit keine radikal- kulturelle Unterbindung der Transzendenz. Für Garaudy bedeutet die Renaissance nichts anderes als die Geburt des Raubtiers[76]. Dementsprechend unterbreitete er den westlich-säkularen Gesellschaften den folgenden Vorschlag vor:

Transzendenz und Gemeinschaft, wäre das nicht der Beitrag, den der Islam heute zur Gestaltung einer Zukunft mit menschlichem Gesicht leisten könnte, in einer Welt, wo die Ausschaltung des Transzendenz, die Zerstörung der Gemeinschaft durch den Individualismus und ein irrwitziges Wachstumsmodell den status quo unerträglich, Revolutionen westlichen Typs aber unmöglich gemacht haben“[77].

b) Seiner Kritik war keineswegs auf die westlichen Gesellschaften beschränkt gewesen. Zunehmender Weise richtete sich Garaudy gegen jedwede fundamentalistische Lesarten der Religionen aufs heftigste und beschrieb sie als Verrat gegen die Grundprinzipien der Monotheistischen Religionen. Wagemutig beschrieb er als überzeugter Muslim den saudischen König[78] als eine politische Prostituierte, die aus dem Islamismus die Krankheit des Islam macht[79]. Ferner wies er auf das Epizentrum des muslimischen Fundamentalismus, nämlich auf Saudi-Arabien hin[80]. Garaudy fasste prägnant die Krankheit unseres Jahrhunderts mit den nachfolgenden Worten zusammen, die in ihrer Klarheit kaum zu übertreffen sind:

„Der Fundamentalismus ist eine tödliche Krankheit unserer Zeit, des Ende unseres Jahrhunderts: Der Fundamentalismus ist Urheber von Gewalt und Krieg“[81].

Dabei erntete Garaudy besonders von verschiedenen Strömungen des Salafismus, aber auch von klassischen Traditionalisten heftige Kritik[82]. Seine Bücher, die gegen eine fundamentalistische Lesart gerichtet sind, wurden aus diesem Anlass von nicht wenigen Betreibern islamischer Buchhandlungen zum Verkauf boykottiert[83]. Nach Garaudy setzten eben diese sogenannten Traditionalisten alles daran, den Islam in eine ummauerte Festung einzuschließen, die nach außen weder Fenster noch Türen, ja noch nicht einmal eine Öffnung zum Himmel hätten[84]. Demnach wurde das kreativ-islamische Denken unter anderem auch deshalb zum stagnieren gebracht, weil der Koran mit den Augen der Toten, also buchstabengetreu gelesen und praktiziert worden sei:

„Warum leuchtet heute diese „Shari‘a“, das Gesetz Gottes, nicht über die ganze Welt? Warum bleiben die muslimischen Völker das Objekt der Geschichte, obwohl vom Kolonialismus befreit, anstatt handelndes, kreatives Subjekt zu sein? Warum geben sie kein Beispiel für historische Initiative? Weil dieses Gesetz, die „Shari‘a“ entstellt, in ihrer lebendigen Entwicklung seit den ersten Jahrhunderten ihrer Geschichte angehalten wurde. Weil man den Koran mit den Augen der Toten liest. Mit den Augen von Menschen, die das Genie hatten, von der ewigen Offenbarung des Koran aus die Probleme ihrer Epoche zu lösen. Während wir die Probleme der unsrigen nicht dadurch lösen können, dass wir uns damit zufriedengeben, ihre Formen zu wiederholen, sondern indem wir uns von ihren Methoden inspirieren lassen. Zu den Quellen zurückkehren heißt nicht, rückwärtsgewandt der Zukunft entgegenzugehen, mit auf die Vergangenheit fixierten Augen, sondern die lebendige Quelle und die kreative Dynamik des ursprünglichen Islam wiederzufinden. Die „Shari‘a“ ist kein Tümpel, in dessen trübem Wasser man etwas fischen könnte- der Durst von heute würde bitter betrogen. Die „Shari‘a“ ist ein schöner, glitzernder Fluss, dessen brandende Wogen seinen Ufern Fruchtbarkeit bringen“[85].

Die einzige Möglichkeit um den Islam aus der Vormundschaft des Stillstandes befreien zu können, würde demnach darin liegen, die tausendjährige Erstarrung einer vertrockneten und talmudischen Literalismus durch das Wiederaktivieren des Idschtihads ein Ende zu bereiten[86]. Garaudy griff den folgenden Grundsatz des islamischen Gelehrten Raschīd Ridā (1865-1935) auf: „Die Muslimische Wiedergeburt beruht auf dem Idschtihat“[87]. Doch was soll eigentlich dieser Idschtihad sein und weshalb soll seine Anwendung von grundlegender Bedeutung sein?

Die islamischen Quellen tradieren, dass der Prophet des Islam selbst die Methode des Idschtihad autorisiert habe. Dies geht zunächst aus sämtlichen Überlieferungen hervor, wie sie beispielsweise in Abu Dawuds (817-889) Hadith-Kompendium folgendermaßen überliefert wird:

„Als Muhammad seinen Gefährten Muadh ibn Jabal als Gouverneur in den Jemen entsandte, fragte er ihn, wonach er wohl Urteil sprechen würde? Muadh antwortete, dass er nach dem Koran richten werde und, falls er zu einem Punkt dort nichts finde, nach der Sunna des Propheten. Auf Muhammads Frage, wie er denn vorgehen wolle, wenn er weder im Koran noch in der Sunna fündig werde, antwortete Muadh: „Dann werde ich mein Bestes geben, um mir eine eigene Meinung zu bilden, und dabei keine Anstrengung scheuen“. Diese Antwort gefiel dem Propheten sehr“[88].

Ein grundlegendes Prinzip und Bedürfnis für die Anwendung des Idschtihad wurde hauptsächlich aus dem Zweck geboren, da neue auftretende Probleme nicht explizit im Koran und Sunna aufzufinden waren. In den rechtswissenschaftlichen Büchern des mittelalterlichen Fiqh, sucht man vergebens nach den Verkehrsregeln der Neuzeit oder zum Urheberrecht im Internet. Ganz zu schweigen zur Leihmutterschaft und Gentechnologie. Die zeitgenössischen muslimischen Juristen (fuqaha) müssten daher ähnlich wie die mittelalterlichen Juristen vorgehen, indem sie neue Rechtsregelungen unter Heranziehung der Prinzipien und Ziele des Korans und der Sunna analogisch entwickeln“[89]

Erheblich wurde gegen das dynamische Prinzip des Idschtihat vor allem wegen intellektueller Trägheit in Zeiten geistiger Dekadenz folgenschwer verstoßen. Hiernach begann der unmittelbare Stillstand erst zu jenem Zeitpunkt, als die Anhänger der konstitutiven Rechtsschulen die Lehrmeinungen ihrer Vertreter als unantastbar sakralisierten, ja diese sogar zu Halbgöttern deklarierten: „Man hat die Obergeistlichen der verschiedenen Bekenntnisschulen vergötzt, sie zu Halbgöttern gemacht, denen in religiösen Angelegenheiten das letzte Wort zustand, und verhinderte damit, den Koran den Bedingungen von Ort und Zeit entsprechend neu auszulegen“[90].

V. Roger Garaudy ein Antisemit?

Es gibt mittlerweile kein anderes Totschlagargument als jemanden wegen verübter Israel-Kritik als Antisemiten bzw. als Holocaust-Leugner zu diffamieren. Garaudy wird mit beiden Totschlagargumenten weiterhin systematisch verunglimpft. Ein Versuch beim googeln über seinen Namen wird diese Annahme schleunigst bestätigen. Schon auf der ersten Seite der Suchmaschine wird er mit der Holocaust-Leugnung entehrt. Diese Verleumdung hat durchweg dazu geführt, dass es in akademischen Kreisen nahezu unmöglich geworden ist, Garaudy selbst nur in einer Fußnote zu zitieren, ohne dabei selbst als potentieller Sympathisant in die Nähe der Holocaust-Leugnung gestellt zu werden. Der jesuitische Theologe Prof. Dr. Felix Körner veröffentlichte einen Beitrag mit der Überschrift „Der Koran als geschichtliche Rede“ von Prof. Dr. Mustafa Öztürk aus dem Türkischen ins Deutsche. Dabei fühlte sich Körner zum Beitrag von Öztürk dazu notgedrungen, den Namen Garaudy der im Beitrag von Öztürk wertneutral zitiert wird, mit einer Anmerkung darüber aufklären zu müssen:

„Der französische Philosoph Garaudy, ehemals Kommunist, wurde erst Christ, dann Muslim. Er vertritt heute extremistische Standpunkte, beispielsweise leugnet er die Shoa“[91].

Wie kommt es eigentlich dazu, Garaudy als Holocaust-Leugner darzustellen, nachdem er doch zeitlebens darum bemüht war, insbesondere den Kulturdialog zwischen den abrahamitischen Religionen voranzubringen? Zudem verbrachte Garaudy 33 monatelang selbst in einem Konzentrationslager und durchlebte somit selbst am eigenen Leib, unter welchen menschenunwürdigen Bedingungen die Menschen die Gefangenschaft ertragen mussten.  Die Antwort darauf liegt unverkennbar in der Vergangenheit, genauer genommen im Jahr 1982 begründet. Anfang der 80er-Jahre kam es in den Flüchtlingslagern von Sabra und Schatila im Süden Beiruts zu einer der schlimmsten Gräueltaten des libanesischen Bürgerkriegs. Am 16. September 1982 und den beiden folgenden Tagen zogen christliche Freischärler durch die Lager und ermordeten wahllos Tausende Bewohner – palästinensische und schiitische Frauen, Männer und Kinder. Die israelische Armee, die damals Beirut besetzt und die Lager umzingelt hatte, sah dem Massaker, der mit ihnen verbündeten Phalange-Miliz tatenlos zu. Die Israelis hatten den Mördern erlaubt, in die Lager einzudringen, angeblich um palästinensische Freischärler aufzuspüren. Bei diesem Massaker an die Palästinenser wurden 700 unschuldige Menschen unter den Augen der Weltöffentlichkeit umgebracht[92]. Die israelische Untersuchungskommission erklärte den Verteidigungsminister Ariel Sharon zum Hauptschuldigen. Unmittelbar nach der Verkündigung des Urteils, musste Sharon schließlich aufgrund internationaler Kritik zurücktreten[93]. Bereits Monate zuvor unternahm Garaudy zusammen mit Pater Michel Lelong und Pastor Matthiot eine öffentliche Kritik an der brutalen Vorgehensweise der israelischen Politik, indem sie die gewalttätige Invasion des Staates Israel in Libanon auf einer Tageszeitung aufs schärfste anprangerten. Das war unter anderem der Anfang davon gewesen, Garaudy systematisch und entschlossen in der Weltöffentlichkeit als Antisemiten zu diskreditieren. Garaudy schreibt dazu:

„Während der Invasion und den Massakern im Libanon hat mir Le Monde-Chefredakteur Jacques Fauvet am 17. Juni 1982 gestattet, auf einer ganzen Seite eine bezahlte Anzeige zu veröffentlichen, auf der ich mir gemeinsam mit Pater Michel Lelong und Pastor Matthiot herausnahm, einen Text „Nach den Massakern im Libanon. Der Sinn der israelischen Aggression“ zu schreiben. Darauf erhalte ich in anonymen Briefen und am Telefon neun Morddrohungen. Die LICRA (Internationale Liga gegen Rassismus und Antisemitismus) strengt gegen uns einen Prozess wegen „Antisemitismus und Aufstachelung zum Rassenhass“ an. Unsere – Pater Lelongs, Pastor Matthiots und meine – Verteidigung geht aus dem Text selber hervor: Wir erinnern daran, was unser Leben dem Glauben der jüdischen Propheten verdanken. Doch der politische Zionismus hat Gott durch den Staat Israel ersetzt. Durch sein Verhalten im Libanon und in Palästina und dadurch, dass er ein widerliches Durcheinander erzeugt, entehrt er das Judentum in den Augen der ganzen Welt. Unser Kampf gegen den politischen Zionismus ist demnach untrennbar mit unserem Kampf gegen den Antisemitismus verbunden.

Wenn ich den Anwalt der LICRA höre, wie er versucht, mich als Antisemiten hinzustellen, dann sehe ich mich, in Begleitung des israelischen Ministers Barzilai 1967 an der Klagemauer und dann im Hause Nahum Goldmanns, seinerzeit Präsident des Jüdischen Weltkongresses. Ich sehe mich im Konzentrationslager mit meinem Freund Bernard Lacache (Gründer der LICRA), wie er mir dabei hilft, die Unterrichtsstunden über „Die Propheten Israels“ für die Deportierten vorzubereiten.

Wir – Pater Lelong, Pastor Matthiot und ich – haben den Fehler gemacht, die Lüge dieser Sinnverdrehung beim Namen zu nennen. Das Oberste Gericht von Paris beschließt am 24. März 1989: „Da es sich um eine statthafte Kritik der Politik eines Staates und der Ideologie, die ihn leitet, und nicht um eine rassistische Provokation handelt (…), wird die LICRA in allen ihren Klagen abgewiesen. Sie trägt die Kosten des Verfahrens.“

Die LICRA kämpft verbissen weiter und geht in Revision. Am 11. Januar 1984 spricht die Hohe Kammer am Gericht von Paris ihr Urteil. Das Appellationsgericht zitiert eine Stelle aus unserem Artikel, in der wir den Staat Israel des Rassismus bezichtigen, und urteilt: „Da die von den Unterzeichnern vertretene Meinung nur die einschränkende Definition des Judentums betrifft, wie sie von der israelischen Gesetzeslage vorgegeben wird (…), wird das Urteil, das die Klagen der LICRA abgewiesen hat, bestätigt. Die LICRA trägt die Kosten des Verfahrens.“

Die LICRA legt erneut Berufung ein. Der Beschluss des Kassationsgerichtes vom 4. November 1987 nimmt den Zionisten jede Hoffnung, uns die Ehre auf legale Weise nehmen zu können: Das Gericht „weist die Berufung zurück. Die Gerichtskosten trägt die Klägerin“. Die Unterdrückungsoperation geht nun außerhalb der Gerichte weiter. Der zionistischen Lobby stehen dafür alle Mittel zur Verfügung. Wenn wir verurteilt worden wären, hätten wir in allen Schlagzeilen als antisemitisch am Pranger gestanden. Die Zurückweisung der LICRA durch die Gerichte ist aber systematisch verschwiegen worden: Sogar Le Monde, dessen ehemaliger Chefredakteur Fauvet in diesem Kampf mit uns verwickelt war, ließ es mit einem verschwommenen Artikel bewenden. Aber die Blockade ist gebrochen worden. Ich hatte am Ende des Artikels über die Logik des zionistischen Kolonialismus in Le Monde die Leser zu finanzieller Unterstützung aufgerufen, um die Kosten decken zu können. Der Abdruck hatte 50 000 Franken gekostet. Ich habe in Hunderten von kleinen Schecks 70 000 Franken bekommen. Unter den Spendern waren knapp ein Drittel Juden, davon zwei Rabbiner.

Doch jetzt begann die mediale Erdrosselung: kein Zugang mehr zum Fernsehen; meine Artikel werden von den Zeitungen abgelehnt. Ich habe in allen großen Verlagshäusern von Gallimard bis Le Seuil, von Pion bis Grasset und Laffont vierzig Bücher veröffentlicht. Meine Bücher sind in siebenundzwanzig Sprachen übersetzt. Von nun an sind alle großen Türen verschlossen: Einer meiner wichtigsten Verleger sagt zu seinem Verwaltungsrat: „Wenn Sie ein Buch Garaudys veröffentlichen, verlieren Sie alle Übersetzungsrechte an amerikanischen Büchern.“ Mich als Autor weiter zu verlegen, hätte den Untergang seines Verlages bedeutet. Ein anderer „Großer Verleger“ sagt, als es um ein anderes Buch ging, zu seiner Direktorin, die von dem Buch begeistert ist und drei Monate daran gearbeitet hat, mir bei der Abfassung behilflich zu sein: „Ich will keinen Garaudy in meinem Verlag[94]“.

Wir haben – Pater Lelong, Pastor Matthiot und ich – den Fehler gemacht, die Lüge dieser Sinnverdrehung beim Namen zu nennen. Das Oberste Gericht von Paris beschließt am 24. März 1989: „Da es sich um eine statthafte Kritik der Politik eines Staates und der Ideologie, die ihn leitet, und nicht um eine rassistische Provokation handelt (…), wird die LICRA in allen ihren Klagen abgewiesen. Sie trägt die Kosten des Verfahrens“[95].

Das ist die Geschichte der Kaltstellung eines Mannes.

Unsere Netze des Widerstandes gegen diesen Unsinn sind zur Untergrundarbeit verurteilt. Und ich zum literarischen Tod. Wegen des Deliktes der Hoffnung. Das ist nur ein Beispiel für die Sinnverdrehung durch den Zionismus, das ich persönlich bezeugen kann. Wir könnten zig Beispiele anführen, doch ein Jeder wird jeden Tag zum Zeugen: Der Sinn des hitler’schen Verbrechens gegen die gesamte Menschheit wird von der zionistischen Propaganda pervertiert, die dieses Verbrechen gegen die Menschheit auf einen großen Pogrom, dessen Opfer allein Juden geworden seien, reduziert. Von nun an, seit Mai 1990, ist das Verbot von Meinungen mit dem „Fabius-Gayssot-Gesetz“, benannt nach dem kommunistischen Abgeordneten, der die Vaterschaft dieses Schandgesetzes übernommen hat, in Frankreich rechtens“[96].

Garaudy aufgrund seiner Kritik zum politischen Zionismus als Antisemiten abzustempeln, widerspricht vehement seiner Weltanschauung. In seinem philosophischen Testament machte Garaudy in drei wesentlichen Punkten darauf aufmerksam, welchen Respekt die Menschheit dem Judentum zu verdanken habe:

 

  • Das Thema des Bundes zwischen Mensch und Gott: Der Mensch muss jeden Augenblick bereit sein, dem Ruf Gottes zu antworten und sich ihm unbedingt unterwerfen, wie bei Abraham und seinem Opfer, das ihn zum Vater des Glaubens macht;
  • das Thema des Exodus, das heißt der Macht Gottes, den Menschen von jeder Knechtschaft zu befreien und somit jede Macht zu relativieren, so wie die Sklaven sich fortan weigerten, dem Pharao zu gehorchen, der sich als Gott wähnte;
  • Das Thema der Verheißung, das heißt der Gesamtheit der Forderungen Gottes an den Menschen zur Verwirklichung seines Reiches durch die Achtung des Gesetzes, des Gesetzbuches des Bundes[97].

Im Band eins seiner Trilogie entlarvte Garaudy  die Fundamente des christlichen Fundamentalismus „Avons-nous besoin de Dieu?“ („Brauchen wir Gott?“). Im zweiten Band wurde die Grundlage des islamischen Fundamentalismus „Grandeur et Decadences de l´ Islam“ („Größe und Niedergang des Islam“) eingehend behandelt. Und schließlich im dritten und letzten Band der Reihe ahnte Garaudy auch nur zu gut, welche Konsequenzen die Veröffentlichung dieses Buches nachhaltig herbeiführen würde:

„Ich bekämpfe heute mit diesem Text „Die Gründungsmythen der israelischen Politik“ den Fundamentalismus bei den Juden mit dem Risiko, die Blitze der Israelo-Zionisten auf mich zu ziehen […]“[98].

Der ehemalige Kongressabgeordnete der USA und Autor des Bestsellers Die Israel Lobby Paul Findley machte eigenhändig die Erfahrung, bis wohin eine sachliche Israel-Kritik allenfalls führen kann. Man würde damit sogar die eigene Existenz aufs Spiel setzen:

Die relativ wenigen Menschen, die sich auf dieses Parkett gewagt haben, mussten entdecken, dass ihre bis dahin gehegte Vorstellung über eine freie und aufgeschlossene Gesellschaft nur ein Traum war. Anders als bei anderen Meinungsverschiedenheiten, gibt es auf der einen Seite dieser anhaltenden Streitigkeiten keinerlei Spielraum für eine ehrliche Meinungsabweichung. Die einzige Seite allerdings, die offensichtlich ungestraft ihren Standpunkt vertreten darf, ist die israelische. Diejenigen, die in verschiedener Weise die israelische Politik unnachgiebig kritisieren, fordern schmerzliche und unerbittliche Vergeltung heraus – manchmal sogar die Vernichtung ihrer Existenz. Das sind die Auswirkungen jener Pressionen, die von verschiedenen Gruppen der Israel-Lobby verursacht werden“[99]

Wie heikel das Thema um die Aufarbeitung der Holocaust-Opfer im Allgemeinen ist, kann beispielhaft durch die wissenschaftliche Untersuchung von Raul Hilbergs Die Vernichtung der europäischen Juden veranschaulicht werden. Hilbergs Doktorvater an der Columbia University, der deutsch-jüdische Sozialtheoretiker Franz Neumann tat alles daran, seinen Schützling mit den folgenden Worten um die Veröffentlichung seiner Arbeit in Schutz zu nehmen: „Das wird Ihre Beerdigung“ sein[100]. Tatsächlich wollte zu anfangs kein Herausgeber eines Universitäts- oder eines Publikumsverlag das Buch veröffentlichen[101]. Als nun Garaudy sein Aufsehen erregendes Buch Les mythes fondateurs de la politique israélienne (Die Gründungsmythen der israelischen Politik) 1995 vorerst in einem linken Verlag La Vielle Taupe veröffentlichte, wurde in Frankreich – angeführt von der LICRA – ein heftiger Aufschrei um die Einwirkung des Verbots um dessen Veröffentlichung geführt[102]. Pro-zionistische-Lobbys wollten Garaudy hiernach vorwerfen, dass er den Massenmord an den Juden leugne und deshalb als Antisemit zu verklagen sei. Als schließlich der gerichtliche Prozess gegen ihn geführt wurde, erwiderte Garaudy im Gerichtssaal herausfordernd zum Vorwurf des Antisemitismus in seiner Verteidigungsschrift mit dem Satz: „Hiermit fordere ich Sie alle auf, mir in meinem Buch nachzuweisen, dass ich auch nur mit einem Wort den Begriff „Juden“ im negativen Sinne benutzt haben soll“[103].

Nach einem medial geführten Prozess gegen Garaudy wurde dieser am 27. Februar 1998 in Paris wegen „Holocaust-Leugnung“ zu einer Strafe von insgesamt 18.300 € verurteilt. Das Buch wurde fortan in Frankreich und der Schweiz nicht mehr zum Vertrieb zugelassen. In der arabischen Welt wurde es zu einem Bestseller und seit seinem Erscheinen mehr als eine Million Mal verkauft[104]. Ausschlaggebend für seine Verurteilung sollte die Relativierung der „sechs Millionen“  ermordeten Juden gewesen sein. Obwohl Garaudy immer wieder nachhaltig betonte, dass der Mord auch nur an einem Juden ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit sei:

„So ist auch die Kritik des Mythos vom Holocaust nicht etwa eine makabre Aufrechnung von Opferzahlen. Wäre auch nur ein einziger Mensch seines Glaubens oder seiner Volkszugehörigkeit wegen verfolgt worden, läge darin nicht weniger ein Verbrechen gegen die ganze Menschheit“[105].

Ferner beschreibt Garaudy, dass die Juden unbestreitbar eines der Hauptzielen von Hitlers Faschismus gewesen waren:

„Ohne jeden Zweifel waren die Juden eine der Hauptzielscheiben Hitlers aufgrund seiner rassistischen Theorie von der Überlegenheit der arischen Rasse und der von der systematischen Verknüpfung von Juden und Kommunismus, der sein Hauptfeind war (wovon die Hinrichtung von  Tausenden deutschen Kommunisten und dann, während des Krieges, seine Besessenheit gegen die slawischen Gefangenen zeugt). Für die Verknüpfung hatte er den Begriff des „Judäo-Bolschewismus“ geschaffen. Seit Gründung seiner nationalsozialistischen Partei hatte er nicht nur die Ausrottung des Kommunismus angestrebt, sondern auch die Vertreibung aller Juden, zuerst aus Deutschland, und dann, als er es beherrschte, aus ganz Europa. Und dies auf die unmenschlichste Weise in die Tat umgesetzt: Zuerst ließ er sie auswandern, dann wies er sie aus. Im Krieg dann sperrte er sie in Konzentrationslager auf deutschem Gebiet; danach wurden die Juden deportiert[…]“[106].

Noch ausführlicher beschreibt Garaudy, dass der Massenmord der Nazis an den Juden, politisch von zionistischen Bewegungen für den Nahost-Konflikt sehr geschickt instrumentalisiert wird[107]. Sobald das Verbrechen der israelischen Politik gegenüber den Palästinensern angeprangert wird, besteht durchaus die Gefahr, als Antisemit besiegelt zu werden. Überdies war das Verbrechen gegen die Juden nach Garaudy nicht das einzige Verbrechen im 20. Jahrhundert gewesen, worauf er ostentativ hinweist:

„Durch die Naziverbrechen fand der politische Zionismus nach dem 2. Weltkrieg den entscheidenden Zulauf. Die bemerkenswerte Geschicklichkeit der führenden Zionisten bestand darin, es fertiggebracht zu haben, den Nationalsozialismus weitgehend auf den Antisemitismus zu reduzieren, als ob er nicht ein Attentat auf die Menschlichkeit schlechthin gewesen wäre, und glauben zu machen, dass die Juden die einzigen Opfer Hitlers gewesen seien, als ob 14 Millionen Slawen nicht ebenso ausgelöscht worden wären und der Krieg Hitlers nicht die Menschheit 65 Millionen Tote gekostet hätte. In einem wahren „Crescendo des Schreckens“ wurde vom Hitlerschen Antisemitismus als dem „größten Holocaust der Geschichte“ gesprochen, was in der Stunde der Befreiung nach einem Massaker leider allzu gegenwärtig war, aber viele andere vergessen ließ, den der Vereinigten Staaten auf ihrem Kontinent, den der Sowjetunion mit ihren Gulags; und noch schlimmere „Holocausts“ wie der vom europäischen Kolonialismus an den Indios und der durch den Sklavenhandel an den Afrikanern begangene Völkermord. Mir kommt es hier nur auf den untrennbar politischen und geistigen Aspekt dieses Problems an“[108].

Bereits in der Prozessführung für ein Verbot des Buches zu erzwingen, beklagten im Gegensatz dazu auf der anderen Seite Juristen und Menschenrechtler aus aller Welt die Verteidigung der freien Meinungsäußerung aber auch die uneingeschränkte Freiheit zur wissenschaftlichen Forschung, die auch für Garaudy gelten müsse[109]. Der syrische Großmufti Ahmad Kuftaro (1915-2004) war erzürnt darüber, als das Buch Die Gründungsmythen der israelischen Politik aufgrund unübersehbaren politischen Drucks in Frankreich verboten wurde. Diejenigen, die ein Verbot für Garaudys Buch anstrebten und sich gleichzeitig unter dem Deckmantel der Meinungsfreiheit unerbittlich für die Publikation von Salman Rushdies satanischen Verse eintraten – wo doch der Prophet des Islam mitsamt allen Muslimen aufs schlimmste diffamiert wurden – würde ohne Zweifel hiernach eine Doppelmoral erzeugen[110]. Der eigentliche Skandal an der Verurteilung von Garaudy soll sich im Grunde genommen aber daran ereignet haben, wonach die Staatsanwälte und allen voran dem Richter, auf der Grundlage von inhaltlich manipulierten Ausgaben des Werkes Die Gründungsmythen der israelischen Politik gehandelt haben soll[111]. Demzufolge das Gericht auf dubiose Weise systematisch getäuscht worden sein. In den meisten Stellen im Buch, in denen Garaudy den aggressiven Zionismus missbilligt, wurde der Begriff Zionisten einfach durch Juden ersetzt, was verständlicherweise den Inhalt des Buches aus dem Zusammenhang manipulierend in die Nähe eines Antisemitismus rücken würde[112]. Roger Garaudy hatte nachgewiesener Weise in Worten und Taten das schreckliche Verbrechen der Nationalsozialisten gegen die Juden niemals infrage gestellt. Für Garaudy war eben nicht nur das Verbrechen der Nazis eine Schandtat, ebenso schlimm waren die Völkermorde an die Indianer und den Schwarzen gleichermaßen eine Schandtat gegen die Menschlichkeit, die nicht vergessen werden darf:

„Man hat die Menschheit glauben machen müssen, sie hätte dem „größten Völkermord der Geschichte“ beigewohnt, wobei man die sechzig Millionen Indianer, die einhundert Millionen Schwarzen (auf einen eingefangenen Afrikaner kamen zehn getötete), sogar Hiroschima und Nagasaki und die fünfzig Millionen Toten dieses Zweiten Weltkrieges in Vergessenheit geraten ließ, so als ob der Hitlerismus nur ein großer Pogrom und kein Verbrechen gegen die gesamte Menschheit gewesen wäre. Ist man etwa Antisemit, wenn man sagt, dass die Juden sehr hart getroffen wurden, aber nicht die einzigen waren, und darauf verweist, dass das Fernsehen immer nur von diesen, aber nicht von den anderen Opfern spricht? Außerdem hat man, um die Verschleierung zu vervollkommnen, den tatsächlich stattgefundenen Massenmord mit einem der Theologie entlehnten Namen versehen und ihn gewissermaßen dem Plan Gottes zuschreiben müssen, so wie es beispielsweise mit der Kreuzigung Christi geschehen war“[113].

Den zum Islam konvertierten Garaudy als Antisemiten zu verleumden, würde ohne weiteres gegen ein Kardinal-Gebot seines angenommen Glaubens verstoßen. Ausgehend von der sachlichen Kritik an die israelischen Menschenrechtsverletzungen an die Palästinenser, den Muslimen generell Antisemitismus vorzuwerfen, kann aufgrund der nachfolgenden zwei Punkten nicht zu treffen:

  • Der Prophet des Islam war als Araber selber Semit gewesen.
  • Die Heilige Schrift der Muslime, der Koran, in einer semitischen Sprache verfasst ist[114].

Insofern wäre das Betreiben von Antisemitismus ein erheblicher Verstoß gegen die eigenen religiösen Grundlagen der Muslime. Noch bevor Garaudy Muslim wurde, praktizierte er bereits aus eigener Überzeugung einen konfessionsübergreifenden Kulturdialog[115], wozu der Koran alle abrahamitischen Religionen auf die gemeinsamen Werte vorangehend aufrief:

„Sprich: „O Volk der Schrift (Juden und Christen), kommt herbei zu einem gleichen Wort zwischen uns und euch, dass wir nämlich Gott allein dienen und nichts neben Ihn stellen und dass nicht die einen von uns die anderen zu Herren nehmen außer Gott“ (Al-‚Imran, 64).

 

Bücher von Roger Garaudy 

Garaudy veröffentlichte mehr als 60 Bücher, die zum Teil in über 40 Sprachen übersetzt wurden. Die wichtigsten Veröffentlichungen davon sind:

Gott ist tot (1965); Der Dialog oder Ändert sich das Verhältnis zwischen Katholizismus und Marxismus? (1966); Marxismus im 20. Jahrhundert (1969); Kann man heute noch Kommunist sein? (1970); Menschenwort (1976); Das Projekt Hoffnung (1977); Plädoyer für einen Dialog der Zivilisationen (1980); Die wiedergefundene Liebe (1981); Aufruf an die Lebenden (1981); Biographie des 20. Jahrhunderts. Ein philosophisches Testament (1985); Avons-nous besoin de Dieu? (Brauchen wir Gott?, 1993); Verheißung Islam (1994); Die Gründungsmythen der israelischen Politik (1995); Le mythe américain (Der amerikanische Mythos, 2001); Le terrorisme occidental (Der okzidentale Terrorismus, 2004).

 

[1]Der Spiegel 19/1996, S. 157.

[2]Vgl. Der Dialog- oder ändert sich das Verhältnis zwischen Katholizismus und Marxismus? Rowohlt Taschenbuch Verlag, 1966.

[3]Vgl. Roger Garaudy, Plädoyer für einen Dialog der Zivilisationen by Editions Denoël 1977; E.uropaverlag, 1980.

[4]Vgl. Hatiralar-yüzyilimizda yanliz yolculuğum (franz. Originaltitel: Mon tour du siécle en solitaire/Mémoires), S. 234, Türk Edebiyati Vakfi, 3. Auflage, 2012.

[5]Menschenwort, S. 17, Molden Verlag, 1976.

[6]Siehe dazu den Beitrag Der Grüne Garaudy von Ernst Weisenfeld in Der Zeit (Nr.21/1980).

[7]Garaudy konvertierte am 02.07. 1982 in Genf in der Anwesenheit des Imams Buzuzu zum Islam. Vgl. Hatiralar-yüzyilimizda yanliz yolculuğum (franz. Originaltitel: Mon tour du siécle en solitaire/Mémoires), S. 331.

[8]https://textmaterial.blogspot.com/2012/09/integrismus-laizitat-und-religioser.html (zuletzt abgerufen am 20.06.2018).

[9]Kulturdialog und Ästhetik: Roger Garaudy, Victor Segalen, Mircea Eliade, Diss., Frankfurt, am Main, 1986.

[10]Biographie des 20. Jahrhunderts-Ein philosophisches Testament, S. 347, tredition Verlag, 2. überarbeitete Auflage, 2018.

[11]Das Buch wurde in Deutschland 1986 (Diepholz) veröffentlicht.

[12]Ebd., S. 186.

[13]Ebd., S. 187.

[14]Siehe zur Autobiografie von Muhammad Asad Der Weg nach Mekka, Patmos Verlag, 2009.

[15]Siehe zur Person Hofmann, Murad Wilfried Hofmann – Deutschlands Geschenk an den Islam, Ecevit Polat, tredition Verlag, 2017.

[16]Vgl. hierzu Hans Küng Der Islam, Geschichte, Gegenwart, Zukunft, S. 45–46, Piper Verlag, 2006; Bassam Tibi Im Schatten Allahs-Der Islam und die Menschenrechte, S. 147, Piper Verlag, 1994.

[17]Originaler Titel: Promesses de l´Islam, Paris, 1981.

[18]Originaler Titel: L´Islam habite notre avenir, Paris, 1981.

[19]Verheißung Islam, S. 21, SKD Bavaria Verlag, 1994.

[20]Vgl. Bati Terörü (franz. Le terrorisme occidental), S. 25, Pinar Yayinlari, 2007.

[21]Biographie des 20. Jahrhunderts-Ein philosophisches Testament, S. 13.

[22]Miguel De Cervantes Saavedra, Don quixote von la Mancha, übersetzt von Ludwig Tieck, Fischer Verlag, 2009.

[23]Vgl. Roger Garaudy, Don Kişot-Yaşanmiş Şiir (franz. La poésie vécue: Don Quichotte), S. 13, Türk Edebiyati Vakfi, 2. Auflage, 2013.

[24]Biographie des 20. Jahrhunderts-Ein philosophisches Testament, S. 36–37.

[25]Ebd., S. 15.

[26]Biographie des 20. Jahrhunderts-Ein philosophisches Testament, S. 17.

[27]Ebd., S. 19.

[28]Ebd.

[29]Vgl. hier seine 1953 (deutsch Berlin 1960) erschienene Dissertation Die materialistische Erkenntnistheorie sowie die in Moskau entstandene Doktorarbeit Die Freiheit als philosophische und historische Kategorie (Paris 1956, deutsch Berlin 1959).

[30]Siehe hierzu den hervorragenden Beitrag von Dr. Murad Wilfried Hofmann Die Europäische Mentalität und der Islam in: Den Islam verstehen, S. 207–220, Çağri Yayinlari, 2. Auflage, 2010.

[31]Biographie des 20. Jahrhunderts-Ein philosophisches Testament, S. 22.

[32]Ebd.

[33] Das Konzil (Vaticanum II) fand vom 11. Oktober 1962 bis zum 8. Dezember 1965 statt.

[34]In der offiziellen Verlautbarung des Vaticanum II, wurde erstmalig der Startschuss auch zum Dialog mit den Muslimen ermutigt: Mit Hochachtung betrachtet die Kirche auch die Muslime, die den alleinigen Gott anbeten, ließ der damalige Papst Paul VI verlautbaren; vgl. Gerhard Schweizer Islam verstehen, S. 272–290, Klett-Cotta Verlag, 2016.  

[35]Siehe hierzu: Roger Garaudy Für einen Realismus ohne Scheuklappen-Picasso, Saint-John Perse, Kafka, Europa Verlag 1981 (franz. Originalausgabe: D´un Réalisme sans rivages, 1963).

[36]Siehe zu den Beiträgen: Der Dialog- oder ändert sich das Verhältnis zwischen Katholizismus und Marxismus? Rowohlt Taschenbuch Verlag, 1966.

[37]Biographie des 20. Jahrhunderts-Ein philosophisches Testament, S. 13.

[38]Der Dialog- oder ändert sich das Verhältnis zwischen Katholizismus und Marxismus?,  S. 30.

[39]Jürgen Moltmann, Hoffnung für eine unfertige Welt, S. 47–48, Patmos Verlag, 2016.

[40]Veröffentlicht: Evangelische Zentralstelle für Weltanschauungsfrage – Wo heute Hoffnung lebt, Information Nr. 62 Stuttgart XI/1975.

[41]Vgl. Die Alternative-Ein neues Modell der Gesellschaft jenseits von Kapitalismus und Kommunismus (1972); Das Projekt Hoffnung (1976); Aufruf an die Lebenden (1979).

[42]Biographie des 20. Jahrhunderts-Ein philosophisches Testament, S. 196.

[43]Aufruf an die Lebenden, S. 59, Verlag Luchterhand, 1981.

[44]Biographie des 20. Jahrhunderts-Ein philosophisches Testament, S. 196.

[45]Plädoyer für einen Dialog der Zivilisationen, S. 142, Europaverlag 1980.

[46]Zapatero konnte den türkischen Ministerpräsidenten Recep Tayyip Erdogan davon überzeugen, die Schirmherrschaft mit zu übernehmen.

[47]Karl-Josef Kuschel beschreibt die theoretischen Voraussetzungen für einen Dialog der abrahamitischen Religionen in: Streit um Abraham-Was Juden, Christen und Muslime trennt – und was sie eint, S. 214–306, Piper Verlag, 1994; sein anderes Werk Juden Christen Muslime-Herkunft und Zukunft, gehört sowohl inhaltlich als auch vom Umfang her, zu den hilfreichsten Handbüchern zum Dialog der Religionen, Patmos Verlag, 2007.

[48]Vgl. Roger Garaudy L´Islam en Occident-Cordoue, Capitale de l´Esprit, 1987.

[49]Vgl. Mariano Delgado, Die Allainz der Kulturen als Friedensvision der Vereinten Nationen, S. 229.

[50]Vgl. Projekt Weltethos, Piper Verlag, 1990.

[51]Erlebte Menschlichkeit, S. 238–239, Piper Verlag, 2013.

[52]Vgl. Verheissung Islam, S. 148, SKD Bavaria Verlag, 1994.

[53]Georges C. Anawati, Ich liebe die Muslime, weil sie Gott lieben, S. 40, Herder Verlag, 2014.

[54]Das Projekt Hoffnung, S. 7.

[55]In ihrer Biografie Von MTV nach Mekka-Wie der Islam mein Leben veränderte schildert Backer ihre Konversion eindrucksvoll, List Verlag, 2009.

[56]Gai Eatons Buch Der Islam und die Bestimmung des Menschen gilt nach der Nestorin der deutschen Islamwissenschaft Annemarie Schimmel als eines der besten Werke zum Thema Islam, Diederichs Verlag, 2000.

[57]Vgl. Murad Wilfried Hofmann, Reise nach Mekka, Cağri Yayinlar, 2010.

[58]Vgl. Discovering the Qur´an: A Contemporary Approach to a Veiled Text, SCM Press, London 1996.

[59]Vgl. Muhammad Asad, Der Weg nach Mekka, Patmos Verlag, 2009.

[60]Vgl. über die Beweggründe für Konversionen zum Islam: Cornelia Filter, Mein Gott ist jetzt Allah und ich befolge seine Gesetze gern-Eine Reportage über Konvertiten in Deutschland, Piper Verlag, 2008.

[61]Menschenwort, S. 12, Molden Verlag, 1976.

[62]Ebd., S. 15.

[63]Ebd., S. 16.

[64]Garaudy konvertierte am 02.07. 1982 in Genf in der Anwesenheit des Imams Buzuzu zum Islam. Vgl. Hatiralar-yüzyilimizda yanliz yolculuğum (franz. Originaltitel: Mon tour du siécle en solitaire/Mémoires), S. 331.

[65]Nach dieser Revolution wurde der Islam plötzlich neben dem Kommunismus wieder als eine Gefahr entdeckt. Die Medien berichteten von da an wieder von einer Islamischen Gefahr. In seiner Studie Islamfeindlichkeit in Deutschland-Ursprünge/Akteure/Stereotype, S. 14–97, hat der Sozialforscher Prof. Dr. Achim Bühl die historischen Ursprünge der Islamfeindlichkeit im Überblick chronologisch nachgezeichnet.

[66]Vgl. Ecevit Polat Säkularistische Fundamentalisten auf dem Vormarsch, S. 43 in: Islam. Die verkannte Weltreligion, Verlag tredition, 2017.

[67]Beide Bücher wurden 1981 in Paris herausgegeben: L´Islam habite notre avenir und Promesses de l´Islam.

[68]Vgl. Yaşar Nuri Öztürk Kur´an Verileri Işiǧinda Tasavvuf ve Tarikatlar, Bd. 2, S. 339, Verlag Yeni Boyut, 2014.

[69]Übersetzt von Karl Günter Simon in: Islam-Und alles in Allahs Namen, S. 127–128, GEO 1988.

[70]Die Alternative-Ein neues Modell der Gesellschaft jenseits von Kapitalismus und Kommunismus, S. 46.

[71]Ebd., S, 46.

[72]Murad Wilfried Hofmann, Der Islam als Alternative, S. 114, Diederichs Verlag, 2010..

[73]Die Alternative-Ein neues Modell der Gesellschaft jenseits von Kapitalismus und Kommunismus, S. 46–47.

[74]Biographie des 20. Jahrhunderts-Ein philosophisches Testament, S. 265.

[75]Die Alternative-Ein neues Modell der Gesellschaft jenseits von Kapitalismus und Kommunismus, S. 232.

[76]Bati Terörü (franz. Le terrorisme occidental), S. 145–185, Pinar Yayinlari, 2007.

[77]Verheissung Islam, S. 35.

[78]Gemeint war der saudische König Fahd ibn Abd al-Aziz (1921-2005). Im Sinne von Garaudy würde die Aussage die politische Prostituierte auch auf die darauffolgenden Könige zutreffen, sobald sie das Gedankengut weiterführen sollten.

[79]Die Gründungsmythen der israelischen Politik, S. 4, Übersetzung nach Peter Töpfer, 2004.

[80]Roger Garaudy, Entegrizm-kültürel intihar (franz. Inteġrismes, 1990), S. 8, Pinar Yayinlari, 2000.

[81]Die Gründungsmythen der israelischen Politik, S. 4, Übersetzung nach Peter Töpfer, 2004.

[82]Garaudy wurde neben dem arabischen Philosophen Prof. Dr. Hasan Hanafi beschuldigt, die Religion aus dem Standpunkt der traditionellen Interpretation, bewusst verfälscht zu haben. Vgl. Fethi Ahmet Polat Çağdaş İslam düşüncesinde Kuran’a yaklaşımlar, S. 53–54, iZ Yayincilik, 2009.

[83]Der muslimische Verlag SKD Bavaria Verlag in München gab zwar das Buch Verheissung Islam 1994 heraus, doch kritisierte sie in zahlreichen Anmerkungen den Autor mit: „Dem Bruder R. Garaudy ist zu verzeihen […]“, S. 133. Da fragt man sich allen Ernstes, weshalb der Verlag dieses Buch eigentlich dennoch veröffentlichte?

[84]Vgl. Verheissung Islam, S. 162.

[85]Biographie des 20. Jahrhunderts-Ein philosophisches Testament, S. 287.

[86]Ebd., S. 321.

[87]Ebd., 275.

[88]Abu Dawud, Sunan, Hadith Nr. 3585. Siehe zu ähnlichen Überlieferungen zum idschtihad: Hayreddin Karaman, Islam Hukuk Tarihi (Geschichte der islamischen Rechtslehre), S. 107–115, IZ Yayincilik, 2011.

[89]Murad Wilfried Hofmann Der Islam im 3. Jahrtausend – Eine Religion im Aufbruch, S. 217, Cagri Yayinlari, 2010.

[90]Yasar Nuri Öztürk Der verfälschte Islam, S. 140, Grupello Verlag, 2007.

[91]http://www.felixkoerner.de/sites/default/files/koerner29.pdf, siehe hierzu die Fußnote 50 (zuletzt abgerufen am 20.06.2018).

[92]Ludwig Watzal Friedensfeinde-Der Konflikt zwischen Israel und Palästina in Geschichte und Gegenwart, S. 39, Aufbau Verlag, 1998.

[93]Ebd., S. 40; Ironischerweise wurde Sharon – trotz seines nachgewiesenen Verbrechens – Jahre später wieder zum Ministerpräsidenten gewählt.

[94]Roger Garaudy, Die Gründungsmythen der israelischen Politik, S.97-98, übersetzt von Peter Töpfer, 2004.

[95]Ebd., S. 98.

[96]Ebd., S. 99.

[97]Biographie des 20. Jahrhunderts-Ein philosophisches Testament, S. 174.

[98]Roger Garaudy, Die Gründungsmythen der israelischen Politik, S.4.

[99]Die Israel Lobby, S. 463, Verlag VGB, 1992.

[100]Zitiert aus: Norman G. Finkelstein, Die Holocaust-Industrie, S. 18, Piper Verlag, 2001.

[101]Ebd., S. 18.

[102]Im Vorwort dieser Ausgabe stand folgendes: Diese Ausgabe ist nicht öffentlich. Sie war ausschließlich den Abonnenten der Zeitschrift La Vieille Taupe zugänglich gewesen.

[103]Zitiert aus der türkischen Ausgabe: Şahitlerim (frz. Mes Témoins), S.214, Türk Edebiyat Vakfi, 2006.

[104]Vgl. hierzu den Beitrag von Peter Schütt in:  https://www.welt.de/print-welt/article451743/Abkehr-von-den-falschen-Freunden.html (zuletzt abgerufen am 17.06.2018).

[105]Die Gründungsmythen der israelischen Politik, S. 112.

[106]Ebd., S. 68.

[107]Der jüdische Forscher Prof. Dr. Norman G. Finkelstein hat in seinem Buch Die Holocaust-Industrie unlängst nachgewiesen, wie der Holocaust politisch als Waffe instrumentalisiert wird.

[108]Biographie des 20. Jahrhunderts-Ein philosophisches Testament, S. 178–179.

[109]Vom 25. bis 26. Mai 1997 fand  in Tunesien eine Tagung dazu statt, vgl. das Dokument Papier dazu: Şahitlerim (frz. Mes Témoins), S. 169–170. Für die Anwälte der arabischen Juristen-Vereinigung was das Verbot des Buches eine politische Entscheidung in Frankreich gewesen, die in keinster Weise mit den internationalen Menschenrechten kompatibel sei.

[110]Vgl. hierzu den Brief von Ahmad Kuftaro an Abbé Pierre vom 01. August 1996 in Şahitlerim (frz. Mes Témoins), S. 165–166. 

[111]Vgl. Amerikan Efsanesi (dt. Der amerikanische Mythos), S. 116–117, Türk Edebiyat Vakfi, 2007.

[112]Vgl. Şahitlerim (frz. Mes Témoins), S. 214.

[113]Die Gründungsmythen der israelischen Politik, S. 5–6.

[114]Vgl. dazu eingehend: Murad Wilfried Hofmann Den Islam verstehen, S. 139–151.

[115]Vgl. Roger Garaudy Comment l´homme devint humain (1979).

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