Wie authentisch ist der Koran?

von Ecevit Polat am 22. Mai 2013


 

Seit geraumer Zeit wird der Versuch unternommen, um nachweisen zu können, dass die Heilige Schrift des Islam, der Koran, in seinen Grundzügen und seiner Endgestaltung nicht bis auf die Zeit des Propheten Muhammad (s) zurückzuführen sei. Der katholische Theologe Prof. Karl-Heinz Ohlig bemüht sich seit Jahrzehnten durch sämtliche Veröffentlichungen, diese Annahme akademisch zu unterstreichen. Der Koran sei nach Ohlig das Endergebnis einer Gemeindebildung, die nahezu in 200 Jahren nach dem Ableben des Propheten schriftlich fixiert wurde. Ohlig schreibt dazu: „Der Koran sei nur ein Ausschnitt aus einer breiteren Sunna und ein Ergebnis einer rund 200jährigen Kanongeschichte. Er enthalte also Prophetenlogien und Gemeindebildungen. Die These, dass der gesamte Koran in allen seinen Texten historisch auf Mohammed zurückgehe, ist nicht mehr aufrechtzuerhalten“ (Weltreligion Islam, S. 59).

Es ist nicht zu übersehen, dass Ohlig seine Untersuchungen weitgehend an die These von John Wansbrough in „Quranic Studies, (London 1977) “ anknüpft.

Ein anderer Aspekt für die nicht lückenlose Bewahrung des Korantextes, sei vor allem das Vorhandensein von abweichenden Mushaf (schriftliche Aufzeichnung des Korantextes) der Prophetengefährten. Tatsächlich wird in den islamischen Quellen z. B. bei Ibn Abu Dawud (gest. 928) in „Kitabu´l-Mesahif“ überliefert, dass der spätere Kalif Omar (gest. 644), Ibn Masud (gest. 653) und Ubayy b. Ka´b (gest. 649) die Sure 112 am Anfang nicht wie üblich mit „qul“ sprich gelesen haben. Außerdem habe Ibn Masud in der gleichen Sure nicht das Wort „ahad“ sondern den Begriff „wahid“ in seinem Koranexemplar aufgezeichnet (siehe hierzu: Ibn Ebu Dawud, Kitabu´l-Mesahif, Ägypten, 1936, S. 113, 222).

Vom Koranexegeten Qurtubi (gest.1273)  wird zudem berichtet, dass auch Ali ibn Abi Talib (gest. 661) insbesondere die Sure 103 (Asr) nach einem anderen Wortwahl gelesen habe, der nicht ganz dem heutigen Korantext entspricht (siehe hierzu: El Camiu li Ahkami´L-Kuran, Bd. 19, S. 330. Siehe aber auch Rudi Paret, Der Koran, Kommentar und Konkordanz, S. 521, Zweite Auflage 1981).

Wie ist es Angesicht dessen zu verstehen, wo doch die Muslime in der Gegenwart davon ausgehen, dass der Koran immer ein und derselbe Text seit Anbeginn seiner ersten Verkündigung sei? Gab es seit Beginn der Offenbarung des Korans, gegensätzlich abweichende Textvarianten?

Für den türkischen Koranforscher Prof. Ismail Cerrahoglu, besteht indes kein Zweifel, dass besonders westliche Orientalisten unermüdlich darauf hinarbeiten, die Authentizität des heutigen Korantextes zu widersprechen. Deshalb wundert es Cerrahoglu auch nicht, dass ausgerechnet der Orientalist Prof. Arthur Jeffery das kritische Werk über die Entstehungszeit des Koran „Kitabu´l-Mesahif“ von Ibn Abu Dawud (gest. 928) bei jeder Gelegenheit zitiert, um Zweifel an die gängigen autorisierten Koranausgaben zu schüren (vgl. Tefir Usulü, S. 64, Ismail Cerrahoglu, Türkiye Diyanet Vakfi Yayinlar, 20. Auflage, Ankara 2011).

Im Hadith-Korpus „al-Dschāmi as-sahīh von al-Bukhari (gest. 870) wird detailliert darüber berichtet, dass vor allem Umar ibn al-Chattab (gest. 644) den ersten Kalifen Abu Bakr (gest. 634) darauf drängte, den Koran der bis dato nur auf Palmblättern und flachen Steinen aufgeschrieben war, in ein Buchform zusammenzustellen. Der Grund für die Zusammenstellung eines Mushafs in eine Buchform war, dass in der Schlacht von al-Jamama (im Jahr 632) bedeutende Koranleser „Huffaz“ (Muslime die den Koran auswendig rezitieren konnten) starben. Zaid ibn Tabit (gest. 665) der mit einer Kommission damit beauftragt wurde, die Verantwortung für diese Angelegenheit zu übernehmen, beschreibt den Umstand wie folgt zusammen: „Abu Bakr sandte zur Zeit der Schlacht von al-Jamama, als Umar ibn al-Chattab bei ihm war, nach mir (Zaid ibn Tabit). Abu Bakr sagte: „Umar kam zu mir und sagte: In der Schlacht von al-Jamama raffte der Tod viele Koranleser dahin. Ich fürchte, der Tod möchte viele Koranleser in den Provinzen ereilen, und damit könnte ein Großteil des Korans verloren gehen. Ich glaube, du solltest anordnen, den Koran zu sammeln“. Was? Fragte ich Umar, willst du etwas tun, was selbst der Gesandte Gottes nicht tat? Bei Gott, erwiderte Umar, es wäre eine gute Tat. Umar ließ nicht ab, mich zu drängen, bis Gott mein Herz diesem Vorschlag gegenüber öffnete und ich dachte wie Umar. Zaid fuhr fort: Abu Bakr sagte zu mir: Du bist ein verständiger junger Mann, und wir sehen kein Fehler an dir; auch hast du schon für den Gesandten Gottes die Offenbarung niedergeschrieben. Geh also dem Koran nach und stelle ihn zusammen!

Bei Gott, hätte man mir befohlen, einen Berg zu bewegen, es wäre mich nicht härter angekommen als sein Auftrag, den Koran zu sammeln. Was? fragte ich (Zaid ibn Tabit), willst du etwas tun, was selbst der Gesandte Gottes nicht tat? Bei Gott, erwiderte Abu Bakr, es wäre eine gute Tat. Und er ließ nicht ab, mich zu drängen, bis Gott mein Herz diesem Vorschlag gegenüber öffnete, wie er dass Abu Bakrs und Umars geöffnet hatte. Darauf ging ich dem Koran nach und stellte ihn zusammen aus (Texten, die) auf Palmblättern, auf flachen Steinen oder in den Herzen der Männer (aufgeschrieben waren). Sogar das Ende der Sure der Buße fand ich, die ich nirgends sonst finden konnte, und zwar bei Abu l-Huzaima al-Ansari. Es handelte sich um die Verse von: „Nun ist ein Gesandter aus euren eigenen Reihen zu euch gekommen- einer, dem es nahe geht, wenn ihr in Bedrängnis kommtbis zu Schluss (Koran 9:129-130).  Die Blätter blieben bei Abu Bakr bis zu seinem Tod, dann bei Umar, bis dieser starb, dann bei Umars Tochter Hafsa“ (vgl.Sahihul Buchari, Bd. 6, S. 225. Siehe aber auch: „Die Geschichte des Koran“ (türk. Kuran-i Kerim Tarihi) Muhammed Hamidullah, S. 45-46, Beyan yayinlari).

Aus dieser Überlieferung geht eindeutig hervor, dass unmittelbar nach dem Ableben des Propheten, der Koran in ein Mushaf (schriftliche Aufzeichnungen) fixiert wurde. Zudem bezeugt der Koran selbst, dass es zu Lebzeiten des Propheten schriftlich aufgezeichnet wurde, wie dies in den folgenden Versen berichtet wird: „Und sie sagen: (Es sind) die Schriften der früheren (Generationen), die er sich aufgeschrieben hat. Sie werden ihm morgens und abends diktiert. Sag: (Nein!) Der hat ihn herab gesandt, der (alles) weiß, was im Himmel und auf Erden geheim gehalten wird. Er ist barmherzig und bereit zu vergeben“ (Koran 25:5).

„Beim Berg, (bei) einer Schrift, niedergeschrieben auf Pergament und entfaltet“ (Koran 52:1-3).

In einer weiteren Überlieferung von al-Bukhari (gest. 870) wird wiederum tradiert, dass es vor allem der 3. Kalif Uthman (gest. 656) gewesen war, der mehrere Abschriften vom Koran anfertigen ließ und diese an die neuen hinzugewonnen islamischen Zentren jeweils ein Exemplar versandt. Als Grund für die Verbreitung der Kopien ist der Bericht von Anas ibn Malik (gest. 709) aufschlussreich: „Hudaifa ibn al-Jaman kam zu Uthman, als dieser das syrische ebenso wie das irakische Heer für die Eroberung von Armenien und Adarbaigan rüstete. Hudaifa war von den unterschiedlichen Lesarten (des Koran) entsetzt und sagte zu Uthman: „Herrscher der Gläubigen, halte diese Gemeinde fest, bevor sie über ihr Buch genauso unterschiedlicher Meinung ist wie die Juden und die Christen über das ihrige“. Da sandte Uthman nach Hafsa (Tochter von Umar) und ließ ihr sagen: Schicke uns die Blätter. Wir wollen sie in Codices abschreiben und werden sie dir dann zurücksenden“. Hafsa schickte sie Uthman, der Zaid ibn Tabit, Abdallah ibn az-Zubair, Said ibn al-As und Abd ar-Rahman ibn al-Harit ibn Hisam mit der Abschrift in Codices beauftraget. Uthman sagte zu den dreien, die alle vom Stamme Qurais (Stamm des Propheten): „Wenn ihr euch bei irgendetwas im Koran von Zaid ibn Tabit unterscheidet, schreibt es entsprechend der Sprache der Qurais nieder, denn in ihrer Sprache wurde der Koran geoffenbart“. Sie taten es, und nachdem die Blätter in Codices abgeschrieben worden waren, schickte Uthman sie an Hafsa zurück. Er sandte Kopien des von ihnen hergestellten Codexes überall hin und befahl, jedes anders lautende Blatt oder jeden anders lautenden Codex zu verbrennen“ (vgl. al-Buhari, Sahih Bd. 3, S. 392-393).

Wie viele Kopien Uthman denn tatsächlich anfertigen und in die neuen Gebiete versandt, wird in den historischen Quellen mit unterschiedlichen Zahlen angegeben. Der bereits oben zitierte Ibn Abu Dawud (gest. 928) gibt in seinem Werk „Kitabu´l-Mesahif“, die Zahl zwischen vier und sieben an (Kitabu´l-Mesahif, S. 34. Vgl. auch Kuran-i Kerim Tarih, S. 50, Muhammed Hamidullah).

Die angefertigten Abschriften wurden durch die Gefährten des Propheten sowie der nachfolgenden Generation mit einer deutlich überwiegenden Zustimmung und Konsens beglaubigt. Es gab nur vereinzelten Widerstand, da diese von nun an daran angehalten wurden, den Koran nicht mehr in ihrem Dialekt, sondern nur noch ausschließlich im verkündeten Dialekt des Stammes Qurais zu rezitieren (vgl. Kurana Giris, S. 56-57, Mehmet Pacaci). Laut dem Bagdader Gelehrten Ibn Mujahid (gest. 936), gab es in der Frühzeit sieben verschiedene Lesarten gleichberechtigt nebeneinander (siehe hierzu: Nicolai Sinai, Die heilige Schrift des Islam, S. 21). Doch anderen Quellen zufolge waren sogar über zwanzig verschiedene Lesarten im Umlauf gewesen (vgl. Mustafa Öztürk, Tefsir Tarihi, S. 29-49). Der Prophet duldete anfangs abweichende Lesarten in den unterschiedlichen Dialekten, da diese als hilfreich für die Koranrezitation der neuen Muslime galten  und das Rezitieren erleichterten. In der Amtszeit von Uthman gingen die Lesarten jedoch soweit, dass selbst seine ursprünglichen Bedeutungen an etwaigen Stellen maßgeblich entstellt wurden. Das war der hauptsächliche Anlass dazu, weshalb der Kalif Uthman nur noch eine Lesart, und zwar die Lesart der Qurais für bindend erklärt hatte. Auch heute kann man die verschiedenen Lesarten in den klassischen Werken problemlos nachlesen.

Kritische Islamforscher wie John Burton, mussten schließlich nach der Anwendung von textkritischen Methoden die folgende Zeile eingestehen: “Was wir heute in unseren Händen halten, ist der mushaf (Buch) des Muhammed” (The Collection of the Quran, S. 239, Cambridge 1977).

Vollkommen ist das Wort deines Herrn in Wahrhaftigkeit und Gerechtigkeit. Es gibt niemandem, der Seine Worte abändern könnte” (Koran 6:115).

Mukatil ibn Sulaiman (gest. 767) erläutert den folgenden Koranvers 15:9 abschließend dahingehend, dass der Koran von allerlei Mängeln bewahrt geblieben ist: “Wahrlich, Wir sandten die Ermahnung herab, und Wir wollen fürwahr ihr Bewahrer sein” (Tefsir-i Kebir, Bd. 2, S. 361, isaret yayinlari).

 

{ 10 Kommentare… lese sie unten oder schreibe selbst einen }

Fabian Mai 22, 2013 um 23:50

Danke für diesen aufschlussreichen Beitrag. Eine Frage hätte ich noch. Ich habe mal von einer Überlieferung gehört die besagt, dass a) Der Koran zu Lebzeiten des Propheten niedergeschrieben wurde und b) weil er ja (allahualem) Analphabet war seine Hand über jede Seite gelegt haben soll um festzustellen ob die Seiten richtig niedergeschrieben wurden oder nicht. Angeblich hat einer probiert eine Sure umzubenennen und Mohammed saw. Hat dies direkt über Handauflegen erkannt und die Sure von jemand anderen Neuschreiben lassen.

Ist dies nun eine erfunden Üerlieferung um das Wunder des Islams zu vergrößern oder ist was wahres dran an dieser Überlieferung?

Wasalam

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alimunzur Mai 23, 2013 um 01:55

Selam Fabian,

in vielen Quellen wird ausführlich überliefert, die besagen, dass Koranverse schon zu Lebzeiten des Propheten schriftlich aufgezeichnet wurden. Was die zweite Frage angeht, so ist mir diese Überlieferung (noch) nicht bekannt. Vielleicht kann uns da ein kenntnisreicher Leser weiterhelfen.

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mellymell Mai 23, 2013 um 00:01

Ein warhaft wichtiger Artikel! Zu der Beweisführung ob der Koran authentisch ist, könnte man ergänzend noch viele Wunder aus dem Koran erwähnen… Danke für die tolle Arbeit :-)

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Peter Zeller April 28, 2015 um 10:50

Alle Religionen haben in der Geschichte Wunder behauptet, aber heute ist das mit den Wundern nicht mehr so dolle, vor allem, wenn die Wissenschaft den Wunderheilern auf die Finger sehen kann. Als Beweis taugen Wunder nicht, sonst wären ja alle Relgigionen im Besitz der alleinigen Wahrheit

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Eddy Mai 25, 2013 um 13:25

Sehr wichtiger Artikel um die Feinheiten des Korans –

Angelika Neuwirth schreibt in ihrem Buch

“der Koran als Text der Spätantike”

“Bisherige Versuche, die Sieben Lesungen zu characterisieren,
gelangten über die allgemeine Feststellung nicht hinaus,
daß die Abweichungen im wesentlichen phonetischer Art sind.” S.260

Zum Schutz des Korans gibt es unterschiedliche Meinungen die ich bis vor einiger Zeit auch nicht kannte:

http://meine-islam-reform.de/index.php/artikel/derkoran/554-ist-der-koran-geschuetzt.html

Wie steht der Autor zu der Argumentation im Link?

LG Eddy

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Peter Zeller April 28, 2015 um 10:54

Frau Neuwirth macht genau das, was die ev. und kath. Theologieprofessoren machen: sie laviertt zwischen beweisbaren Fakten, wissenshaftlicher Methodik und islamischem Wunschdenken hin und her. Sie ist nach allen Seiten offen, also nicht ganz dicht.

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Eddy Mai 25, 2013 um 19:33

wichtige Hinzufügungen zum Buch “der Koran als Text der Spätantike” :

Aus dem Artikel:

„Seit geraumer Zeit wird der Versuch unternommen, um nachweisen zu können, dass die Heilige Schrift des Islam, der Koran, in seinen Grundzügen und seiner Endgestaltung nicht bis auf die Zeit des Propheten Muhammad (s) zurückzuführen sei. Der katholische Theologe Prof. Karl-Heinz Ohlig bemüht sich seit Jahrzehnten durch sämtliche Veröffentlichungen, diese Annahme akademisch zu unterstreichen. „

Nach Prof Angelika Neuwirth wird bei solchen Unterfangungen ausgeblendet, daß der Koran anfangs vor allem mündlich weitergegeben wurde und nicht über schriftliche Zeugnisse
das geht sogar bis zur kairoer Ausgabe …

Sie schreibt:

„Der Medienrummel um die Anfänge des Koran geht mit seiner Fixierung auf Handschriften also ins Leere.“

Wann wurde der Korantext fixiert?

Neuwirth dazu:

“Alle islamischen Traditionen stimmen darin überein, daß der Koran beim Tode des Proheten noch nicht als abgeschlossene offizielle Sammlung vorlag.“

Neuwirth geht nach Daniel Madigen der sagt, das so etwas auch nicht beabsichtigt war und so sagt sie :

„Zwar fühlte sich der Verkünder in einem durch die Lesegottesdienste der Schriftbesitzer geprägten religiösen Milieu berufen, auch den Sprechern der arabsichen Sprache liturgische Rezitationstexte, wie jene sie besaßen, zu überbringen, diese sollten jedoch offenbar gerade nicht die Form eines geschlossenen Buches annehmen, sondern ausschließlich mündlich kommuniziert werden.“

„Es ist als wahrscheinlich anzunehmen, daß der Verkünder bereits mittelmekkanischer Zeit für die schriftliche Fixierung der Einzeloffenbarungen Sorge getragen hat.

Dann wird damit argumentiert, daß dies dazu diente, den komplexen Stoff mündlich besser wiederzugeben.

Schlußendlich:

„Vorläufig läßt sich als die wahrscheinlichste Theorie festhalten, daß beim Tode des Verkünders die zu dieser Zeit noch erhaltenen Offenbarungen schriftlich fixiert waren, und zwar in Form von Niederschriften, die mit seinem Wissen von einzelnen Offenbarungen angelegt worden sein dürften, wenn diese auch noch nicht in allen Teilen einer Endredaktion in einem Kodex durch ihn selbst unterzogen waren.“

Weiterhin schreibt sie, dass der koranische Text schon sehr früh fixiert worden sein muß (spätestens ab Ábd al Malik um 690) und zwar in der heutigen Form dies „wird sich also kaum mehr von der Hand weisen lassen.“

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N.G. Pressburg Juni 13, 2013 um 09:07

Kritische Islamforscher wie John Burton, mussten unweigerlich nach der Anwendung von textkritischen Methoden die folgende Zeile eingestehen: “Was wir heute in unseren Händen halten, ist der mushaf (Buch) des Muhammed” (The Collection of the Quran, S. 239, Cambridge 1977).

Das stammt von 1977.
2013 ist die Situation vollkommen verschieden.
Dass der jetzige Koran im Jahr 1924 in Kairo entstand, wissen Sie? Er löste den türkischen Koran ab, der über Jahrhunderte hinweg als der allein gültige galt aber nach ägyptischer Meinung zahlreiche Irrtümer aufwies.
Der Koran von Kairo basiert auf einer zeitgenössischen Version , die man linguistisch (also nach alten Sprachregeln) korrigierte. Es wurde auf keine ältere oder alte Koranversion Beszug genommen, sondern lediglich auf als”alt” vermutete Sprachregeln.
Die ältesten bekannten Koranfragmente (40 Seiten, gefunden in Sanaa) stammen aus der Zeit um 720. Es handelt sich um ein Palimsest, also um ein mehrfach beschriftetes (und wieder abgewaschenes) Pergament. Diese Schreibenschichten weichen voneinander ab und nochmals weichen sie vom heutig gültigen Koran ab. Das heisst es gab noch im 8.Jh.verschiedene Koranvarianten und eine – höchst menschliche-Bearbeitung.
Kein bisher bekannter Koran reicht in die Zeit Uthmans zurück. Von einem “Originalkoran” oder einer lückenlosen Tradierung kann überhaupt keine Rede sein.

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Eddy Juni 16, 2013 um 22:10

Hallo Herr Pressburg! :-)

“2013 ist die Situation vollkommen verschieden.”

Ja für Verschwörungstheoretiker die gerne an ein “inside Job” glauben ^^

“Dass der jetzige Koran im Jahr 1924 in Kairo entstand, wissen Sie?”

Das ist kompletter Quatsch als ob man den Koran neu erfunden hätte man hat sich an der Hauptquelle orientiert der mündlichen Überlieferung die in frühester Zeit sehr wahrscheinlich fixiert wurde.

“Der Koran von Kairo basiert auf einer zeitgenössischen Version , die man linguistisch (also nach alten Sprachregeln) korrigierte. Es wurde auf keine ältere oder alte Koranversion Beszug genommen, sondern lediglich auf als”alt” vermutete Sprachregeln.”

Das ist quatsch sie verwerfen die Hauptquelle als mündliche Überlieferung und das man damals ohne Kanonisierung las und auswendig lernte hinzu kommt das in den allermeisten großen Gruppierungen es Konsens über den Koran gab/gibt – der Kairiner Koran wurde anhand philologischer Tradition (Gotthelf Bergsträsser hat das eingehend beschrieben) bearbeitet an der Hauptquelle..

“sondern lediglich auf als”alt” vermutete Sprachregeln.”

Sie schmeißen hier mit Sätzen rum ohne eingehende Analyse die mündliche Tradition ist der Hauptansatz des Korans bitte formulieren Sie uns genau was mit “alten Sprachregeln” gemeint ist und inwieweit das den Textflus des Korans stört :-)

Wir haben 7 Lesarten aus dem Koran und diese sind zum übergroßen Teil ohne unterschiede wenn dann im Dialekt und sehr selten im Text

“Die ältesten bekannten Koranfragmente (40 Seiten, gefunden in Sanaa) stammen aus der Zeit um 720. Es handelt sich um ein Palimsest, also um ein mehrfach beschriftetes (und wieder abgewaschenes) Pergament. Diese Schreibenschichten weichen voneinander ab und nochmals weichen sie vom heutig gültigen Koran ab. ”

Neuwirth dazu:

Der Medienrummel um die Anfänge geht also ins leere.

Ach ja Saana..

Prof Altikulac sagt er habe ganz klar keine Änderungen gesehen bei seinen Aufenthalten

“Baktığım parçaların günümüzdekilerle karşılaştırmasını yaptığımda Kuran’ın hiç değişikliğe uğramadığı açıkça görülüyor. Burada bulunan Mushaf parçaları arasında İslam’ın ilk yıllarına ait, hicretin ilk dönemlerine uzanan çok sayıda Mushaf parçaları var.”

http://mufidyuksel.com/kuran-i-kerimin-ilk-nushalari-sahipsiz.html

Aber lassen wir doch Rüdiger Puin reden!

Wie sind die neuen
Erkenntnisse zu bewerten?

Diese Forschung verändert nicht
den Koran, noch das, was die Mus-
lime über ihn glauben. Sie ist aber
geeignet, zum Beispiel, auf Grund
unanfechtbarer frühester Textzeug-
nisse aus muslimischer Feder, die
auch in der Orientalistik hingenom-
mene Annahme von der unverän-
derlichen mündlichen Tradierung
des Korans zu erschüttern.

Das letztere sehen die meisten Islamwissenschaftler klar anders

http://www.uni-saarland.de/fileadmin/user_upload/Campus/Forschung/forschungsmagazin/1999/1/Neue_Wege.pdf

hier viel frühere Quellen:

… dass derzeit in der muslimischen Welt (unter der Leitung der Türkischen Stiftung für Religion und der OIC [Organisation der Islamischen Konferenz]) bedeutende Koranforschungen laufen, deren Ergebnisse seit September diesen Jahres in Istanbul auch der breiten Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. Insgesamt wurden in den vergangenen 10 Jahren vier komplette Koranexemplare (!) aus der Zeit der Kalifen Uthman ibn Affan (644-656) und Ali ibn Talib (656-661) mit Koranexemplaren aus späterer Zeit verglichen.

Von September bis Dezember werden in Istanbul im Museum für türkisch-islamische Künste 250 Koranexemplare und Manuskripte aus 1400 Jahren islamischer Geschichte ausgestellt. Zur Eröffnung am 4. September haben sich schon jetzt namhafte Forscher und Wissenschaftler u.a. aus dem Louvre, dem Metropolitan, dem British Museum und dem Museum für Islamische Kunst in Berlin angekündigt.

24.09.2010

http://www.islamische-zeitung.de/?id=13784&print_view=on

türkisch:

http://nethaberci.com/sondakika-kultur-haberleri/kuran-i-kerimin-1400-yillik-ilk-nushalari-istanbulda-42024.html

http://www.ntvmsnbc.com/id/25122185/

Das älteste Blatt ist aus dem 8. Jhd. . Wir veröffentlichen von diesem 100 Jahre frühere…

Dünyadaki en eski kayıt 8. yüzyılın sonunda yer alıyor. Biz onun 100 yıl gerisinde olan eserleri de sergileyeceğiz” dedi.
http://www.siyerinebi.com/kuran-i-kerimin-ilk-nushalari-istanbulda.html
LG Eddy

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Peter Zeller April 27, 2015 um 15:23

Hallo,
die Meinung von Herrn Preßburg scheinen mir sehr viel sachlicher und sahgerchter als die nachfolgenden Beschimpfungen. DAS ist schlechter Stil.

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