Warum dürfen Muslimas Christen nicht heiraten?

von Ecevit Polat am 3. Juni 2011

Der oberste Rat für Islamische Angelegenheiten und Minister für Religiöse Stiftungen, Prof. Mahmoud Hamdi Zakzouk schrieb in seinem 1999 veröffentlichen Buch:

1. Es ist wahr, daß der Islam einem Muslim erlaubt, eine Nichtmuslima (Christin oder Jüdin) zu heiraten, aber er verbietet dasselbe einer Muslima. Im ersten Augenblick sieht das wie ein Verstoß gegen die Gleichberechtigung aus, aber wenn man den Grund hierfür erfährt, versteht man, daß die islamische Gesetzgebung auch hier die Wohlfahrt aller Beteiligten anstrebt.

2. Die Heirat im Islam beruht auf “Barmherzigkeit und Zuneigung” sowie emotionaler Harmonie. Der Islam strebt an, daß die Ehe auf einer gesunden Basis aufgebaut wird, so daß die Beständigkeit der Ehe garantiert werden kann. Darüber hinaus ist der Islam eine Religion, die alle anderen monotheistischen Religionen ehrt und ihren Anhängern befiehlt, an alle anderen Propheten zu glauben. Dies ist ein grundlegender Bestandteil der islamischen Glaubenslehre. Wenn der Muslim eine Christin oder eine Jüdin heiratet, dann ist er von seiner Religion her beauftragt, ihren Glauben zu respektieren. Er darf ihr nicht verbieten, ihren Religionsvorschriften zu folgen und die Kirche bzw. die Synagoge zu besuchen. Diese Respektierung der Religion der Frau sichert die Wohlfahrt der Familie, welche der Islam anstrebt.

3. Wenn aber ein Nichtmuslim eine Muslima heiratet, dann ist diese Bedingung, daß er ihre Religion respektiert, nicht gegeben. Der Muslim respektiert die früheren Offenbarungsreligionen und glaubt an alle Propheten Gottes. Der Nichtmuslim glaubt aber nicht, daß der
Prophet Mohammed von Gott gesandt wurde und respektiert nicht den Islam. In den meisten Fällen neigt er dazu, an alle Lügen und Gerüchte, die über den Islam und seinen Propheten verbreitet werden, zu glauben. Wenn er dies nicht in Anwesenheit seiner Frau zugibt, wird sie doch immer das Gefühl haben, daß ihr Mann ihre Religion verachtet. Der gegenseitige Respekt zwischen Mann und Frau, der eine notwendige Grundlage für jede Ehe ist, würde damit fehlen. Dies würde entweder zur Scheidung oder zu einer unglücklichen Ehe führen.

4. Der Islam widersprach sich selbst nicht, als er die Ehe eines Muslims mit einer Nichtmuslima, die weder Christin noch Jüdin ist, verbot. Daß eine Muslima einen Nichtmuslim nicht heiraten darf, ist bereits erklärt worden. Der Muslim glaubt an alle geoffenbarten Religionen; alle anderen, die keinen Gott lehren, gelten ihm als menschliche Religionen. Wenn er also eine Frau heiraten würde, die nicht an Gott glaubt, könnte er ihren Glauben nicht respektieren. Eine solche Ehe wäre daher von Anfang an auf eine unsichere Grundlage gebaut.

Jedoch gibt es auch eine andere Sichtweise. Nasr Hamid Abu Zaid kommt zu dem Entschluss:

Die Rechtfertigungen der modernen Religionsgelehrten zur Unterstützung der klassischen Position lassen sich leicht in Frage stellen. Mit Blick auf die Frage der Gleichheit in interreligiösen Ehen braucht man hier nur festzuhalten, dass diese Gelehrten noch immer an die Überlegenheit des Mannes in Familienangelegenheiten glauben.

Dementsprechend behaupten sie, dass der Glaube einer nicht-muslimischen Frau, die mit einem Muslim verheiratet sei, respektiert werde. Sei eine muslimische Frau dagegen mit einem Nicht-Muslim verheiratet, dann sei zu befürchten, dass der Mann den Glauben seiner Frau nicht respektiere.

Die Gelehrten erinnern hier also daran, dass der Islam als die letzte göttliche Offenbarungsreligion das Judentum und das Christentum respektiert, weshalb der Glaube einer nicht-muslimischen Frau, die mit einem Muslim verheiratet sei, durch dessen Glauben geschützt sei.

Umgekehrt sei das nicht möglich, weil das Christentum nur das Judentum und das Judentum weder das Christentum noch den Islam anerkenne.

Man sieht, dass die Gelehrten weiter in einer patriarchalen und religiösen Weltsicht gefangen sind. (Gottes Menschenwort, für ein humanistisches Verständnis des Koran, Abu Zaid)

Unterstützung bekommt Prof. Abu Zaid  vom ehemaligen Dekan der Theologischen Fakultät der Universität Istanbul, Yasar Nuri Öztürk. Ferner schrieb dieser bereits in seinem Bestseller Buch im Jahre 2000 folgendes:

Es gibt kein prinzipielles Verbot, dass muslimischen Frauen Männer dieser  Religionen nicht ehelichen dürften- dies bleibt der Zeit und den sonstigen Umständen überlassen. (Der Verfälschte Islam, S. 119)

Der ehemalige sudanesische Parlamentspräsident und Islamgelehrte Hasan el-Turabi äußerte sich in einem Interview wie folgt zu diesem Thema: „Die Muslime wussten, dass die Christen die Offenbarung des Propheten nicht anerkennen würden. …. Dennoch verbietet der Koran eine solche Eheschließung nicht explizit. Selbst wenn ein Christ nicht an die Botschaft des Propheten glaubt, aber tolerant ist, würde ich persönlich keine Einwände gegen die Heirat einer Muslima mit einem Christen haben.“ (Islam, Avenir DU Monde, 1997, S.114)

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