Der Islam und die Menschenrechte

von Ecevit Polat am 27. Juli 2010

Der Begriff  „Menschenrechte“ kommt in keiner Heiligen Schrift vor, zumal Individuen als Gottes Geschöpf aus religiöser Sicht nicht als eigenständige Träger von Rechten gedacht werden können; denn nur Gott verleiht bez. gewährt Rechte. Deshalb konnte sich die Vorstellung von Menschenrechten, wie sie den amerikanischen und französichen Menschenrechtserklärungen im 18. Jahrhundert zugrunde lag, nur im geistigen Klima der Aufklärung entwickeln.Trotzdem lässt sich unschwer nachweisen , dass alle klassischen Menschenrechte im Sinne der heute gültigen internationalen Verträge der Vereinten Nationen und des Europarats schon seit 1400 Jahren im Koran verankert waren, und zwar als Reflexrechte: Aus dem Verbot der Tötung von Menschen lässt sich ein Recht auf Leben herauslesen. Gleiches gilt für das Recht auf Eigentum (Verbot des Diebstahls) oder das Recht auf politische Partizipation (Gebot der Konsultation).

Da die islamische Rechtsordnung von Anfang an auf die Abschaffung der Sklaverei ausgerichtet war, gibt es heute nur zwei Konfliktsbereiche zwischen der westlichen und der islamischen Menschenrechtsordnung:

1. Der Koran sieht für wenige , schwere Delikte Körperstrafen,
einschließlich der Todesstrafe vor (5:33, 38, 24: 2).

2. Das islamische Familienrecht geht von einer (gerechten) Rollenverteilung zwischen Ehemann und Ehefrau aus, differenziert also aufgrund geschlechtsspezifischer physischer und psychischer Unterschiede.

Insgesamt stellt sich die islamische Rechtsordnung im Menschenrechtsberich als komplementär zur westlichen dar.

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