Ist Jesus Sohn Gottes oder ein Prophet?

Die größte Streitfrage und für viele auch ein Hindernis im Dialog zwischen den zwei Weltreligionen dem Christentum und dem Islam, ist zweifellos, das Verständnis über die Natur Jesus (a). Nach dem Neuen Testament ist Jesus (a) im physiologischen Sinn, der erzeugte Sohn Gottes: „Niemand hat Gott je geschaut. Der einzig erzeugte Sohn“ der an der Brust des Vaters ruht, er hat Kunde gebracht“ (Joh 1, 18).

Der Koran betont jedoch unmissverständlich, dass auch Jesus genauso wie die vorangegangenen Gesandten, nur ein sterblicher Mensch sei. Auch wird hervorgehoben, dass das  Prädikat „Sohn Gottes“ nur eine Erfindung der Menschen ist: „Und die Christen sagen: Der Messias ist Gottes Sohn (ibn Allah). Das ist ihre Rede aus ihrem eigenen Munde!“ (Koran 9:30).

Wurde Jesus (a) tatsächlich seit Beginn seiner Mission als Sohn Gottes verehrt? Was sagen die historischen Quellen dazu?

Der christliche Religionswissenschaftler Professor Thomas Schirrmacher ist fest davon überzeugt, dass Jesus (a) mit dem Titel „Sohn Gottes“ auch immer schon öffentlich auftrat. Seine Anhänger und Mitstreiter verehrten ihn als Sohn Gottes (siehe hierzu: Schirrmacher, Koran und Bibel, S. 88-90).

Für viele gläubige Christen liegt der Beweis für die Sohnschaft Jesu (a) im Neuen Testament. Joachim Gnilka ist Professor für neutestamentliche Exegese und Buchautor zahlreicher Werke. Sein Schwerpunkt liegt vor allem darin, den Beweis zu erbringen, dass die Bibel in sämtlichen Vergleichen dem Koran überlegen sei. Nach Gnilka ist die Beweislage über die göttliche Natur von Jesus (a) offenkundig, weil dies an verschiedenen Stellen des Neuen Testaments vorkommt. Daher wäre es des Weiteren auch nicht nötig, darüber sinnlos zu streiten: „Als Gottessohn steht er in einem einzigartigen Verhältnis zu Gott. Dabei ist es von Bedeutung, dass diese beiden Prädikate (Christus/Sohn) in allen wichtigen neutestamentlichen Schriften und Schriftgruppen hinreichend vertreten sind, auch in den synoptischen Evangelien“ (Bibel und Koran, Was sie verbindet, was sie trennt, S. 103).

Sind die Schriftgruppen denn wirklich hinreichend in den historischen Quellen dokumentiert, wie  Gnilka es zu glauben wünscht?

Der evangelische Theologie Professor Gerd Lüdemann lässt keinen Zweifel darüber walten, dass insbesondere die historischen Quellen in Bezug auf die Person Jesus (a) mangelhaft erscheinen. Es gibt im wahrsten Sinne des Wortes keine schriftliche Quellen, die lückenlos weder auf Jesus (a), noch auf seine Gefährten zurückzuführen sei. Die historische Bibelkritik habe dies wissenschaftlich nachgewiesen: „So haben wir über Jesus nur Fremdberichte. Sie sind weder in seiner aramäischen Muttersprache verfasst, noch stammen sie von Augenzeugen. Die Erzählungen über ihn sind zudem nicht selten widersprüchlich“ (Gerd Lüdemann, Ketzer- Die andere Seite des frühen Christentums, S. 71).

Für den international renommierten Religionswissenschaftler Professor Mircea Eliade, ist selbst eine Rekonstruktion der Botschaft von Jesus (a) nur erschwerlich zu filtern: „Es ist nicht möglich, seine ursprüngliche Botschaft zu rekonstruieren“ (Handbuch der Religionen, S. 202).

Nach den Historikern besteht heute ein weitgehender Konsens darüber, dass erst im Jahre 325 im Konzil von Nizäa Jesus (a) wesensgleich mit Gott gesetzt wurde. Ironischerweise wurde das Konzil von einem nicht getauften Heiden Kaiser Konstantin (gest. 337) einberufen. Eines der Gründe für die Einberufung der Bischöfe war unter anderem, die Streitigkeiten unter den verschiedenen Gruppen über die Natur Jesus (a) ein Ende zu setzten. Nach intensiven Disputationen innerhalb der Bischöfe, konnte sich die Überzeugung allmählich zugunsten der Göttlichkeit von Jesus (a) durchsetzen.

Dr. Gerhard Wehr skizziert den historischen Ablauf prägnant wie folgt: „So lud der noch nicht getaufte Konstantin (gest. 337) im Jahr 325 etwa 220 Bischöfe nach Nizäa in Bithynien ein, von denen die Mehrzahl aus der Ostkirche kam. Die Einflussnahme des Kaisers war offensichtlich, da er die Reisekosten beglich und seinen Sommerpalast als Tagungsort für das erste ökumenische Konzil der Christenheit zur Verfügung stellte“. Die Diskussion mündete in den Beschluss ein: „Christus ist wesensgleich mit dem Vater“ (Gerhard Wehr, Christentum, S. 36).

In seinem Buch „Jesus im Koran“  behandelt  Dr. Martin Bauschke die Frage über die historische Entwicklung von Jesus (a) vom Menschensohn zur Göttlichkeit hin ausführlich. Auch für Bauschke ist es nicht einfach, von der Hand zu weisen, dass der anfängliche Jesus (a) als Prophet seines Volkes  und nicht im wörtlichen Sinne als Sohn Gottes auftrat. Erst nach drei Konzilen konnte sich allmählich die heutige Auffassung der Groß- Kirchen  nach heftigen Auseinandersetzungen durchsetzen. Die Ansicht der Christen, die Jesus (a) für nicht gezeugt sondern von Gott erschaffen wähnten, wurden unter schrecklichen Bedingungen verfolgt: „Im Verlaufe jahrhundertelanger christologischer Streitigkeiten ist die Rede von der exklusiven Gottessohnschaft Jesu auf den Konzilen von Nizäa (325), Konstantinopel (381) und Chalzedon (451) dogmatisiert worden, und das zudem in einem metaphysischen, substanzontologischen Sinne, ähnlich wie in den altorientalischen Götterkulten, von der auch die Ideologie der Apotheose des römischen Kaiserkultes beeinflusst war. Das sog. „Nicaeno-Constantinopolitanum (381)“ bekennt von Jesus, er sei „gezeugt, nicht geschaffen, wesensgleich dem Vater“ (gr. Gennethenta ou poithhenta, homoousion to patri). Alle andersglaubenden Christen wurden von den Konzilvätern als häretisch verdammt. Einige Kirchen, darunter die arianischen, monophysitischen und nestorianischen Kirchen, haben das Chalcedonense von 451 abgelehnt (Jesus im Koran, S. 70).

Der Koran verwirft ausdrücklich die Göttlichkeit von Jesus (a) und seiner Mutter Maria (r), in dem er darauf aufmerksam macht, dass Beide menschliche Eigenschaften hatten, vor allem durch die Aufnahme von Nahrung. Auch Maria (r) wurde als Gottesgebärerin in orientalischen Teilen der Welt hoch verehrt. Der Jerusalemer Bischof Cyrill (gest. 386) war wohl der erste Theologe, der Maria „Muttergottes“ bzw. „Gottesgebärerin bezeichnete“  (gr. Parthenos he theotokos) nannte (in: Catechesis Bd. X, S. 19, zit. nach Migne (Hg.), Patrologia Graeca. Siehe auch: Neutestamentliche Apokryphen, Bd. 1, S. 365).

Der Messias, der Sohn der Maria, ist nichts anderes als ein Gesandter. Ihm gingen andere Gesandte voraus, und seine Mutter war aufrichtig. Beide nahmen Nahrung zu sich“ (Koran 5:75).

Professor Sayyid Qutb (gest. 1966) erläutert in seinem Korankommentar den Unterschied ausgehend von den  Eigenschaften von Jesus (a) und Maria (r) zum Schöpfer Gott. Für Qutb ist dies auch ein unwiderlegbarer  Beweis dafür, dass erst nach dem Ableben von Jesus (a) dieser als Sohn Gottes vergöttert wurde: „Dass er Nahrung zu sich genommen hat, ist im Leben Jesu- Gottes Friede sei mit ihm- sowie im Leben seiner wahrhaften Mutter eine Tatsache. Sie ist eine Eigenheit von erschaffenen Lebewesen und ein Zeichen des Mensch-Seins von Jesus und seiner Mutter. Wer Nahrung zu sich nimmt, stillt damit ohne Zweifel ein menschliches Bedürfnis, und es kann kein Gott sein, der dies tut, um zu leben. Denn Gott lebt, besteht und erhält Sich Selbst, ohne Essen zu benötigen“ (Fi Zilal al-Qur´an, zu Sure 5 Vers 75).

Nach dem katholischen Theologen Professor Hans Küng, darf die Sohnschaft keinesfalls als eine physische Gottessohnschaft verstanden werden. Jesus (a) habe nie den Titel „Gottessohn“ für sich in Anspruch genommen. Küng stützt seine Sichtweise hauptsächlich auf die historisch-kritische Exegese. So beschreibt er den historischen Jesus (a) folgendermaßen: „Was in der Diskussion immer wieder vergessen wird: Jesus selber war Jude und einem heutigen palästinischen Araber schon phänotypisch sehr viel ähnlicher als allen unseren byzantinischen, italienischen, spanischen oder deutschen Jesusbildern. Dieser jüdische Jesus dachte so wenig wie heute ein Muslim daran, den Glauben an den einen Gott- das erste Gebot!- aufzulockern. „Was nennst du mich gut? Niemand ist gut außer Gott allein“ war seine Reaktion auf die Anrede „Guter Meister“ (Markus, 10, 17. Siehe hierzu: Christentum und Weltreligionen, S. 172-173).

Werden nicht alle Menschen laut der Bibel, als Gottes Kinder betrachtet? „Damit ihr Kinder seid eures Vaters im Himmel“ (Matthäus, 5: 45).

Schon im Alten Testament ist die Rede von den Gottessöhnen. Wie ist das aber konkret zu verstehen, etwa als leibliche Söhne? Sohn Gottes bedeutet so viel wie: in einem besonderen Verhältnis zu Gott stehen, von ihm erwählt sein. Das Volk Israel wird als Gottes erstgeborener Sohn beschrieben: „Und du sollst zu ihm sagen: So spricht der Herr: Israel ist mein erstgeborener Sohn(Exodos, 4:22).

Die Menschen in Jerusalem betrachteten Jesus (a) nicht anders wie in den Traditionen der Altvorderen, als den auserwählten Propheten seines Volkes: „Und als er in Jerusalem einzog, erregte sich die ganze Stadt und fragte: Wer ist der? Die Menge aber sprach: Das ist Jesus, der Prophet aus Nazareth in Galiläa“ (Matthäus, 21: 10-11).

Für den Autor christlicher Publikationen Dr. Konrad Dietzfelbinger, kommt es allein auf die spirituelle Erfahrung an, nicht an die historische Authentizität der Bibel. Auch wenn diverse Textstellen bewusst oder unbewusst verfälscht wurden, entscheidend sei die geistliche Wahrheit des Neuen Testaments. Für den Glauben reicht es vollkommen aus, auch dann, wenn die schriftlichen Quellen erst ca. 200 Jahren nach Christus nieder geschrieben wurden: „Ob und wie viele Änderungen in dieser Hinsicht durchgeführt wurden, lässt sich für die Zeit bis etwa 200 n. Chr. nicht mehr mit Sicherheit ausmachen. Erst von da ab sind Handschriften mit vollständigen Büchern des Neuen Testaments erhalten. Was vorher mit diesen Büchern geschehen sein könnte, liegt im Dunkeln. Aber viele Texte sind ja ohnehin Schicht um Schicht zusammengefügt, wie etwa die Evangelien, und mit großer Wahrscheinlichkeit nicht von Augenzeugen der Ereignisse um Jesus verfasst. Was spielt es da für eine Rolle, wenn noch Hinzufügungen gemacht worden sind- vorausgesetzt, sie dokumentieren den Geist eigenständiger spiritueller Erfahrungen und damit der Wahrheit? Sind nicht die Verse Markus 16: 9-20, das halbe Kapitel am Ende des Markusevangeliums, ja das ganze 21. Kapitel des Johannesevangeliums solche Hinzufügungen? (Konrad Dietzfelbinger, die Bibel, S. 98. Siehe auch: Der historische Jesus, Angelika Strotmann).

Wahrlich, Jesus ist vor Gott gleich Adam; Er erschuf ihn aus Erde, als dann sprach Er zu ihm: „Sei!“ und da war er. (Dies) ist die Wahrheit von deinem Herrn! Darum sei keiner der Zweifler“ (Koran 3:59-60).

Fürwahr, die Wahrheit leugnen diejenigen, die sagen: Siehe, Gott ist der Christus, Sohn der Maria- da doch der Christus (selbst) sagte: O Kinder Israels! Betet Gott (allein) an, der mein Erhalter wie auch euer Erhalter ist. Siehe, wer immer irgendeinem Wesen neben Gott Göttlichkeit zuschreibt, dem wird Gott das Paradies verwehren, und sein Ziel wird das Feuer sein; und solche Übeltäter werden keinen haben, ihnen beizustehen!“ (Koran 5:72 Übersetzung nach Muhammad Asad).

ÜBER DEN AUTOR

Ecevit Polat

18 Kommentare

  • Auch ich bin begeistert … tesekkür ederim lieber Ecevit für Deine Arbeit & Deinen Elan & die Begabung das so verständlich & faszinierend in Worte zu fassen! Süper! Geteilt!

  • @Alimunzur,
    Sollten Sie bei der Erörterung der „Gottessohnschaft“ nicht eher evangelische und katholische Mainstream-Theologen heranziehen, statt irgendwelcher christlich-theologischenr Outsider?
    Oder ist die Nicht-Existenz von Mohammed (so der muslische Theologie-Professor Muhammad Sven Kalisch) auch eine Meinung, der Sie zustimmen?

  • Hallo Conring,

    Der Vergleich von Sven Kalisch ist nicht ganz angebracht, denn im Vergleich zu Kalisch, bekennen sich alle zitierten Autoren als gläubige Christen. Kalisch argumentiert dagegen nicht aus dem Glauben heraus, sondern als Aussenseiter. Und das ist gewiss ein großer Unterschied. Vielleicht sind sie der kirchlichen-Hierarchie immer noch ein Dorn im Auge, jedenfalls nicht in der Bevölkerung. Denn ein Hans Küng zum Beispiel, erzielt freilich die meisten Auflagen als christlicher Theologe und Autor in Deutschland. Das sollte nicht unterschätzt werden.

    Über die Existenz von Muhammad (s) wurde bereits ein Artikel veröffentlicht. Erstaunlicherweise wird seine Existenz selbst vom sogenannten Islamkritiker und christlichen Theologen Prof. Tilman Nagel verteidigt. Hier der Artikel dazu: https://antikezukunft.de/2012/06/17/ist-der-prophet-mohammed-eine-fiktion-oder-eine-historische-personlichkeit/

  • Slm erstmal SUperartikel die Quellendichte ist sehr gut eines ist mir aufgefallen du schreibst:

    „Nach dem Neuen Testament ist Jesus (a) im physiologischen Sinn, der erzeugte Sohn Gottes: „Niemand hat Gott je geschaut. Der einzig „erzeugte Sohn“ der an der Brust des Vaters ruht, er hat Kunde gebracht“ (Joh 1, 18).“

    „Nach dem katholischen Theologen Professor Hans Küng, darf die Sohnschaft keinesfalls als eine physische Gottessohnschaft verstanden werden. Jesus (a) habe nie den Titel „Gottessohn“ für sich in Anspruch genommen. “

    Wie müssen wir uns jetzt den von Christen behaupteten Sohn Gottes vorstellen? Ein christlicher Freund meinte man darf sich Gottes Sohn nicht wörtlich denken also als wirklich gezeugt – Wie sehen das die meisten Christen?

  • Lieber Alimunzur,

    ich hake jetzt doch noch einmal nach, was deine Auswahl an, wie du sie nennst „gläubigen Christen“ betrifft, die du zitierst.
    Du schreibst, alle sind bekennende Christen.

    Also auch Gerd Lüdemann, der sich öffentlich vom christlichen Glauben losgesagt hat?
    „Ich habe mich vom Glauben befreit“, GEO-Magazin Nr. 06/2011 „Wie das Leben gelingt“, S. 120-121 http://wwwuser.gwdg.de/~gluedem/ger/index.htm

    Oder Mircea Eliade, langjähriges Mitglied der antisemtischen und faschistischen Eisernen Garde, sowie Pionier der Schamanismus-Forschung?
    Ein gläubiger Christ als Schamane??

    Oder Konrad Dietzfelbinger, der im Buddhismus die Wahrheit sieht und sogar ein Buch zu dem Thema herausgegeben hat? („Aber im Frieden des Nirvana liegen unendliche Weisheit und unendliches Mitgefühl – und was sonst verstehen wir unter ‘Gott ’ ?“)

    Also ganz ehrlich, das wäre so, als würde ich einen Artikel über den Islam schreiben und dabei Vertreter von http://www.ex-muslime.de/ „Wir haben abgeschworen“ zitieren und sie als gläubige Muslime bezeichnen.

    Ich finde den Artikel allein schon wegen dieser doch sehr einseitigen Auswahl an „gläubigen Christen“(?) mehr als fragwürdig.
    Er enthält auch andere, falsche Aussagen.

    Jeder, der die Bibel gelesen oder sich mit Kirchengeschichte befasst hat, dürfte das erkannt haben.
    Erschreckend ist leider, dass es scheinbar doch etliche gibt, die den Artikel „gut recherchiert“ finden.

  • „Der Vergleich von Sven Kalisch ist nicht ganz angebracht, denn im Vergleich zu Kalisch, bekennen sich alle zitierten Autoren als gläubige Christen.“
    Prof. Lüdemann bekennt sich nicht als gläubiger Christ. Er hat den Austritt aus der evangelischen Kirche nur verweigert, weil das ihn seine Professorenstelle gekostet hätte. Und Mohammed Kalisch war doch auch witerhin bereit muslimische Religiosnlehrer zu unterrichten.
    Auflagenmäßig hat sich doch auch in der BRD das Jesus-Magnum-Opus von Benekikt XVI. sehr gut verkauft. Das Werk wird allerdings von Ihnen überhaupt nicht rezepiert.
    Seit wann ist Tilman Nagel ein christlicher Theologe?

  • @Conring, unterrichten heißt nicht, das man sich zu der Religion bekennt. Gab auch atheistische Theologen z.B. in der Türkei wie Turan Dursun. Er verfasste eine 6 Bändige Koranenzyklopädie und starb als Atheist.

  • Friede sei mit Dir Hans,

    was den Theologen Gerd Lüdemann betrifft, so ist es ganz allein seine persönliche Weltanschauung, wenn er die offizielle Kirchlichen Überlieferungen verwirft. Der Grund für seine Distanzierung, liegt vor allem nach Lüdemann, in den Widersprüchlichkeiten des Neuen Testaments.

    Die in dem Text vorkommenden Theologen wie : „Joachim Gnilka, Thomas Schirrmacher, Martin Bauschke, Gerhard Wehr und Hans Küng sind bekennende Christen. Ich denke, dass niemand das Recht hat, diese aufgrund ihrer Interpretation zum Christentum, zu disqualifizieren.

    Dr. Martin Bauschke schrieb: „Im Verlaufe jahrhundertelanger christologischer Streitigkeiten ist die Rede von der exklusiven Gottessohnschaft Jesu auf den Konzilen von Nizäa (325), Konstantinopel (381) und Chalzedon (451) dogmatisiert worden, und das zudem in einem metaphysischen, substanzontologischen Sinne, ähnlich wie in den altorientalischen Götterkulten, von der auch die Ideologie der Apotheose des römischen Kaiserkultes beeinflusst war. Das sog. „Nicaeno-Constantinopolitanum (381)“ bekennt von Jesus, er sei „gezeugt, nicht geschaffen, wesensgleich dem Vater“ (gr. Gennethenta ou poithhenta, homoousion to patri). Alle andersglaubenden Christen wurden von den Konzilvätern als häretisch verdammt. Einige Kirchen, darunter die arianischen, monophysitischen und nestorianischen Kirchen, haben das Chalcedonense von 451 abgelehnt (Jesus im Koran, S. 70).

    Diese Beschlüsse der oben angegebenen Konzilen, liegen in deutscher Übersetzung vor.Giuseppe Alberigo, Professor für Kirchengeschichte an der Universität von Bologna, publizierte zusammen mit 7 weiteren christlichen Theologen die Dokumente in der Ausgabe: „Geschichte der Konzilen, Vom Nicaenum bis Vaticanum“ im Verlag Fourier.

    Die Übereinkunft in diesen Konzilen , das Jesus (a)der Sohn Gottes (im physiologischen Sinn) sei, ist eben durch diese Beschlüsse nachweislich erst ca. 300 Jahren später nach dem ableben von Jesus (a) beschlossen worden. Alle Dokumente weisen explizit daraufhin (siehe hierzu: Kapitel: „Die Rezeption des ersten ökumenischen Konzils, s. 56-68 und „Das Konzil von Konstantinopel (381) S. 69-83“ in „Geschichte der Konzilen“ 1998, Verlag Fourier).

  • Lieber Ecevit,

    es stimmt, dass es diese Konzile gegeben hat. Auch, dass es christologische Streitigkeiten gegeben hat.
    Der arianische Streit z.B. im 4. Jahrhundert.

    Aber nichtsdestotrotz wurde der Glaube an Jesus als den Sohn Gottes nicht erst bei diesen Konzilen „erfunden“, sondern man findet sowohl in der Bibel als auch in Schriften der ersten Kirchenväter die Beweise dafür, dass Jesus von Anfang an als Sohn Gottes verehrt wurde.
    Dies abzustreiten, indem man auf die Konzile hinweist, ist schlichtweg falsch.
    Hier mache ich einfach Mut, sich selbst mit der Botschaft der Bibel auseinander zu setzen und zu schauen, was die Bibel über Jesus als Sohn Gottes lehrt.
    Ich denke allen ist klar, dass das Neue Testament nicht erst im 4. Jahrhundert geschrieben wurde.

    Was die Gelehrten, bzw. Theologen betrifft, so halte ich es durchaus für wichtig, dass man auch ihren weltanschaulichen Hintergrund betrachtet.
    Ansonsten wäre es genauso möglich, dass man diverse Aussagen von muslimischen Geistlichen über Themen wie den Dschihad zitiert und davon ableitet, dass der Islam alles andere als eine friedliche Religion ist.
    Oder Aussagen von islamischen Geistlichen über Apostasie, den islamischen Gottesstaat usw. Ich finde es fragwürdig, anhand von Aussagen einzelner ausgewählter Gelehrter einen Rückschluss auf den Inhalt und die Aussage eines Glaubens zu machen. Dies geschieht meiner Meinung nach aber in deinem Artikel.

    Es gibt wie erwähnt eben auch sehr viele bekennende Muslime, die Aussagen über den Islam machen, die du dennoch nicht als richtig anerkennen wirst oder?
    Genauso halte ich es für wichtig, bei Fragen über die Zuverlässigkeit des Neuen Testamentes oder eben wie in dem Artikel über die Botschaft der Bibel über Jesus, nicht nur einzelne Gelehrte zu zitieren, deren Aussagen zufällig der eigenen Meinung entsprechen.
    Du erwähnst in deinem Text übrigens auch Konrad Dietzfelbinger und Mircea Eliade und schreibst in einem Kommentar, dass sich alle von dir zitierten Personen als gläubige Christen bekennen. Trifft das deiner Meinung nach wirklich auch auf diese beiden zu?

    Warum erwähnst du in deinem Text nicht die Stellen in der Bibel, wo Jesus als Gottes Sohn beschrieben wird und gehst näher darauf ein?
    Damit würdest du dich mit der eigentlichen Quelle befassen und nicht den Meinungen von einzelnen Gelehrten, ehemaligen Christen, Schamanen oder Antisemiten.
    Das wäre in meinen Augen viel hilfreicher, wenn das Ziel deines Blogs u.a. auch der Dialog mit Christen sein soll.
    Ansonsten bekommt das ganze meiner Meinung nach einen etwas fahlen Beigeschmack, ohne dass ich dich hier persönlich angreifen will.

    Deswegen halte ich es für sinnvoller, sich mit den Aussagen der Bibel zu dem Thema zu befassen oder zu schauen, was man in der frühesten Kirchengeschichte darüber findet.
    Als einfach eine gewisse Auswahl an Gelehrten zu zitieren.
    Dann würde klar ersichtlich, dass der Glaube an Jesus als Sohn Gottes eben nicht aus dem 4. Jahrhundert stammt und auch bei keinem Konzil erfunden wurde.
    Du schreibst zwar in deinem Artikel nicht, dass das der Fall war, aber für mich persönlich vermittelt der Text den Eindruck, als würde bei den Konzilen eine neue Glaubenslehre eingeführt, was absolut nicht der Fall war.

  • Soviel ich weiss, wurde die Bibel viel Später von Leuten geschrieben, die Jesus nie gesehen und gekannt haben. Aus vielen Schreibern zusammen wurden nur Mündliche Überlieferungen weitergegeben und diese dann später als die Bibel bekannt gemacht. oder gibt es irgendwelche Orginal Schriftquellen von den Autoren, die Jesus gesehen haben? wenn nein, trifft es zu was ich darüber weiss. Und dann kann man wiederrum die Frage stellen; Wie sicher ist man, dass Jesus sich selbst als Sohn Gottes definiert hat?

    mit freundlichen Grüßen
    Baycan

  • Lieber Baycan,

    es stimmt zwar, dass etliche Gelehrte der Meinung sind, dass die Bibel später und nicht von Augenzeugen geschrieben wurde.
    Aber es gibt auch die Aussagen sehr vieler Theologen, Schriftforscher, Orientalisten usw. die genau das Gegenteil sagen und gute Argumente dafür bringen, dass große Teile des Neuen Testaments sehr wohl von Augenzeugen geschrieben wurde.

    Im Johannesevangelium heißt es u.a.: „Dies ist der Jünger, der dies alles bezeugt und aufgeschrieben hat, und wir wissen, dass sein Zeugnis wahr ist.“ Johannes 21,24
    Natürlich kann man sagen, dass die Bibel verfälscht wurde und eine solche Aussage nicht stimmen muss…aber das sollte man dann fairerweise auch klar belegen und nicht einfach in den Raum stellen.

    Wenn es dich interessiert, kannst du z.B. Bücher wie diese hier downloaden und lesen:
    http://clv-server.de/pdf/255487.pdf „Jesus von Nazareth – Tatsachen und Argumente für die Wahrheit der Evangelien“
    http://clv-server.de/pdf/255490.pdf „Die Bibel im Test“

    Ich persönlich kenne ehrlich gesagt sehr wenige Muslime, die sich ehrlich mit Meinungen von Gelehrten auseinander setzen, die für die Wahrheit und Glaubwürdigkeit der Bibel argumentieren.
    Stattdessen findet man auf islamischen Seiten meist nur Aussagen von „gläubigen Theologen“, wie es auch in diesem Artikel geschieht, die gegen die Glaubwürdigkeit der Bibel argumentieren.

    Das finde ich sehr schade, aber kann natürlich auch bewußte Strategie sein, um in eine bestimmte Richtung zu argumentieren.
    Oder ist eine Art „Dawa“. Ich weiß es nicht.

  • Hallo,
    Ich bin ein bißchen unliteratisch aber logisch.
    Warum ausgerechnet ist denn Jesus gottessohn.
    Warum nicht Adam der erste Menschenssohn.
    Wenn müsste Adam gottessohn sein oder..?
    Sogar Moses.
    Was ist denn mit noha, yosef,abraham…..usw.
    Sieht jesus überhaupt so aus wie auf dem bildern.
    Oder ist es das Germanische jesus.
    Soo viel lesen braucht man nicht, um herrauszufinden
    Ob jesus sohn gottes ist oder nicht.
    Wenn ! müsste gott aussehen wie jesus.Oder?
    Dann wäre es kein gott.Oder brauchte man gott garnicht
    Denn der Sohn ist ja daa!
    Das heist (wurzel aus holz) Jesus ist wie -Noha-Abrraham-
    Yosef -Mohammed ejn gesandter Gottes.

  • Was ich auch an der Behauptung kritisiere das Jesus Gottes Sohn sei, ist, das – soweit ich weiß – auch die Juden nur an den einen Gott glauben es steht ja mehrfach ein „Eifersüchtiger Gott“ oder?

    LG Eddy

  • „Die größte Streitfrage und für viele auch ein Hindernis im Dialog zwischen den zwei Weltreligionen dem Christentum und dem Islam, ist zweifellos, das Verständnis über die Natur Jesus (a).“

    Das war DAS Thema der ersten nachchristlichen Jahrhunderte.
    Das ist heute kein theologisches Thema mehr- belanglos.

    Es führte aber zur Herausbildung des Islam. Denn die arabischen Christen standen in theologischem wie politischem Gegensatz zu Byzanz und seiner Reichskirche. Die war aber trinitarisch. Im Prinzip war es dieser Punkt, der zur Abspaltung der arabischen Christen führte, die in eine eigene Religion namens Islam mündete.
    Soviel zum jetzigen Wissensstand.

  • Jesus Christus ist Gottes Sohn.
    Das belegt die Bibel u ergibt sich aus den eigenen Aussagen von Jesus über sich selbst.
    Der ganze christliche Glaube baut darauf auf.
    Auch ohne Auferstehung und Kreuzestod wäre alles nichts.
    Auch die Quellen des Alten Testaments belegen die Gottessohnschaft.
    Ich bin kein Theologe.Gleichwohl kann ich nur vor Irrlehrern warnen,selbst wenn es sich um Theologieprfessoren handelt.
    Was Herr Prof.Lüdemann glaubt sollte jeder selbst lesen bevor er ihn als Quelle nutzt.
    Etwas schwieriger ist es bei Prof. Hans Küng.
    Papstkritiker,Kirchenkritiker,………..Ein sehr belesener,intelligenter Mann der Wissenschaft.Dennoch,der alten Frau im Beichtstuhl die kaum eine Heilige Messe auslässt vertrau ich mehr.
    GLAUBE IST Glaube,also nicht wissen.
    Ich hab keinerlei Zweifel daran dass Jesus Gottes Sohn ist,der Weg,die Wahrheit und das Leben.Das Licht der Welt.In hundert Jahren wissen wir alle spätestens wer Recht hat.Vertrauen wir auf Jesus Christus.Seine Worte, Taten geben Zeugnis.

  • Unter Synkretismus versteht man die Vermischung von Religionen. Ins Christentum ist, nicht zuletzt durch den mehrsprachigen Paulus, der aus dem heutigen Anatolien stammte, allerlei griechisches Gedankengut eingeflossen. Könnte es vielleicht sein, dass antike Vorstellungen über Zeugungsakte von Göttern mit Menschen in die Idee eingeflossen ist, Jesus sei Gottes leiblicher Sohn? Demnach wäre er ein Halbgott. Er wird aber heute als Teil einer Dreieinigkeit verstanden.
    Wie irre die Fortführung von Gedanken über die Eigenschaften der Gottheit gehen können, sehen wir bei den Mormonen, die ich sehr, sehr gut kenne und deren Glauben ich jahrelang umfassend studiert habe. Dort hat Gott eine Frau. Beide leben auf dem Planeten Kolob und zeugen fröhlich Geistkinder, die dann später auf die Erde zur Bewahrungsprobe geschickt werden. Jesus ist in dieser Religion der Schöpfer der Erde, nicht aber Gott. Und außerdem wird gelehrt, dass Gott selbst ein Mensch war und dass ein korrekt glaubender Mormonenmann selbst ein Gott werden kann und dann sein eigenes Universum erschafft.
    Es gibt keine Grenzen bezüglich der Weiterführung ursprünglicher Glaubensvorstellungen, die nicht ad adsurdum verlaufen könnten.
    In meiner Vorstellung gibt es nur den alttestamentarischen Gott, der sich als „Ich bin, der ich bin“ dem Menschen vorstellt. Und die Beschreibung dieses Gottes mit 99 Namen im Islam finde ich großartig. Der 100. Name bleibt uns unbekannt und also der eigentliche Eckstein. Ich halte nicht Jesus für diesen Eckstein sondern eine Art pythagoreisches Komma, dass sich in diesen nur 99 Namen Gottes offenbart. Für den Menschen bleibt die letzte Antwort offen, wer und wie dieser Schöpfer aller Dinge nun sei. Er ist wirkschaffend und in seinem Werk zu erkennen, und zwar ganz ohne Trinität oder Trivialität!

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