Massakrierte Muhammad 900 Juden an einem Tag?

von Ecevit Polat am 19. Dezember 2014


Tatsächlich soll es kein historisches Ereignis im Leben Muhammads geben, welches seinen Anspruch, Prophet Gottes zu sein, mehr in Frage stellt und welches ihn als solchen stärker unter seinen Kritikern disqualifiziert, als die Geschichte und das Schicksal des jüdischen Stammes der Banu Quraiza. Die Vorgehensweise gegen den jüdischen Stamm – so die Kritiker – würde in aller Deutlichkeit die Grausamkeit und die Rückständigkeit der islamischen Religion beweisen. Selbst für viele Islam-Sympathisanten soll dieses historische Ereignis in der Biografie Muhammads den schwarzen Fleck schlechthin darstellen. Der katholische Theologe und Buchautor Prof. Hans Küng hält den Propheten des Islam für die Ermordung der Juden in Medina für direkt selbst verantwortlich. Bemerkenswerterweise wird der damalige Vorgang von Küng in moderner Terminologie mit einer ethnischen Säuberung assoziiert. So schreibt dieser unter der Überschrift „Wie der Prophet zum General wurde: Säuberungen und Kriege“ folgendes: „Heutzutage würde man vermutlich von „ethnischer Säuberung“ reden, auch wenn die Aggression der frühen Muslime sich nicht gegen die Juden als Volk oder Rasse richtet, sondern aus religiös-politischen Gründen nur gegen drei große jüdische Stämme in Medina. Kein Zweifel: Der Prophet ist für diese Aktionen direkt verantwortlich“ (Küng, Hans: Der Islam, Taschenbuch-Ausgabe, S. 152 – 153).

Für andere Kritiker wie z. B. Francesco Gabrieli, der in seinem Hauptwerk „Muhammad e le Prime Conquiste Arabiche“ (Mailand 1967) unter anderem konstatiert, dass die Ausrottung der Banu Quraiza der offensichtliche Beweis dafür sei, dass der Gott der Muslime nicht gleichzeitig auch der Gott der Christen sein könne: „[…] unsere Gewissheit als Christen und zivilisierte Menschen, dass dieser Gott zumindest unter diesem Aspekt betrachtet nicht unser Gott ist(aus: Aslan, Reza: Kein Gott außer Gott, Ausgabe bpb 2006 Bonn, S.113).

Ihren eigentlichen Höhepunkt für den westlichen Leser finden die Vergleiche rund um das Schicksal der Banu Quraiza in der Implikation des Holocaust des 20. Jahrhunderts. „Dem heutigen westlichen Leser drängt sich bei den Schilderungen über die Beseitigung der Juden aus Medina der Gedanke an die Vernichtung der europäischen Juden in den dreißiger und vierziger Jahren des zwanzigsten Jahrhunderts auf(Jansen, Hans: Mohammed – Eine Biografie, C.H.Beck 2008,S.316).

War Muhammad den Juden feindlich gesinnt?

Die historischen Quellen bezeugen einhellig eine kriegerische Auseinandersetzung der jungen muslimischen Gemeinde in Medina, im Besonderen mit den drei dort ansässigen einflussreichen jüdischen Stämmen der Banu Qaynuqa, Banu Nadir und der Banu Quraiza. Die Überlieferungen in Form von schriftlichen Dokumenten wie z. B. die Biografie des Propheten (Siyer), die Koranexegese und Hadithe, schildern bis ins kleinste Detail jenen Antagonismus in Medina. Nachdem der Prophet und seine Anhänger im Jahre 622 aufgrund der brutalen Verfolgung und Repressalien in Mekka nach Medina emigrieren mussten, beschloss Muhammad unmittelbar nach seiner Ankunft in Medina eine Verfassung zu entwerfen, die im Einzelnen die ethischen Angelegenheiten innerhalb der verschiedenen arabischen Stämme, insbesondere in der Gemeinschaft mit den jüdischen Stämmen, reglementieren sollte. Diese Verfassung ist bekannt als „die Verfassung von Medina“. In der Tat war die inhaltliche Zusammenstellung des Vertrages zu jenem Zeitpunkt eine revolutionäre Erscheinungsform in der Weltgeschichte, weshalb diese heute noch als „der erste schriftliche Gesellschaftsvertrag in der Menschheitsgeschichte“ gewürdigt wird. Diese Verfassung von Medina besteht insgesamt aus 47 Paragraphen. Anderen Quellen zufolge soll sie aus 52 Abschnitten bestehen (siehe hierzu: Hamidullah, Muhammed: Der islamische Prophet, Beyan Yayinlari, türkische Taschenbuch-Ausgabe, S. 167).

Für den islamischen Gelehrten Prof. Muhammed Hamidullah (1908 – 2002) war das Charakteristische an diesem Gesellschaftsvertrag folgendes: „Die Tatsache, dass die selbstständigen jüdischen Dörfer nach der Verfassung dieses Stadt-Staates aus freien Stücken dem Bündnisstaat beitraten und Muhammad als Obersten Herrscher anerkannten, bedeutet nach unserer Meinung, dass auch die nicht-muslimischen Untertanen im politischen Leben des Landes Stimmrecht bei der Wahl des Leiters des muslimischen Staates besaßen(Hamidullah, Muhammed: Der Islam, 2. Auflage Ankara 1997, S. 224).

Der Vertrag von Medina ist bis heute in der ältesten erhalten gebliebenen Propheten-Biographie von Ibn Ishaq (gest. 767) „Das Leben des Propheten“ (As-Sira an-Nabawiyya) vollständig überliefert worden. Der Islamforscher Prof. Montgomery Watt untersuchte die Authentizität des Textes und kam letztendlich zu dem folgenden Ergebnis: „Der Text [der Vertrag von Medina] gilt allgemein als authentisch“ (Watt, Montgomery: Muhammad at Medina, S. 151 – 174). Auch der Islamwissenschaftler Prof. Eberhard Serauky stellt deutlich klar, dass „[…] die Authentizität des Dokumentes außer Zweifel steht(Serauky, Eberhard: Geschichte des Islam, Berlin 1991, S. 89).

Dennoch bestreitet der überzeugte Katholik Hans Küng die historische Tragweite und Bedeutung jenes Vertrages, demnach die muslimischen Historiker ungerechtfertigterweise den Bündnisvertrag von Medina mit einer Verfassung adäquat moderner Staaten gleichsetzen würden: „Man hat bisweilen übertrieben eine Verfassung, ja die Gemeindeordnung von Medina genannt(Küng, Hans: Der Islam, Taschenbuch-Ausgabe, S. 145 – 146).

Die international renommierte Religionswissenschaftlerin Karen Armstrong widerspricht Küng vehement und weist auf die umfangreiche Funktion des neuen Vertrages von Medina hin. Armstrong beschreibt in ihrem Werk „Kleine Geschichte des Islam“ folgendes: „Muhammad war zum Führer einer Stammesgruppe geworden, die nicht durch Blutsverwandtschaft, sondern durch eine gemeinsame Ideologie verbunden war, was für die arabische Gesellschaft eine erstaunliche Erneuerung bedeutete. Niemand wurde gezwungen, zur Religion des Koran überzutreten, aber Muslime, Heiden und Juden gehörten alle der einen „umma“(Gemeinschaft) an, durften sich nicht angreifen und hatten geschworen, sich gegenseitig zu beschützen(Armstrong, Karen: Kleine Geschichte des Islam, S. 28). Armstrongs Betrachtungsweise erhält eine breite Zustimmung von muslimischen Theologen wie z. B. Prof. Hüseyin Atay. Atay zufolge wurden den Juden erstmals in ihrer Stellung als Minderheit in der Geschichte grundlegende Rechte zu gesprochen. Auch gewährte die neue Verfassung von Medina ihnen die Gleichstellung mit den Muslimen (Atay, Hüseyin: Islam´ın Siyasi Olusumu, S. 116).

Ausschlaggebend waren die folgenden Paragraphen im Vertrag:

25.Die Juden von den Bani Auf bilden eine Gemeinschaft mit den Gläubigen. Die Juden haben ihre Religion und die Muslime die ihrige. Dies gilt für ihre Schutzbürger wie für sie selbst, es sei denn, jemand begeht Unrecht oder Übertretung; denn ein solcher schadet nur sich selbst und seinen Angehörigen“.

26. „Und die Juden der Banu Nadhir … , und die Juden der Banu Haritha…, und die Juden der Bani Sa‘ida…, und die Juden der Bani Dschuschan…, und die Juden der Banu Aus …, und die Juden der Banu Tha‘laba sollen die gleichen Rechte und Pflichten haben wie die Juden der Bani Auf. Wer jedoch Unrecht oder Übertretung begeht, der schadet nur sich selbst und seinen Angehörigen(Ibn Ishaq, Muhammad: Das Leben des Propheten, S. 112 – 113, Spohr Verlag).

An diesem Bündnisvertrag nahmen insgesamt 18 verschiedene Stämme teil. Für den türkischen Koranexegeten Ihsan Eliacik kann man die Verfassung auch primär als einen sozialen Vertrag identifizieren, dessen Hauptaufgabe darin bestand, die ethisch-moralischen Prinzipien im Umgang mit verschiedenen Gesellschaftsgruppen zu regeln. Das Besondere an diesen 47 Abschnitten ist, dass der Begriff „Gerechtigkeit“ am häufigsten im Dokument gebraucht wurde (siehe hierzu: Ihsan Eliacik, Recep: Adalet Devleti, 2003, S. 167 – 169).

Entgegen dieser Auffassung ist der Göttinger Islamwissenschaftler Prof. Tilman Nagel weiterhin der Ansicht, dass Muhammad alles dransetzte, Medina judenfrei zu machen, und er weist damit auch hintergründig auf das Schicksal der Banu Quraiza hin. Für Nagel soll der Prophet darüber hinaus noch eine Ermordung seiner Person durch die Juden inszeniert haben, um sich und seiner Gemeinde dadurch einen Grund zu verschaffen, gegen die Juden in Medina allmählich kriegerisch vorzugehen: „Durch geschicktes Taktieren konnte er nach und nach alle Stämme in Medina auf seine Seite bringen. Unter anderem, indem er viele der dort ansässigen Juden massakrieren ließ – er bezichtigte sie, gegen ihn zu arbeiten. All das war recht perfide(GEOkompakt Nr. 16, S. 137).

Auch der methodistische Pastor Martin Forward will davon ausgehen, dass es keinen wirklichen Anlass für ein Vorgehen gegen die Banu Quraiza gab, und dass es durchweg nur bei dem dubiosen Verdacht blieb, die Juden wären mit den Feinden der Muslime aus Mekka kollaboriert und infolgedessen ein Bündnis mit ihnen eingegangen: „Die Muslime verdächtigten einen weiteren jüdischen Verband, die Banu Quraiza, eine Allianz mit den Quraish gebildet zu haben (Forward, Martin: Mohammed- der Prophet des Islam, Herder 1998, S. 43).

Selbst für den Propheten-Biographen Essad Bey stand von Anfang an die Ambition des Propheten im Vordergrund, alle Juden von Medina ausrotten zu wollen. Dabei hätte der Prophet sich keinesfalls gescheut, mit Terrorakten die jüdische Bevölkerung zu massakrieren. So schildert Bey in Bezug auf die Juden in Medina folgendes: „Es ist kein Zufall, dass die meisten Strafen, Morde und Terrorakte dieser Zeit sich gegen die Juden richteten […] Es wurde immer klarer, dass in der Republik Gottes für die Juden kein Platz war(Essad Bey: Mohammed, Verlag dtv August 1993, S. 221).

Warum ging Muhammad letztendlich kriegerisch gegen die Banu Quraiza vor? Welchen evidenten Grund gab es dafür? Handelte es sich de facto nur um einen Verdacht, der tatsächlich eine Vernichtung der Juden legitimieren sollte?

In seiner umfangreichen Biographien–Sammlung „Kitab at-tabaqat al-kabir“ (Das große Klassenbuch) schildert Ibn Sad (784 – 845) eingehend den historischen Anlass der Auseinandersetzung zwischen den Muslimen und dem Stamm der Banu Quraiza (siehe zum Werk von Ibn Sad: Bobzin, Hartmut: Mohammed, S. 47 – 49). Bemerkenswerterweise berichtet in diesem Werk ein jüdisches Stammesmitglied der Banu Quraiza namens Amr ibn Su´da von diesem tragischen Ereignis. Es ist deshalb bemerkenswert, weil Amr ibn Su´da ein direkter Zeitzeuge jenes Geschehens war. An seine Gemeinde gerichtet sagte ibn Su´da: „Ihr Jüdische Gemeinde! Ihr hattet mit Muhammad eine Vereinbarung unterzeichnet. Darin wurde bekundet, dass ihr seine Feinde [aus Mekka] keinesfalls unterstützen und bei spontanem Angriff ihm zur Seite stehen und gemeinsam gegen die Angreifer vorgehen würdet. Ihr [gemeint sind die Banu Quraiza] habt diese Vereinbarung einseitig gebrochen. Ich jedenfalls werde da nicht mitmachen und auch unter keinen Umständen Verrat üben(Ibn Sad: Kitab at-tabaqat al-kabir, Bd. 5, Siyer Yayinlari, S. 422). Ibn Su´da spielte in diesem Zusammenhang explizit auf den Paragraphen 44 in der Erklärung der Verfassung von Medina an. Dort wurde zuvor folgendes mit den Juden vereinbart: „Und die Bündnispartner sollen einander gegen alle beistehen, die Yathrib [Medina] überfallen“.

Diese Überlieferung verdeutlicht ungetrübt, dass es sich nicht nur um einen Verdacht gehandelt haben kann, sondern um offenkundigen Hochverrat vonseiten der Banu Quraiza. In der Tafsir–Literatur wird der Grund für die Aufspaltung des Bündnisses mit der Banu Quraiza nicht wesentlich anders gedeutet. Es wird von Ibn Mujahid (645 – 723) in Anlehnung an den Koranvers 8:56, folgendes überliefert: „Die Banu Quraiza und die Banu Nadir brachen das Abkommen, indem sie die Heiden Mekkas mit Waffen versorgten. Dann aber reute es sie und sie sprachen: ‘Wir hatten [das Abkommen] nur vergessen’. Daraufhin schloss [Muhammad] mit ihnen ein zweites Abkommen, das [die Juden] am Tag der ‘Grabenschlacht’ brachen(al-Qurtubi: el-Camiu li-Ahkami´l-Quran, Bd. 8, Buruc Yayinlari, S. 72).

Noch eindrucksvoller beschreibt der arabische Historiker al-Waqidi (747 – 823) in seinem Werk „kitāb al-maghāzī” (Buch der Feldzüge) die geschichtliche Begebenheit von Medina. Waqidi unterstreicht die Friedensbotschaft von Muhammad, indem er berichtet, dass alle Juden ausnahmslos dieser Botschaft auch einvernehmlich Folge leisteten. Es wird außerdem betont, dass der Prophet als Frucht des Zusammenlebens das berüchtigte Dokument von Medina konsolidierte. Ausschlaggebend in der Tradierung von al-Waqidi ist in dieser Relation unter anderem auch die Haltung der Juden gegenüber der verpflichtenden Abmachung sowie deren Übertretung. So wird freilich berichtet: „Als der Gesandte Gottes nach Medina kam, versöhnten sich alle Juden mit ihm, und er verfasste ein Dokument über die beiderseitigen Abmachungen. Der Gesandte Gottes brachte jeden Stamm mit seinen Verbündeten zusammen, setzte eine Friedensgarantie zwischen ihnen fest und erlegte ihnen Bedingungen auf; dazu gehörte, dass sie keinem Feind gegen ihn Beistand leisten dürften. Als nun aber der Gesandte Gottes die Leute von Badr [d. h. die Qurais] besiegt hatte und (wieder) nach Medina kam, da frevelten die Juden und zerschnitten den Bund, der zwischen ihnen und dem Gesandten Gottes bestand(zitiert aus: Bobzin, Hartmut: Mohammed, Verlag C.H.Beck, 4. durchgesehene Auflage 2001, S. 104).

Wie kam es eigentlich zu diesem Hochverrat?

Im Jahre 627 begannen die Makkaner im sogenannten „Grabenkrieg“ (al-Khandaq) die Stadt Medina zu belagern, um die Muslime ein für allemal zu vernichten. Die Belagerung konnte erfolgreich durch das Ausheben eines Grabens von den Muslimen vereitelt werden (siehe dazu: Endreß, Gerhard: Der Islam in Daten, S. 23). Mitten in der Atmosphäre des Krieges wandte sich Huyay, ein Führer des jüdischen Klans der Banu Nadir – die auch schon zuvor den Vertrag von Medina einseitig gegen den Propheten durch einen Verrat widerriefen – an den Führer der Banu Quraiza Kaab ibn Asad. Huyay gelang es letztendlich, Kaab davon zu überzeugen, gemeinsam mit den Polytheisten aus Mekka gegen die Muslime vorzugehen. Schon zuvor missfiel die nur in wenigen Jahren rasante Ausbreitung des Islam diversen Juden in ihrer alten Heimatstadt. Deshalb spielten niederträchtige Eigenschaften wie Neid und Hochmut keine geringe Rolle in der Entscheidung zum Verrat gegen die Umma. Doch traf besonders dieser Hochverrat die Muslime ausgesprochen hart im Nerv. Plötzlich wurden sie von mehreren Frontlinien angegriffen, so dass sie nicht einmal mehr ihre obligatorischen Gebete am Mittag und Nachmittag (az-zuhr und al-asr) verrichten konnten. In der Tat entkamen die Muslime durch die neue Allianz der Banu Quraiza mit dem Feind aus Mekka nur knapp ihrer eigenen Auslöschung (siehe hierzu: Ramadan, Tariq: Muhammad – auf den Spuren des Propheten, S. 183 -184). Ein Koranvers fasst die schwierige Prüfung und Lage der Muslime wie folgt zusammen: „Als sie auf euch kamen von oben und von unten (von allen Seiten), und als die Blicke schweiften und die Herzen in die Kehlen stiegen und ihr verschiedene Gedanken hegtet über Gott. Da wurden die Gläubigen geprüft, und sie wurden heftig erschüttert(Koran: 33:10-11).

Als der Angriffskrieg schließlich dann doch erfolgreich abgewehrt werden konnte, belagerte Muhammad  fünfundzwanzig Tage lang die Festung der Banu Quraiza. Als letztendlich die Banu Quraiza ihrer unmittelbaren Kapitulation bevorstanden, akzeptierten sie bereitwillig den Vorschlag des Propheten, Sad ibn Muadh als Richter über ihr Schicksal einzusetzen. Die Juden der Banu Quraiza waren sogar insgeheim über die Ernennung von Sad ibn Muadh sehr erleichtert gewesen, weil sie davon ausgingen, dass Sad ibn Muadh einen Schiedsspruch zu ihren Gunsten verkünden würde. Bekanntlich stammte Sad vom Stamm der Aus ab, die durch ihre vergangenen Bündnisse im Grunde weiterhin gute Beziehungen zu den Banu Quraiza pflegten, so dass diese sich keineswegs vorstellen konnten, für den Verrat hart bestraft zu werden. Entgegen allen Erwartungen entschied sich Sad – laut den Berichten von Ibn Ishaq (gest. 767) – für die Exekution der Männer: „So entscheide ich, dass die Männer getötet und ihre Kinder und Frauen gefangengenommen werden und ihr Besitz aufgeteilt wird(Ibn Ishaq: Das Leben des Propheten, Spohr Verlag 1999, S. 180).

Außerdem berichtet Ibn Ishaq noch über die Anzahl der enthaupteten Männer, ohne sich jedoch auf eine genaue Anzahl festlegen zu wollen: „Insgesamt waren es sechs- oder siebenhundert Männer; einige behaupten sogar, es seien zwischen acht- und neunhundert gewesen(Ibn Ishaq: Das Leben des Propheten, Spohr Verlag 1999, S. 180).

Hier stellt sich nun ernsthaft die Frage, ob tatsächlich alle bis zu 900 Männer am selben Tag hingerichtet wurden oder eben doch nur die Männer, die – trotz des Abkommens mit den Muslimen – mit ihren Waffen auf sie gerichtet angegriffen hatten. Aus dem obigen Zitat von Ibn Ishaq wird ersichtlich, dass sowohl die aktiv kämpfenden als auch die nicht beteiligten Männer ausnahmslos exekutiert wurden: „So entscheide ich, dass die Männer getötet [..] werden“.

Interessanterweise machte bereits ein Zeitgenosse von Ibn Ishaq eine gravierende Unterscheidung zu diesem Tatbestand. Der Koranexeget Muqatil ibn Sulayman (gest. 767) kommentierte unmittelbar zum Koranvers: 59:12, dass nicht alle Männer mit einer Todesstrafe geahndet wurden. Im Gegenteil, Muqatil benennt darüber hinaus noch explizit die genaue Anzahl der in Gefangenschaft genommenen Männer und unterstreicht zudem noch nachdrücklich, dass nur die aktiven Krieger getötet werden sollten: „Die Krieger sollen getötet, die Frauen und Kinder sollen in Gefangenschaft genommen werden. Von ihnen sind 400 getötet und 750 Männer in Gefangenschaft genommen worden(Tafsir-i Kabir, Bd. 4, isaret Yayinlari 2006, S. 192). Somit wird in aller Deutlichkeit die Exekution aller Mitglieder des jüdischen Stammes der Banu Quraiza, wie sie in der Deutung von ibn Ishaq tradiert wird, relativiert und in Frage gestellt.

Noch relevanter erscheint in diesem Verhältnis die Aufzeichnung des historischen Berichts im mehrbändigen Werk „Mudawwana“ des malikitischen Rechtsgelehrten Saḥnūn b.Saʿīd at-Tanūḫī (776 – 854). At-Tanūḫī gilt als sogenannter Begründer der malikitischen Rechtsschule in Nordafrika. Nach dem oben benannten Werk soll Muhammad keine 900, sondern nur: „[…] 70 jüdische Männer als Gefangene, also nach ihrer Überwältigung, getötet“ haben, worunter sich nach Nafi namentlich Huyayy b. Ahtab und az-Zabir b. Bata von den Banu Quraiza befanden“ (Mudawwana Bd. 1, S. 502. Zitiert aus der Übersetzung von Schöller, Marco: Exegetisches Denken und Prophetenbiographie, S. 304).

Hier bleibt noch zu klären, weshalb in den einschlägigen Diskursen ausgerechnet dieser Überlieferung in Bezug auf den Propheten und die Juden gar keine Beachtung geschenkt wird. Noch fragwürdiger scheint zu sein, dass in den entsprechenden Propheten-Biographien auf diese bedeutsame Überlieferung nicht hingewiesen wird. So lassen sich in der Herangehensweise an die Geschichte der Banu Quraiza unvermeidlich unterschiedliche Lesarten herauskristallisieren. Hinzu kommt noch, dass selbst in einem autoritativen Text wie dem Koran keine näheren Details über die Zahl der im Krieg Gefallenen erläutert werden: „Er ließ die den Ungläubigen beistehenden Schriftbesitzer von ihren Festungen herunter kommen und jagte ihnen Schrecken ein. So habt ihr sie teils erschlagen, teils gefangengenommen(Koran: 33:26. Übersetzung nach Azhar). Muslimische Autoren weisen gegebenenfalls darauf hin, dass im Falle der Banu Quraiza richtig entschieden wurde. Denn der Schiedsspruch zur Hinrichtung der wehrfähigen Männer wurde ausschließlich auf der jüdischen Grundlage des Deuteronomium vollstreckt: „Wenn sie der Herr, dein Gott, dir in die Hand gibt, so sollst du alles, was darin männlich ist, mit des Schwertes Schärfe erschlagen. Aber die Frauen, die Kinder, das Vieh und alles, was in der Stadt ist, und allen Raub sollst du unter euch austeilen(5. Buch Mose, 20:13-14).

Der Lehrstuhlinhaber für Islamwissenschaften in Erlangen-Nürnberg Prof. Hartmut Bobzin will klarstellen, dass es entsprechend der „ethischen Normen“ im damaligen Arabien keine Seltenheit war, so bestraft zu werden. Man könne nicht willkürlich mit den heutigen Maßstäben darüber urteilen, sondern man darf vor allem nicht die soziokulturellen Hintergründe außer Acht lassen: „Mohammeds Vorgehen gegen die Juden, so unbegreiflich es uns heute in manchen Zügen zu sein scheint, hat jedoch nicht zu einer grundsätzlich judenfeindlichen Haltung des Islams geführt. (Das Christentum war stets viel judenfeindlicher!) Mohammed hat im Interesse der Konsolidierung seiner Gemeinde gewiss konsequent und im Rahmen der damaligen in Arabien üblichen ethischen Normen gehandelt. Wäre sein Handeln „verwerflich“, d. h. gegen die geltende Norm, gewesen, so hätten seine Biographen, denen ja an einer grundsätzlich positiven Darstellung gelegen war, viel mehr verschwiegen(Bobzin, Hartmut: Mohammed, S. 107).

Eine ähnliche Sichtweise vertritt auch die bereits oben zitierte Karen Armstrong. In ihrer vielbeachteten Propheten-Biographie „Muhammad“ geht sie eingehend auf das Thema ein. Nach Armstrong schien die Entscheidung von Sad ibn Muadh damals kein Entsetzten hervorgerufen haben, was nachdrücklich ein Indiz dafür ist, dass die Entscheidung in Einklang mit den normativen Prinzipien gestanden haben muss. Auch soll das weitere Leben der jüdischen Bevölkerung in Medina nach der Tragödie diese Annahme weiterhin bestärken: „Noch zu Muhammads Lebzeiten blieben kleinere jüdische Stämme auch nach 627 in Medina und hatten keinerlei Repressalien zu befürchten(Armstrong, Karen: Muhammad, Gebundene Ausgabe Diederichs 1993 S. 287). Die historischen Quellen beinhalten unzweideutig Belege vom jüdischen Leben auch nach dem Ableben des Propheten. Man denke hierbei an den Juden Abu s-Sahim al-Yahudi, der dem Propheten gegen seinen Brustpanzer Getreide verpfändete (siehe hierzu mit ausgiebigen Quellenangaben: Schöller, Marco: Exegetisches Denken und Prophetenbiographie, S. 326).

Im Jahre 1976 veröffentlichte der Islamwissenschaftler Prof. Walid N. Arafat einen aufsehenerregenden Fachartikel mit der Überschrift: „Did Prophet Muhammad order 900 Jews killed“? Darin stellte er eine lange Liste mit zwölf Punkten auf, nach deren Kriterien die Geschichte um die getöteten Juden nichts anderes als eine Fiktion wäre und einem straffen, historisch kritischen Prüfstand nicht standhalten würde (Journal of the Royal Asiatic Society of Great Britain and Ireland (JRAS), S. 100 – 107).

Im Folgenden sollen vier wesentliche Punkte aus dem Fachartikel näher dargestellt werden:

1. Der Koran verbietet klar und deutlich das Töten von Kriegsgefangenen. Entweder wird diesen unentgeltlich wieder zur Freiheit verholfen oder sie werden für ein Lösegeld wieder aus der Gefangenschaft entlassen: „Wenn ihr im Krieg auf die Ungläubigen trefft, schlagt ihnen auf den Nacken, bis ihr sie außer Gefecht gesetzt habt! Dann legt sie in Fesseln! Die Gefangenen könnt ihr später in Gnade oder gegen Lösegeld oder im Austausch freilassen. So habt ihr zu verfahren, bis der Krieg zu Ende ist“ (Koran: 47:4). Von Said Ibn Gubair (gest. 713) wird überliefert, dass dieser Koranvers in Mekka, also vor der Konfrontation in Medina mit den Juden offenbart wurde (El- Camiu li Ahkami l-Quran, Bd. 16, Qurtubi, Buruc yayinlari, S. 109). In einem weiteren Koranvers wird der Prophet dazu angehalten, im Umgang mit den Schriftbesitzern (Juden und Christen) nach Gottes Offenbarung zu richten: „Dir haben Wir das Buch (den Koran) mit der Wahrheit geschickt. Es bestätigt die davor offenbarten Schriften und bewahrt sie. Richte unter den Schriftbesitzern nach der dir von Gott herabgesandten Offenbarung […]“ (Koran: 5:48). Deshalb wäre es undenkbar, dass der Prophet diesen Versen zuwidergehandelt und die Kriegsgefangenen wie im Falle der Banu Quraiza scharenweise exekutiert hätte.

2. Dem Bericht von Ibn Ishaqs Propheten-Biographie über die bis zu 900 ermordeten Juden dürfe keinesfalls Glauben geschenkt werden, weil dieser bereits zu seiner Lebenszeit von angesehenen Gelehrten wie z. B: Malik ibn Anas (715-795) als „Lügner“ (kezzab) und „Antichrist“ (Deccalun mine´d-Decacileti) gebrandmarkt wurde. Selbst einer der bedeutendsten sunnitischen Autoritäten der Hadith-Wissenschaften, Ibn Hadschar al-ʿAsqalānī (1372-1449), ließ unweigerlich zu der tradierten Geschichte von Ibn Ishaq anmerken, dass dies nach seinem Empfinden „seltsame Geschehnisse seien(siehe hierzu auch: Ibrahim Sarmis, Hz. Muhammed´i dogru anlamak, S. 94 – 104 und die angegebenen Quellen dazu).

3. Ibn Ishak habe in seiner Prophetenvita überwiegend jüdische Überlieferungen zur Weitergabe der Geschichte herangezogen und benutzt. Der jüdische Historiker Flavius Josephus (37 – 100) berichtet eindrucksvoll in seinem Werk „Geschichte des jüdischen Krieges“ von dem Gemetzel der Juden durch die römische Besatzung in Masada (befindet sich in Israel am Südwestende des Toten Meeres). In den Jahren 73/74 n. Chr. wurde der Aufstand der Juden in Masada endgültig durch die Römer besiegelt. Nach der Kapitulation – so die Schilderung von Flavius Josephus – begannen alle 960 Juden mitsamt allen Männern, Frauen und Kindern Selbstmord zu begehen, um ehrenvoll und in Würde zu sterben. Als die Römer in die Festung stürmten, entdeckten sie nichts anderes als die regungslos auf dem Boden liegenden Leichen. Hierbei fällt vor allem die Anzahl der toten Juden auf, nämlich 960, was in gewissem Sinne eine Parallele zu den bis zu 900 getöteten Juden laut des Berichts nach Ibn Ishaq aufweist. Interessanterweise emigrierte eine nicht zu unterschätzende Anzahl der Juden nach dem Schicksal von Masada – besonders nach der zweiten Zerstörung Jerusalems – nach Medina: „Nach der zweiten Zerstörung Jerusalems durch die Römer im Jahr 70 n. Chr. bzw. nach dem Bar-Kochba-Aufstand 132 – 135 n. Chr. kam es erneut und in verstärktem Maße zu jüdischen Ansiedlungen, vor allem im Nordwesten Arabiens. Beispiele dafür sind die Oasen Taima´, Dedan und Chaibar(Bobzin, Hartmut: Mohammed, S. 59). Da Ibn Ishaq überwiegend jüdische Gewährsmänner (isnad) in seiner Beschreibung verwendet, so soll der Verdacht durchaus berechtigt sein, dass die jüdischen Gewährsmänner die Zahl der 900 durch Muhammad enthaupteten Mitglieder des Stammes der Banu Quraiza frei erfunden hätten, um einen ehrenvollen Märtyrertod wie den in Masada wieder in der Erinnerung wachzurufen. Das Leid und die ruhmvolle Geschichte durfte zu keiner Epoche in Vergessenheit geraten und wurde somit in der Tradierung von Ibn Ishaq wieder ins Bewusstsein gerufen. Die Zahl 900 bekam dadurch einen fiktionalen und symbolträchtigen Status in der jüdischen Historie (siehe: „Did Prophet Muhammad order 900 Jews killed“, S. 7).

4. Des Weiteren beschreibt Ibn Ishaq auch detailliert, wo der Prophet die bis zu 900 gefangen genommenen Juden vorerst unterbrachte: „Schließlich mussten sich die Quraiza ergeben, und der Prophet ließ sie im Gehöft der Bint Harith, einer Frau vom Stamme Nadjjar, einsperren. Sodann begab er sich zum Markt von Medina, dort, wo heute noch der Markt ist, und befahl, einige Gräben auszuheben. Als dies geschehen war, wurden die Quraiza geholt und Gruppe um Gruppe in den Gräben enthauptet(Ibn Ishaq: Das Leben des Propheten, Spohr Verlag 1999, S. 180).

Hier stellt sich wiederum die Frage, wie die bis zu 900 kriegsgefangenen Männer im Hof einer einzigen Frau untergebracht werden konnten. Es sei denn, dass der Hof dieser Frau einem Fußballplatz entsprechen würde, was aber eigentlich ausgeschlossen werden kann. All diese unterschiedlichen Lesarten bekräftigen noch einmal die Annahme, dass die Geschichte um die Banu Quraiza viel komplexer ist, als sie bislang dargestellt wurde. Die Assoziierung des Propheten Muhammad mit der Banu Quraiza habe seinem Ansehen erheblich geschadet. Dr. Murad Wilfried Hofmann drückte dies zutreffend und prägnant wie folgt aus: „Nichts hat dem Ansehen des Propheten im Westen mehr geschadet als diese Tragödien in der Gründerzeit des Islam(Hofmann, Murad Wilfried: Den Islam verstehen, Cagri yayinlari 2007 Istanbul, S. 145). 

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Baycan Yanar Februar 23, 2015 um 01:14

“Die Bestrafung von Hochverrat, vor allem im Krieg möglicherweise mit dem Tod, ist heute noch weltweit Praxis und vertößt nicht gegen die Menschenrechte”. (Murad W. Hofmann, Der Islam im 3. Jahrtausend, S. 99-100)

Super recherche! Kräftige Belege.

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Eddy Februar 25, 2015 um 14:20

Selam Baycan,

die Frage ist hier, ob nur die Befehlshaber zu töten sind oder auch gleich alle Soldaten zusammen (deswegen alle Männer getötet werden laut mancher Ahadithquellen). Sicher ist aber, dass die Strafe für Hochverrat mit so einem Umfang heute menschenrechtlich nicht gedeckt ist. Die Ahadithquellen sind in sich hier widersprüchlich. Was laut Ahadith nun genau passiert ist kann, wie Marco Schöler es auch bestätigt, niemand mehr genau erörtern.

Selam Eddy

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Eddy Februar 25, 2015 um 20:03

Sorry,

es war Marco Schöller

LG Eddy

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Esek März 14, 2015 um 07:29

Warum gibts in Saudi Arabien keine Juden mehr?Kann das damit zusammenhängen das M. dazu aufrief sie zu vertreiben?Oder haben sie sich in Luft aufgelöst?

Antworten

Cassius Juni 16, 2015 um 22:57

Das ist über 1000 Jahre her. Da spielen noch ganz andere Faktoren eine Rolle. Ein Grund ist, dass spätere Kalifen die Kopfsteuer für Nicht-Muslime forderte, was viele dazu brachte zu konvertieren. Hinzu kommt noch das Aufkommen der wahabitischen Ideologie in Saudi-Arabien, die generell vehement gegen alles vorgeht, dass nicht sunnitisch-wahabitisch-muslimisch ist.

Antworten

Eddy März 16, 2015 um 22:46

Selam Esek,

im Koran steht:

60:8 Gott verbietet euch nicht, gegenüber denjenigen, die nicht gegen euch der Religion wegen gekämpft und euch nicht aus euren Wohnstätten vertrieben haben, gütig zu sein und sie gerecht zu behandeln. Gewiß, Gott liebt die Gerechten.

4:90 Wenn sie sich jedoch von euch fernhalten und dann nicht gegen euch kämpfen, sondern Frieden anbieten, so hat euch Allah keine Veranlassung gegeben, gegen sie (vorzugehen).

Und im Koran steht weiterhin:

4:82 Denken sie denn nicht sorgfältig über den Qur’an nach? Wenn er von jemand anderem wäre als von Gott, würden sie in ihm wahrlich viel Widerspruch finden.

Also welche Quelle willst du nun aufbringen um den Koran zu widerlegen?

Frieden Eddy

Antworten

Selma Meyer April 6, 2015 um 08:30

Einfach lächerlich. Mohammed erdreistet sich Stämmen und Religionen die zuvor schon da waren seine Regeln aufzudrängen und Sie bezeichnen einen Bruch (wenn es ihn gab) solcher Vereinbarung “Hochverrat”. Sie haben keine Ahnung vom juristischen Begriff “Hochverrat”.
Und das Massaker sei auch nicht so schlimm, weil ja 900 Leichen ja nur auf einen Fussballplatz passen würden, keinen “Hof”.

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Cassius Juni 16, 2015 um 23:10

1. Frage ich mich ob du den Artikel überhaupt vollständig gelesen hast.
2. Sollte man noch erwähnen, dass Sad ibn Muadh das Urteil nicht nach koranischem Recht sprach. Man vertrat damals die Ansicht, Menschen einer bestimmten Religionszugehörigkeit, nach den Gesetzen ihrer Religion zu verurteilen. Das sind die Maßstäbe nach Deuteronomium XX 10-14 : Wenn der Herr, dein Gott, sie in deine Gewalt gibt, sollst du alle männlichen Personen mit scharfem Schwert erschlagen. Die Frauen aber, die Kinder und Greise, das Vieh und alles, was sich sonst in der Stadt befindet, alles, was sich darin plündern lässt, darfst du dir als Beute nehmen. Was du bei deinen Feinden geplündert hast, darfst du verzehren; denn der Herr, dein Gott, hat es dir geschenkt.

Antworten

lol Juli 12, 2015 um 22:56

Modernistische Wahrheitsverdreher sind mir ein Greuel:

“Sollte man noch erwähnen, dass Sad ibn Muadh das Urteil nicht nach koranischem Recht sprach.”

Ja, aber im Qur’an steht, dass dieses Urteil mit dem Allahs und den 7 Himmeln übereinstimmt.

Also gilt es sogar als rechtmäßig gemäß koranischer Lehre.

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Peter Zeller Mai 7, 2015 um 16:36

Hallo, ich denke, einige von euch haben Folgendes nicht kapiert: es geht nicht darum, ob 500 oder 900 getötet wurden, ob sie, die Hingeschlachteten, sich in ihr Schicksal ergeben hatten oder nicht, ob dieZeiten halt so waren oder auch nicht usw usf, es geht darum, dass man so doch nicht behaupten, geschweige denn belegen kann, der Islam sei eine friedliebende Religion. Ist er nicht, wie die aktuellen Morde und Religionskriege zeigen. Laßt doch diese sinnlosen Haarspaltereien, modernisiert euren Glauben!

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Cassius Juni 16, 2015 um 23:16

Ich weiß was du sagen möchtest, aber du musst mit deiner Formulierung vorsichtig sein. Sehr friedliebende Muslime werden deine Formulierung, als beleidigend empfinden, da sie ein friedliebendes Verständnis des Islams leben. Das es auch ein ganz anderes Verständnis des Islams gibt steht außer Frage. Was diese Seite hier versucht zu tun, ist ein alternatives Verständnis des Islams zu vermitteln. “wie kann man Dinge noch verstehen, wie kann man den Islam noch verstehen”. Reformation bedeutet nicht, dass man mit einem Stift an eine Heilige Schrift ran geht und diese so modernisiert. Reformation bedeutet, dass man sein Verständnis der heiligen Schrift ändert und die Prioritäten wo anders setzt. Zu Gunsten einer Modernisierung.

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Astuga Juni 26, 2015 um 19:16

Auch wenn ich ihn ansonsten nicht besonders schätze, hat Küng natürlich im Großen und Ganzen recht.
Dieser “Gesellschaftsvertrag” hatte doch lediglich den Zweck die Herrschaft der Muslime zu festigen, sowie das Abhängigkeitsverhältnis der Juden. Man könnte mal hinterfragen, was geschehen wäre wenn die Juden diesen Vertrag abgelehnt hätten, so ganz freiwillig werden sie ihn also nicht angenommen haben.
Auch der Einwand “damals waren die Verhältnisse eben so gewesen” ist Unfug, schließlich nahm Muhammed für sich in Anspruch ein Außerwählter Gottes zu sein (der beste Mensch der je gelebt hat), und eben nicht ein beliebiger Warlord. Unter den großen Religionsstiftern bildet Muhammed also auch hierbei die negative Ausnahme – denn die andere handelten sehr wohl unüblich für ihre Zeit, gerade das zeichnete sie aus.

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Alexander Juni 22, 2016 um 21:48

Wenn es darum geht Muhammad als reale historische Persönlichkeit zu beweisen, dann wird das Biografiewerk von Ibn Ishak als Argument herangezogen; dann ist Ibn Ishak eine authentische historische Quelle. Wenn es aber um die Gräueltaten des Propheten geht, dann ist Ibn Ishak plötzlich nicht mehr authentisch und die Geschichte über sie Ermordung des jüdischen Stammes ist fiktiv/unwahr. Diese Vorgehensweise ist komisch…

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Eddy Juni 25, 2016 um 01:59

Hallo Alexander,

Ibn Ishaqs Biographie ist uns überliefert worden und im Original so nicht mehr enthalten. Desweiteren die Quellenlage zeitlich weit vom Leben des Propheten entfernt ist. Hinzu kommen die vielen politischen und kriegerischen Umwälzungen während der ersten 100 Jahre.

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